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Xenia Tchoumitcheva«Sex sells. Ich habe kein Problem damit»

Bekannt wurde sie wegen ihres Aussehens. Jetzt moderiert die Tessinerin in Italien eine TV-Sendung, die sich auch ökologischen Wirtschaftsthemen widmet.

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Königin der Vize-Missen: Sie ist nicht nur schön, sondern auch clever. Die bisher erfolgreichste Vize-Miss-Schweiz (2006) hat Wirtschaft studiert und verschiedene Praktika in der Finanzbranche absolviert. Seit kurzem moderiert sie die Wirtschaftssendung «L’Italia che funziona» auf Rete 4 und Mediaset. Auch Green Economy und Clean-Tech sollen in der Sendung der 24-jährigen Tessinerin Thema sein.
Quelle: Noë Flum/13 Photo

BeobachterNatur: Sie träumen davon, eine Sendung mit Talkgästen zu moderieren. Wen hätten Sie denn gerne auf der Couch?
Xenia Tchoumitcheva: Al Gore.

BeobachterNatur: Was würden Sie ihn fragen?
Tchoumitcheva:
Ich würde ihn fragen, was sich seit seinem Film «Eine ­unbequeme Wahrheit» verändert hat. Und was er bewirkt hat.

BeobachterNatur
: Und wen würden Sie gern mit kritischen Fragen löchern?
Tchoumitcheva: Manager von Ölfirmen.

BeobachterNatur: Sie hätten beinahe eine Kampagne für ­einen Ölkonzern gemacht. Der Deal soll an der Wirtschaftskrise gescheitert sein.
Tchoumitcheva: Das war ziemlich interessant, aber es hat nicht geklappt.

BeobachterNatur: Sie wären doch nur die schöne Hülle für ein schmutziges Geschäft gewesen.
Tchoumitcheva:
Ich bin nie ein Opfer. Ich benutze meinen Kopf.

BeobachterNatur: Wer sollte Ihres Erachtens mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen?
Tchoumitcheva: Die Politiker. Es braucht Gesetze. Das ist wichtig, weil wir oft zu bequem sind. Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, ökologischer zu handeln. Gesetze unterstützen die Menschen dabei.

BeobachterNatur
: Sie sagten aber auch schon, die Idee eines sich selbst regulierenden Marktes gefalle ihnen. Was nun: befreite Märkte oder politische Schranken?
Tchoumitcheva:
Auch in der Green Economy kann man den Markt spielen lassen. Ökonomie hat Vorteile. Ein Beispiel: Es gibt «grüne» Häuser, die mehr kosten. Dafür spart man damit Energie und so langfristig Geld. ­Gesetze braucht es, wenn der Markt aufgrund von Einzelinteressen nicht funktioniert.

BeobachterNatur: Was sind das für Interessen?
Tchoumitcheva:
Für viele Firmen ist es vorteilhaft, den ­Status quo zu bewahren. Der Markt ist ­leider nicht perfekt. Es gibt Monopole und Barrieren, die neuen Technologien den Markteintritt erschweren. Da ist es an der Politik, einzugreifen.

BeobachterNatur: Studien zeigen: Die Mehrheit kauft billig und viel statt bewusst und ökologisch.
Tchoumitcheva: Darum muss sich die Mentalität ­ändern. In diesem Zusammenhang sind ­Bewusstsein und Bildung wichtig.

BeobachterNatur: Als Promi können Sie zur Bewusstseinsbildung beitragen. Sind Sie ein Vorbild?
Tchoumitcheva: Ich reise viel, das ist nicht gut. Aber ich esse «bio» und lokal. Eine Win-win-Situation – gut für die Umwelt, gut für mich.

BeobachterNatur: Kompensieren Sie CO2 beim Fliegen?
Tchoumitcheva: Ja, ich mache, was ich kann.

BeobachterNatur: Sie moderieren seit kurzem ein Wirtschaftsformat auf Rete 4. Das einzig Grüne an der ersten Sendung war Ihr Kleid.
Tchoumitcheva: Die Beiträge über Green Economy sind produziert, aber noch nicht ausgestrahlt.

BeobachterNatur: Bisher haben Sie Porträts über Marken wie Lamborghini oder Moncler präsentiert – PR-Beiträge für Luxusprodukte.
Tchoumitcheva: Hey, wir versuchen Italien in ein gutes Licht zu stellen! Die Medien konzentrieren sich immer auf das Negative. Es gibt Dinge, die funktionieren sehr gut. Die ­zeigen wir. Das ist unsere erste Mission.

BeobachterNatur: Sie animieren dazu, teure Sportautos zu kaufen, die wahre CO2- Schleudern sind.
Tchoumitcheva: Auch Lamborghini macht was. Zum ­Beispiel Hybridantriebe. Das Umwelt­bewusstsein steigt, und wer sich nicht engagiert, schadet langfristig seinem Image.

BeobachterNatur: Dürfen Sie bei der Auswahl der Firmen mitreden?
Tchoumitcheva: Ja, sicher. Die Sendung ist mein Baby. Ich wähle die Unternehmen aus, mache die Kontakte und bin beim Dreh dabei.

BeobachterNatur: Wer hat entschieden, dass Sie in einem glitzernden Abendkleid moderieren?
Tchoumitcheva: Das Outfit wurde stark kritisiert. Ich habe es nicht ausgewählt, aber zugestimmt. In Wirklichkeit sah das gar nicht so schlimm aus, vor der Kamera wirkte es anders.

BeobachterNatur: Wenn Sie glaubwürdig sein wollen, müssen Sie künftig im Deux-Pièces auftreten.
Tchoumitcheva: Das werde ich auch machen. Aber das Outfit war für die erste Staffel gar nicht so schlecht. Wir sind erfolgreich gestartet.

BeobachterNatur: Um bekannt zu werden, setzen Sie auf Sex-Appeal. Dabei sind Sie doch ­eigentlich eine kluge Frau.
Tchoumitcheva: Das eine schliesst das andere nicht aus.

BeobachterNatur: Auf Ihrer Homepage fallen vor allem ­laszive Videoclips und Fotostrecken auf.
Tchoumitcheva: Die Seite muss überarbeitet werden.

BeobachterNatur: Möchten Sie Ihr Image korrigieren?
Tchoumitcheva: Sex sells. Ich habe kein Problem damit.

BeobachterNatur: Wie wollen Sie die Leute dazu bringen, Sie nicht nur anzuschauen, sondern ­Ihnen auch zuzuhören?
Tchoumitcheva: Das wird sich mit der Zeit von selbst e­rgeben. Erstens hören die Leute ja, dass ich etwas Interessantes zu erzählen habe. Zweitens werde ich älter. Die Schönheit nimmt ab; was bleibt, ist die ­Intelligenz.

Veröffentlicht am 26. April 2012