Windwarnung der Intensitätsstufe Gelb (Stufe 3 von 5): Gefährliche Wetter­entwicklung mit für die Jahreszeit starker, aber noch nicht aussergewöhnlicher Intensität.

Es sieht schlecht aus für das Obergoms. Orkanartige Stür­me drohen, dazu massenhaft Schnee, herangetragen von einer «Super-Kaltfront». Sagt Jörg Kachelmann. Auf seiner Webseite unwetterzentrale.ch hat er für den Wintereinbruch vom zweitletzten Wo­chen­ende im November die ­Warnstufe Vio­lett herausgegeben. Will heissen: über ein Meter Schnee im Gebirge innerhalb der kommenden 36 Stunden und Windgeschwindigkeiten von über 150 Stunden­kilometern. Das Obergoms droht im Schneechaos zu versinken.

Bei Thomas Bucheli von SF Meteo herrscht für das Obergoms Alarmstufe Gelb, die tiefste von drei Warnkategorien. Er prophezeit Sturmböen in erhöhten Lagen von 75 bis 100 Stunden­kilometern. Eine Warnung der – nächsthöheren – Stufe Orange hat er bereits am Vortag in Sachen Schneefall abgesetzt. Seine Prognose: Mehr als 50 Zenti­meter Schnee innerhalb von 24 Stunden.

Auch bei der staatlichen Meteo Schweiz herrscht an diesem Tag Stufe Gelb im Obergoms, allerdings nur für den Wind und nicht für den angekündigten Schneefall. «Gelb» ist die mittlere von fünf sogenannten «Intensitätsstufen». Das bedeutet: Die Wettererscheinungen liegen «am Rand des für die Jahreszeit üblichen Intensitätsbereichs».

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Alles klar? Mitnichten. Schon gar nicht für das breite Publikum, an das sich die Warnungen richten. Die Wetteralarme der einzelnen Anbieter stiften mehr Verwirrung als Überblick. Wem man glauben will, ist jedem Einzelnen selbst überlassen.

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SF Meteo – www.wetteralarm.ch

Schneewarnung Stufe Orange (2 von 3): Starker Schneefall, mehr als 50 cm in 24 Stunden Windwarnung Stufe Gelb (1 von 3): Starke Windböen, in erhöhten Lagen Sturmböen

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Atmosphärische Turbulenzen

Alarme sind im Kampf der Wetterfrösche ein probates Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Wettstreit dreht sich dabei nicht bloss um Windgeschwindigkeiten und um Nieder-schlagsmengen, sondern um Minuten: Besonders bei Unwettern im Sommer folgt nach dem Sturm mit Sicherheit die Diskussion, welcher Wetterdienst als erster davor gewarnt habe. Meist reklamiert Kachelmann dieses Verdienst für sich, was wiederum ­Bu­cheli zur spitzen Bemerkung ­veranlasst, der Meteomedia-Chef sei der beste «Wetter-Nachhersager» der Schweiz.

Bei Meteo Schweiz wiederum hält man weder von Kachelmanns Unwetterzent­rale noch von Buchelis per SMS verbreite­tem Wet­teralarm allzu viel: «Unsere Warnungen lösen im Gegen­satz zu jenen der privaten Wetterdienste aufwendige Einsätze von Polizei, Feuerwehr, Militär und Zivilschutz aus», sagt Warnkoordinator Daniel Murer. «Unsere Prognostiker tragen eine ho­he Verantwortung, Kachelmann und Bucheli dagegen können un­verbindlich warnen.» Die Unter­stellung weisen Bucheli und Kachelmann natürlich zurück.

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Meteo Schweiz, die bei den Unwettern der vergangenen Jahre bei der Alarmierung nicht immer die beste Figur abgab, hofft nun auf das Projekt «Single Official Voice»: Um Ordnung in das Warnchaos zu bringen, sollen künftig die Massenmedien verpflichtet werden, die offizielle Warnung von Meteo Schweiz durchzugeben. Das würde auch für SF Meteo gelten, wo sich Chefmeteorologe Thomas Bucheli überhaupt nicht mit dem Gedanken anfreunden kann: «Es geht doch nicht an, dass wir nach den eigenen noch ‹offizielle› War­nungen verlesen müssen, hinter denen wir unter Umständen aus fachlicher Sicht gar nicht stehen können.» Jörg Kachelmann hingegen gibt sich gelassen: «Ich gehe davon aus, dass sich die Qualität durchsetzen wird», erklärt er und lässt keine Zweifel daran, dass er damit seine Qua­lität meint.

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Meteomedia – www.unwetterzentrale.ch

Schneewarnung Stufe Rot (Stufe 4 von 5): Schneefall, oberhalb von 1400 Metern mehr als 70 cm in 36 Stunden Windwarnung Stufe Vio­lett (höchste Stufe): Sturm, mehr als 150 km/h

Unwetter gab es anderswo

Und nun zur Wirklichkeit. Es hat tatsächlich gestürmt und geschneit im Obergoms am 22. ­November. Meteo Schweiz re­gistrierte in Ulrichen eine Spitzen-Windgeschwindigkeit von 60,8 Stundenkilometern und eine maximale Neuschneemenge von 50 Zentimetern. Das Chaos ist aber nicht ausgebrochen. Dafür war im Kanton Graubünden wegen des vielen Schnees die Surselva zeitweise von der Umwelt abgeschnitten, und auch die RhB-Strecke Reichenau–Ilanz musste gesperrt werden.

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