Wir sind den ganzen Tag von Palmöl umgeben und wissen es oft nicht: Es steckt in Margarine, Schokoriegeln, Kosmetika, Waschmitteln und vielem anderem. Palmöl ist das am häufigsten verwendete Pflanzenöl – und es wird in riesigen Ölpalmen-Monokulturen angebaut. Vor allem in Indonesien und Malaysia, die für etwa 85 Prozent der Welternte sorgen. Dort wurden dazu Zehntausende von Quadratkilometern Tropenwald abgeholzt. Das zerstört den Lebensraum von Menschen und Tieren, vergiftet die Böden durch Pestizide und verursacht riesige Mengen CO2 (siehe «Schmutziges Palmöl»). Das Milliardengeschäft mit Palmöl ist lukrativ, Nebenerscheinungen des Palmöl-Booms sind Korruption und Kriminalität.

Tropenwald für Zuckerrohr opfern?

In diese düstere Situation platzt nun der Schweizer Waschmittelhersteller Held mit einer Frohbotschaft: Im März kündigte er an, dass man inskünftig Palmöl in Waschmitteln durch Algenöl ersetzen wolle. Ecover, das belgische Mutterhaus von Held, arbeite ­dafür mit einer US-Biotechnologiefirma ­zusammen. Die Firma feierte diese Alternative als Durchbruch: «Algenöle sind qua­litativ sehr hochwertig, haben aber einen viel kleineren ökologischen Fussabdruck als tropische Öle wie etwa Palmöl.»

Bei Umweltschützern stösst Algenöl aber nicht auf Begeisterung. Denn bei der Produktion wandeln gentechnisch veränderte Algen in Tanks Zuckerrohr in Öl um. Greenpeace sieht zwei kritische Punkte, ist aber nicht grundsätzlich gegen die Methode: «Es muss garantiert werden, dass diese synthetisch modifizierten Algen nicht in die Umwelt gelangen», so Mirjam Kopp von Greenpeace Schweiz. Ausserdem müsse man gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, bevor die Technologie in grossem Stil angewandt wird. Problematisch könnte auch das Zuckerrohr sein: «Wenn Tropenwald für Zuckerrohrplantagen geopfert würde, wäre nichts gewonnen.»

Wesentlich kritischer zeigen sich zwei Dutzend Umweltorganisationen aus den USA und Grossbritannien, darunter Friends of the Earth. Sie schrieben Anfang April an Ecover: «Wir glauben nicht, dass technisch konstruierte Algen, die mit Zuckerrohr gefüttert werden, eine grüne, ökologische oder nachhaltige Lösung des Palmölproblems sein können.» Sie kritisieren zudem, dass keine Sicherheitstests durch eine ­unabhängige Firma vorgenommen wurden und dass Ecover das gentechnisch hergestellte Algenöl nicht auf einem Label ausweisen wolle.

Held legt eine Denkpause ein

Der Protest zeigt Wirkung. Ecover ­respektive Held verzichten vorläufig auf die Produktion und luden die Kritiker auf Ende September zu einem Gespräch ein. «Wir sind immer noch überzeugt, dass Algenöl dazu beitragen kann, das Problem der Palmölproduktion zu entschärfen», sagt Johan Synhaeve von Held-Ecover. «Doch wir möchten erst die Argumente der Kritiker hören und danach entscheiden, wie wir zukünftig mit dem Einsatz bestimmter Arten von Biotechnologie und der geplanten Produktion vor­gehen.» Man habe im Vorfeld mit dem WWF und Greenpeace gesprochen. Die Kritik der anderen Umweltorganisationen sei deshalb überraschend gekommen.

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Falls die Bedenken beseitigt werden, hofft Held-Ecover, im Frühling 2015 die Produktion von Algenöl aufnehmen zu können.

Schmutziges Palmöl: Zäher Kampf um Verbesserungen

Indonesien gehört zu den weltweit grössten Emittenten von Kohlendioxid. Hauptursache ist die Abholzung von Primär– und Torfwäldern für Palmöl­plantagen. 2004 lancierte der WWF den Runden Tisch RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil), der Produzenten, Händler und Grossverbraucher auf Minimalstandards verpflichten sollte. Der RSPO sieht zwar ein Rodungsverbot für Primärwälder vor. Doch es gelang nicht, in die 2013 über­arbeiteten Standards den Schutz der Torfwälder und das Verbot besonders gefähr­licher Pestizide aufzunehmen.

Ende 2013 befragte der WWF 43 Schweizer Firmen zum Thema Palmöl. 60 Prozent verwenden Palmöl nach den RSPO-Richtlinien, wobei Coop, Migros, Florin, Givaudan, Lindt & Sprüngli, Nestlé und Pro Fair Trade am besten abschnitten. Coop will ab 2015 nur noch RSPO-Palmöl beziehen.