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AKW MühlebergKeine Risse in der Schweigemauer

Atomkraftwerk Mühleberg Bild: Wikimedia Commons Roland Zumbühl

An der Gedenkdemo zum 23. Jah­restag der Katastrophe von Tschernobyl hätten ihm viele Leute gratuliert, sagt AKW-Gegner Jürg Joss: «Alle meinten, wir könnten nun endlich den Sicher­heits­bericht zu Mühleberg anschauen.»

von Thomas Angeli

In einem Inserat hatte das Bundesamt für Energie angekündigt, im Verfahren um eine unbefristete Betriebsbewilligung für den 37-jährigen Reaktor dürften nun von den rund 1900 Einsprechern weitere Akten eingesehen werden.

Der Sicherheitsbericht befindet sich jedoch nicht darunter. Es handelt sich lediglich um die Stellungnahmen der Betreiberin BKW und des Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) zu den Einsprachen. Grundtenor der BKW darin: Die Behauptungen der Einsprecher seien «anmassend und unzutreffend», die Befristung «verfassungswidrig».

«Sabotage- und Terrorgefahr»

Das Ensi schreibt zu den Rissen im Kernmantel – einem von mehreren umstrittenen Punkten –, diese würden «in Tiefenrichtung meist nur bis Blechmitte» wachsen, so dass «keine Durchrisse entstehen». Das Wort «meist» ist dabei wörtlich zu nehmen, wie der Beobachter aufdeckte (siehe Artikel zum Thema): Der tiefste Riss durchdringt die Wand des Kernmantels um mehr als zwei Drittel. Das Ensi selbst hat der BKW deshalb eine Frist bis Ende 2010 gesetzt, um ein neues Konzept für die Instandhaltung des Kernmantels zu erstellen – eine Tatsache, die das Nuklearsicherheitsinspektorat aber in seiner Stellungnahme nur verklausuliert erwähnt.

Der umfassende Sicherheitsbericht wird von der BKW mit dem Hinweis auf eine angebliche Gefahr von Sabotage- und Terrorakten weiterhin unter Verschluss gehalten. Über eine Freigabe muss das Bundesgericht entscheiden.

Veröffentlicht am 2009 M04 28