Kann man den Klimaberichten des Weltklimarats IPCC noch trauen, wenn sie mindestens zwei klare Fehler enthalten? Das fragten sich in den letzten Monaten nicht nur die Klimaskeptiker. Viele Medien schrieben bereits von einem «Skandal», weitere unschöne Affären wie der gehackte «Climategate»-Mailwechsel taten das Übrige. Doch nun kommen gleichzeitig zwei Studien zum Schluss, dass die allermeisten Anschuldigungen der Klimaskeptiker unhaltbar sind.

Die erste Studie wurde im Auftrag des niederländischen Umweltministers von der Umweltagentur PBL Netherlands Environmental Assessment Agency erstellt. Diese schreibt nun, der knapp tausend Seiten umfassende Klimabericht zu den Auswirkungen des Klimawandels (Arbeitsgruppe zwei) enthalte zwar tatsächlich zwei Fehler. Doch ansonsten seien keine weiteren Unregelmässigkeiten gefunden worden, weshalb die Hauptaussagen nach wie vor gelten würden. Die Studie der PBL wurde unter der Aufsicht der Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences (KNAW) erstellt.

Der erste, bereits bekannte Fehler betrifft die Gletscher des Himalajas, die nicht so schnell schmelzen wie es der IPCC schreibt. Fälschlicherweise hiess es, das Gebirgseis werde bis 2035 mit grosser Wahrscheinlichkeit verschwunden sein. Der zweite Fehler betrifft eine falsche Angabe zur Landesfläche, welche in den Niederlanden dereinst unter Wasser stehen könnte. Im IPCC-Bericht steht, 55 Prozent der Niederlande lägen unter dem Meeresspiegel. Tatsächlich könnten aber dereinst «nur» 26 Prozent der Landesfläche vom Meer überflutet werden; weitere 29 Prozent liegen aber im Überflutungsbereich der Flüsse. Der Fehler lag also bloss in einer unzulässigen Zusammenfassung der beiden Zahlen.

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In den 32 Haupt-Schlussfolgerungen des IPCC-Berichts fand die Agentur nur eine kleine Ungenauigkeit. So werde die geschätzte Zahl der Menschen, die im Jahr 2020 in Afrika unter Wassermangel leiden werde, ungenau angegeben. Die Zahl liege nicht «zwischen 75 und 250 Millionen Menschen» wie im Bericht angegeben, sondern «zwischen 90 und 220 Millionen Menschen». Bei weiteren sieben Schlussfolgerungen sind die Erklärungen nach Ansicht der niederländischen Agentur zu wenig transparent; dies habe aber keinen Einfluss auf ihre Richtigkeit.

Obwohl die Umweltagentur im untersuchten Bericht der 2. Arbeitsgruppe keine weiteren groben Fehler fand, gibt sie doch einige Empfehlungen zuhanden der IPCC ab. So regt sie an, in den zusammenfassenden Schlussfolgerungen des Klimaberichts in Zukunft nicht nur die negativen Effekte des Klimawandels zu betonen, sondern auch die positiven Szenarien zu berücksichtigen. Damit könne verhindert werden, dass die Zusammenfassung des IPCC-Berichts negativer wirke als die vorangehenden Kapitel. Weiter empfiehlt die PBL, in Zukunft mehr in die Qualitätskontrolle zu investieren. Eine Möglichkeit sei, mehr Personen und Parteien in die Realisation des Berichts zu involvieren.

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«Climategate»: Klimaforscher rehabilitiert

Eine weitere, am Mittwoch erschienene Studie betrifft die «Climategate»-Affäre in Grossbritannien. Hacker hatten im letzten November gut 1000 E-Mails von Klimaforschern der University of East Anglia in Norwich veröffentlicht. In den Fokus der Vorwürfe geriet vor allem der ehemalige Chef der Climate Research Unit (CRU), Phil Jones. Die Klimaskeptiker warfen ihm vor, eine wichtige Grafik der Temperaturentwicklung gefälscht zu haben. Ein unabhängiges Untersuchungskomitee, das von der Universität einberufen worden war, widerspricht nun diesen Vorwürfen. Es gebe an der Aufrichtigkeit und der Disziplin der angeschuldigten Forscher keinen Zweifel. Nichts deute auf einen Missbrauch der Daten oder auf falsche Analysen hin. Allerdings schreibt das Komitee auch, eine wichtige Grafik – die berühmte «Hockeyschläger»-Grafik aus dem Jahr 1999 – sei zwar nicht falsch, aber doch irreführend gewesen. Und es rügt den Umgang der britischen Forscher mit den Kritikern. Sie seien zu wenig offen gewesen und hätten ihre Daten geheim halten wollen.

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Kurz nach Erscheinen des Berichts kündigte die University of East Anglia an, Phil Jones werde wieder für die Universität arbeiten, und zwar als Wissenschaftlicher Direktor der CRU.

Damit sind wichtige Argumente, mit denen die Klimaskeptiker in den letzten Monaten gegen die Wissenschaftler ins Feld zogen, vom Tisch. Und diverse Medien mussten sich für ihre irreführende Berichterstattung bereits entschuldigen. So zogen sowohl die «Sunday Times» als auch die «Frankfurter Rundschau» Berichte zurück, in denen das IPCC weiterer Fehler bezichtigt wurde. Alle Vorwürfe erwiesen sich als falsch. Der Bericht der ersten IPCC-Arbeitsgruppe zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels steht nach wie vor sauber da.