Derzeit sind rund ein Dutzend Wölfe in der Schweiz unterwegs, doch es weht ihnen ein rauer Wind entgegen: Ein Wolf wurde mit behördlichem Segen bereits abgeschossen, und gegen zwei weitere liegen ebenfalls Abschussbewilligungen vor.

Für WWF und Pro Natura ist indes klar, dass alle drei Bewilligungen gegen internationales und nationales Recht verstossen. Um das zu prüfen, haben sie nun in den Kantonen Wallis und Luzern Rekurs eingelegt. «Wir sind überzeugt, dass diese Abschüsse die Berner Konvention verletzen», sagt Kurt Eichenberger, Grossraubtier-Experte beim WWF Schweiz. «Die Berner Konvention ist aber rechtlich bindend und die Schweiz ist als Unterzeichnerin der Konvention verpflichtet, sich an sie zu halten.»

In der Berner Konvention, die insgesamt von 48 Staaten unterzeichnet wurde, ist festgehalten, dass geschützte Tierarten nicht geschossen werden dürfen. Ausnahmeregelungen sind nur erlaubt, wenn keine befriedigenden Lösungen gefunden werden können und wenn die Jagd dem nationalen Bestand nicht schadet. «In der Schweiz sind zurzeit offiziell 11 Wölfe nachgewiesen», sagt Kurt Eichenberger, «jeder einzelne Abschuss schadet natürlich diesem extrem kleinen Bestand».

Die beiden Umweltorganisationen kritisieren insbesondere den Umstand, dass ihre Rekurse keine aufschiebende Wirkung haben. Mit anderen Worten: Die Rekurse müssen zwar von einem Gericht geprüft werden, abgeschossen werden können die Wölfe aber trotzdem. «Dabei beweisen die Umstände der Wolfsrisse, dass die Herdenschutzmassnahmen nicht konsequent genug umgesetzt werden und dass das Wolfskonzept dies teilweise erlaubt», sagt Eichenberger. So seien die Schafe auf der Luzerner Alp gar nicht geschützt geworden.

Ziel der Umweltorganisationen ist es darum auch, das Wolfskonzept des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) rechtlich überprüfen zu lassen. Kurt Eichenberger: «Die Idee des Wolfskonzepts ist nicht, den gefährdeten Wolf zu schützen, sondern die Schafhaltung vor unzumutbaren Veränderungen zu bewahren.» WWF und Pro Natura sind bereit, bis ans Bundesgericht gehen, falls ihnen die kantonalen Gerichte nicht Recht geben.