Unpolitisch war Greenpeace noch nie, und so ist auch das Thema der diesjährigen Werbekampagne mit Sicherheit nicht zufällig gewählt. Um neue Mitglieder anzuwerben, wollte die Umweltorganisation in den kommenden Wochen bei verschiedenen Fernsehstationen einen Werbespot unter dem Motto «Atomkraft ist Stillstand – die Zukunft ist erneuerbar» ausstrahlen.

Am Anfang des knapp 30 Sekunden langen Spots löst sich, begleitet vom Geräusch eines Geigerzählers, ein Atomwarnzeichen langsam auf. Dann zeigt die Umweltorganisation, wie sie sich die Energiezukunft vorstellt: mit Windrädern, Solaranlagen, Wasserkraft und Biogas.

Beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom), das den Spot vor der ersten Ausstrahlung prüfte, sorgte diese Darstellung jedoch für Nervosität und juristische Hektik. Der Spot sei zum jetzigen Zeitpunkt «rundfunkrechtlich unzulässig», urteilte das Bakom. Der Grund: Am 13. Februar wird in Bern über die Stellungnahme des Kantons zu einem neuen Atomkraftwerk in Mühleberg abgestimmt. Und weil der Greenpeace-Spot «sowohl einen sachlichen als auch einen zeitlichen Zusammenhang» zu dieser Abstimmung habe, dürfe er von keiner TV-Station ausgestrahlt werden, welche im Kanton Bern empfangbar ist.  «Würden diese Spots vor der Abstimmung ausgestrahlt, sähe sich das Bakom veranlasst, rechtliche Schritte einzuleiten», droht das Bundesamt.

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Auch eine gekürzte Fassung – ohne die Erwähnung der Atomkraft – lehnte das Bakom Mitte Januar ab. Die Begründung: Auch diese Version sei «als Stellungnahme bzw. Empfehlung zur Volksabstimmung vom 13. Februar 2011 zu verstehen», urteilte das Bundesamt. Danach könne «der Spot dagegen (weitere Abstimmungen vorbehalten) ausgestrahlt werden.»

Greenpeace zeigt den Spot nun im Internet. Eine Ausstrahlung im Fernsehen wird es auch nach dem 14. Februar kaum geben, sind doch die nächsten Atom-Abstimmungen in der Schweiz bereits programmiert, so etwa im Mai im Kanton Waadt.

Kleiner Trost für die Umweltorganisation: Auch die Alpiq ist mit einem – harmlosen –Spot nicht an den gestrengen Gesetzeshütern aus Biel vorbeigekommen. 23 Sekunden Imagekampagne, bei der es um die Förderung von erneuerbaren Energien und der Atomkraft ging, durften ebenfalls nicht ausgestrahlt werden.

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