Es hat schon viele Weltklimakonferenzen gegeben, warum gilt die von Kopenhagen als entscheidend?
In Kopenhagen wird die 15. Weltklimakonferenz stattfinden, seit 1992 die Uno-Klimakonvention verabschiedet wurde. Entscheidend ist Kopenhagen, weil die Zeit knapp wird, um einen Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll zu finden, das 2012 ausläuft.

Wer verhandelt in Kopenhagen?
Eingeladen sind alle 192 Staaten, die die Uno-Klimakonvention ratifiziert haben. Diese geht aber deutlich weniger weit als das Kyoto-Protokoll. Neben den Regierungsdelegierten werden Tausende von Experten, Uno-Funktionären und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen anwesend sein. Die technische Verhandlungsdelegation der Schweiz wird von Thomas Kolly geleitet, dem Chef der Abteilung Internationales im Bundesamt für Umwelt.

Kann ein Durchbruch die Klimaerwärmung stoppen?
Das Ziel ist bescheidener: Der Temperaturanstieg soll gegenüber vorindustriellen Zeiten auf plus zwei Grad begrenzt werden. Eine Mehrheit der Experten glaubt, dass die Folgen einer solchen Erwärmung gerade noch bewältigt werden können. Auf dieses Ziel haben sich im Juli die Industrie- und Schwellenländer auf dem G-8-Gipfel in L'Aquila (Italien) geeinigt.

Wie viel Treibhausgase erträgt das Klima?
Das Uno-Klimaberatungsgremium IPCC geht davon aus, dass die Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre nicht mehr als den 450-millionstel Anteil (ppm) betragen darf, wenn der Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzt werden soll. Laut der Wissenschaftlervereinigung Global Carbon Project betrug die CO2-Konzentration 2007 bereits 383 ppm. Ohne Massnahmen könnte die kritische Konzentration in 30 Jahren erreicht sein.

Um wie viel muss der CO2-Ausstoss reduziert werden?
Damit die kritische Konzentration nicht überschritten wird, müssten die Emissionen der Treibhausgase bis 2050 gegenüber dem Kyoto-Stichjahr 1990 weltweit mehr als halbiert werden. Dazu haben sich die grössten Industrieländer und Russland auf dem G-8-Gipfel bekannt.

Besteht also wenigstens im Grundsätzlichen Einigkeit?
Nein. Die grossen Schwellenländer wie China und Brasilien haben auf dem G-8-Gipfel die konkrete Forderung nach einer Halbierung des globalen Ausstosses der Treibhausgase bis 2050 nicht unterstützt. Sie fürchten um ihre wirtschaftliche Entwicklung und betonen, dass die Industrieländer die historische Verantwortung für den Klimawandel tragen. Der reiche Norden müsse zuerst seinen CO2-Ausstoss drastisch reduzieren und für die Klimaschäden im Süden aufkommen.

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Ist eine Einigung in Kopenhagen überhaupt möglich?
Prinzipiell schon. Es ist in internationalen Verhandlungen üblich, dass Regierungen ihre Karten bis zur entscheidenden Schlussrunde lange bedeckt halten. Anders als beim G-8-Gipfel geht es in Kopenhagen aber nicht primär um gute Absichten für eine ferne Zukunft. Das Ziel ist konkreter: Der Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll müsste bereits 2013 in Kraft treten und verbindliche Verpflichtungen enthalten, die bis etwa 2020 umgesetzt werden müssen.

Was müsste in Kopenhagen konkret vereinbart werden?
Laut Uno wäre eine Verpflichtung der Industrieländer nötig, ihre CO2-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 um 25 bis 40 Prozent zu senken. Der CO2-Ausstoss der Schwellenländer darf weiter ansteigen, aber klar langsamer als bei einer Entwicklung ohne Massnahmen.

