BeobachterNatur: Herr Geiger, zurzeit sind in der Schweiz zwei Dutzend Naturparks projektiert. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?
Willy Geiger: Sehr. Ich fand schon immer, die Parks seien ein gutes Instrument, um Natur und Landschaft zu erhalten und aufzuwerten. Zudem haben sie das Potential, auch Mehrwerte für die lokale Wirtschaft zu schaffen. Nun zeigt sich, dass die Botschaft gut angekommen ist.

BeobachterNatur: Kritiker sagen aber, die Hürden im Bereich der Ökologie seien viel zu tief.
Geiger: Das sehe ich nicht so. Alle Park­regionen verfügen noch über grosse Naturwerte. Das sind echte Landschaftsrosinen, ­deren Wert man nun besser ausschöpfen kann. Zudem muss der Aspekt Nachhaltigkeit in diesen Gebieten thematisiert und konkretisiert werden.

Willy Geiger, Vizedirektor des Bafu

Quelle: Bundesamt für Umwelt BAFU

BeobachterNatur: Aber mit Naturparks müssen keine neuen Flächen geschützt und auch keine neuen Gesetze befolgt werden.
Geiger: Die Idee der Naturparks war nicht, neue Schutzgebiete oder Regeln zu schaffen. Die Idee ist eine andere: dass sich die Regionen bewusst werden, welche Natur- und Landschaftswerte sie haben, dass sie diese als ihr Kapital erhalten und daraus auch einen Nutzen ziehen können. Damit wollten wir erreichen, dass die Naturwerte sich nicht verschlechtern, sondern vielleicht noch verbessert werden.

BeobachterNatur: Der Naturschutz ist aber ­eigentlich Sache des Bundes und der Kantone. Delegieren Sie ihn damit nicht einfach an die Gemeinden, die die Parkregionen betreiben?
Geiger: Nein, denn die national bedeutenden Naturwerte und Landschaften stehen ja schon unter Schutz. Naturparks können hingegen die bisher ungeschützte Landschaft aufwerten.

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BeobachterNatur: Dann sollen sich die Betreiber des Naturparks Entlebuch gar nicht um die Moore kümmern?
Geiger: Der Moorschutz ist Sache des Bundes, der Vollzug liegt bei den Kantonen. Die Parkregion kann vom Moorschutz profitieren und sollte auch Interesse daran haben, dass diese ­Gebiete erhalten bleiben.

BeobachterNatur: Den Mooren geht es aber ziemlich schlecht. Da ist es störend, wenn nichts dagegen unternommen wird.
Geiger: Es stimmt, dass wir im Moorschutz Vollzugsprobleme haben. Doch diese zu beheben ist nicht Sache der Parks. Aber natürlich können die Betroffenen sagen: Die Moore sind unsere Naturperlen, die wollen wir besser schützen. Sie könnten im Auftrag des Kantons auch die Koordination übernehmen und sich stärker engagieren. Daran hindert sie niemand, es ist aber freiwillig.

BeobachterNatur: Wie steht das Bafu zu Bau- oder Erschliessungsprojekten in ­Parks, die nicht zum Gedanken der Nachhaltigkeit passen?
Geiger: Punktuell sind unserer Meinung nach solche Projekte möglich, da immer eine Gesamtbetrachtung anzustellen ist. Zudem schaffen die Parks kein neues Raumplanungsrecht. Es liegt allerdings im ­Ermessen der Parkgemeinden, in ihrer Charta weitergehende Regelungen zu treffen. 

BeobachterNatur: Ein grosser Teil der Bafu-Gelder, die in die Parks fliessen, werden zur Unterstützung der Wirtschaft verwendet. Ist das wirklich Aufgabe des Bundesamtes für Umwelt?
Geiger: Ja, unbedingt. Es geht uns um echte Nachhaltigkeit, die auf den Säulen Ökologie, Wirtschaft und Soziales fusst. Alle diese Säulen sind gleich wichtig und hängen zusammen: Eine Landschaft kann nur glaubwürdig und dauerhaft vermarktet werden, wenn sie gepflegt und nicht verschandelt wird. Umgekehrt kann mehr Geld für den Naturschutz zur Verfügung gestellt werden, wenn mehr Wertschöpfung erwirtschaftet wird. Wie viel Geld das Bafu in Projekte für Natur oder Wirtschaft fliessen lässt, hängt vom einzelnen Park ab.

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BeobachterNatur: Ständig kommen neue Labels und Schutzkategorien hinzu. Einzelne Flächen sind heute bis zu zehnfach geschützt. Das ist doch Wildwuchs.
Geiger: Keineswegs. Wir sind überzeugt, dass es diesen Schutz braucht. Es gibt nun mal strengere und weniger strenge Schutzinstrumente. Alle Kategorien haben ihre Berechtigung und sind aufeinander abgestimmt.

BeobachterNatur: Trotzdem machen die Regionen, in denen die Natur wirklich Vorrang hat, nur sechs Prozent der Landesfläche aus. Daran ändern auch die Naturparks nichts.
Geiger: Sechs Prozent sind sicherlich zu wenig, darum erarbeiten wir jetzt eine Biodiversitätsstrategie. Doch letztlich ist das eine Frage der finanziel­len Mittel und des politischen Willens.