Jetzt aber wird das Thema wieder aktuell. In den nationalen Räten ist eine parlamentarische Initiative der SP-Nationalrätin Pascale Bruderer hängig, die ein «Importverbot für Pelze von tierquälerisch gehaltenen, gefangenen oder getöteten Tieren» verlangt. Der Nationalrat hat das Begehren bereits angenommen, der Ständerat wird sich in der Frühjahrssession damit befassen. Eine Frage steht dabei im Zentrum: Was genau bedeutet «tierquälerisch»?

Die meisten Pelze, die in der Schweiz in den Handel gelangen, stammen noch immer aus Pelztierfarmen in Nordeuropa, Nordamerika und Russland. Die Haltungsbedingungen sind problematisch: Die Tiere wachsen meist einzeln in kleinen Gitterkäfigen auf, können nicht einmal ihren elementarsten Bedürfnissen nachgehen und haben keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten. «In der Schweiz wäre  eine solche Haltung eindeutig als Tierquälerei zu qualifizieren», so Bruderer. Für sie ist klar, dass alle unter diesen Bedingungen produzierten Pelze dem Importverbot unterlägen.

Für den Schweizerischen Pelzfachverband, Swiss Fur, eine Horrorvision: Er befürchtet ein faktisches Berufsverbot für alle Kürschner – auch wenn Swiss-Fur-Geschäftsführer Markus Hugentobler ­sicher ist, dass «Tierquälerei in den Herkunftsländern prinzipiell abgelehnt wird».

Bereits gutgeheissen hat das Parlament eine Pelz-Deklarationspflicht. Der Bundesrat erarbeitet derzeit eine entsprechende Ver­ordnung. Diese wird in Zukunft garantieren, dass bei jedem Pelz das Herkunftsland ersichtlich ist. Pascale Bruderer genügt das noch nicht. «Es kann nicht sein, dass die Schweiz weiterhin Produktionsformen im Ausland fördert, die nicht nur gegen unsere Gesetzgebung verstossen, sondern von einer Mehrheit der Bevölkerung aus ethischen Gründen klar abgelehnt werden», sagt sie.

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Ständerats hat sich am 22. Februar 2011 zum zweiten Mal gegen ein Importverbot für Pelze aus tierquälerischer Zucht ausgesprochen. Nun ist der Ständerat am Zug. Folgt er der Kommission und lehnt die parlamentarische Initiative von Pascale Bruderer ab, ist das Importverbot vom Tisch. Der Nationalrat hatte dem Begehren am 1. Dezember 2010 Folge geleistet. (sb)

Die parlamentarische Initiative für ein Importverbot von «tierquälerisch hergestellten Pelzprodukten» von Pascale Bruderer ist definitiv gescheitert: Der Ständerat hat das Begehren am 1. März 2011 mit 22 zu 12 Stimmen abgelehnt.

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