Welches sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Vor allem die USA planen bisher nur eine bescheidene Reduktion ihres CO2-Ausstosses bis 2020. Die Schwellenländer lehnen verpflichtende Vorgaben für sich noch ab. Hauptstreitpunkt zwischen Nord und Süd wird die Höhe der finanziellen Mittel sein, die die reichen Länder für den Klimaschutz in Schwellen- und Entwicklungsländern zur Verfügung stellen.

Wachsender Wassermangel: Dürrezonen breiten sich weltweit aus.

Quelle: Jupiterimages
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Die Europäische Union strebt eine Führungsrolle an – zu Recht?
Ja. Die EU hat bereits im Dezember 2008 ein Klimapaket beschlossen, mit dem sie den CO2-Ausstoss bis 2020 gegenüber 1990 um 20 Prozent reduzieren will. Falls andere Industrieländer mitziehen, soll die Reduktion 30 Prozent betragen. Die EU erwägt, den Klimaschutz in Entwicklungsländern mit mehreren Milliarden Euro jährlich zu unterstützen.

Welche Rolle spielt die Schweiz?
Der Bundesrat strebt mit dem Vorschlag für ein revidiertes CO2-Gesetz dieselbe Reduktion bis 2020 an wie die EU. Die Schweiz hat mit Mexiko und Südkorea sowie mit Liechtenstein und Monaco die Environmental Integrity Group gebildet, die zwischen Nord und Süd vermitteln will. «Als kleine, aber vielfältig zusammengesetzte Gruppe bauen wir Brücken, indem wir vor allem neue Ideen zur Finanzierung des Klimaschutzes in den weniger entwickelten Ländern lancieren», sagt der Schweizer Verhandlungsleiter Thomas Kolly. So hat die Schweiz etwa eine globale CO2-Abgabe vorgeschlagen.

Ist Barack Obama auch ein Hoffnungsträger für den Klimaschutz?
Teilweise. Obamas Ansehen würde leiden, falls er sein Versprechen nicht einlöst, dass auch die USA sich am Klimaschutz beteiligen. Er hat aber grosse Probleme, Klimaziele durch den Senat zu bringen, die viel bescheidener sind als jene der EU. Obama will ein Klimaabkommen – aber eins mit eher schwachen Verpflichtungen.

Bietet China als Rekordverschmutzer Hand zum Klimaschutz?
Wie alle Schwellenländer pocht China auf das Recht, einen ähnlichen Lebensstandard anzustreben wie der Westen. Die chinesi­sche Führung weiss jedoch, dass die Klimaerwärmung dem Land schweren Schaden zufügen kann. Zudem ist man interessiert an westlicher Technologie, um den Anstieg des Energieverbrauchs zu dämpfen. Die Kompromissbereitschaft Chinas dürfte vom Ausmass der Finanzhilfen der reichen Länder abhängen.

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Wie stehen die Chancen für einen Erfolg in Kopenhagen?
Er sei «verhalten optimistisch», sagt der Schweizer Verhandlungsleiter Kolly. «Die Erwartungen sind so hoch, dass kein Land es sich leisten kann, den Prozess zu blockieren.» Uno-Klimasekretär Yvo de Boer bezweifelt jedoch, dass in Kopenhagen ein fertiger Nachfolgevertrag für das Kyoto-Protokoll ausgehandelt werden kann.
Er erhofft sich aber eine Einigung in zentralen Punkten.

Was droht bei einem Scheitern in Kopenhagen?
Zwar würde die EU – und vermutlich auch die Schweiz – weiterhin an ihrer Klimapolitik festhalten. Die Hoffnung, die globale Klimaerwärmung in erträglichen Grenzen zu halten, würde aber schwinden. Reiche Nationen würden ihre Investitionen auf Massnahmen zum Schutz vor Klimaschäden konzentrieren – was Steuerzahler und die Wirtschaft sehr teuer zu stehen kommen dürfte. Schlimmer wären die Folgen für die ärmsten Länder, die sich kaum Massnahmen gegen vermehrte Dürre, Unwetterkata­stro­phen oder einen Anstieg des Meeresspiegels leisten können.