Rosa Widmer (Name geändert) wollte sich etwas Gutes tun. «Ich gehe gegen die 40 und dachte, eine Verjüngungskur sei das Richtige für mich.» Sie besuchte eine private Kosmetikvorführung im Stil einer Tupperware-Party. Darauf bestellte sie eine Verjüngungskur mit dem amerikanischen Präparat «Pro-Symbio Plus». Vertrieben wird es von Marguerite Vogel, Inhaberin eines Salons für Schönheitsprodukte in Rüti ZH. Die Kur dauert sechs Monate, wobei die Packungen monatlich zugestellt werden. Jede Packung kostet 425 Franken, die ganze Kur also stolze 2550 Franken.

Wenig später trafen bei Rosa Widmer die ersten angeblichen Wunderpillen ein. Sie schluckte wie vorgeschrieben während 18 Tagen täglich sechs Kapseln. Die Kur zeigte Wirkung, allerdings nicht die erwünschte. «Bald wurde es mir übel, und ich bekam Augenflimmern.» Da auf der Verpackung die Zusammensetzung des Präparats nur vage beschrieben war, wandte sich Rosa Widmer an Marguerite Vogel. Doch diese fertigte ihre Kundin am Telefon kurzerhand ab. «Sie riet mir, die Kur zu beenden. Die Zusammensetzung der Pillen kannte sie nicht und es war ihr auch egal», erinnert sich Widmer.

Ein seltsames Vorgehen für eine Schönheits- und Gesundheitsberaterin. Marguerite Vogel vertreibt laut Handelsregister seit 1961 Cremen, Gel, Tonic, Massageöl und Balsam. In ihrer «Schönheitsfarm» führt sie Seminare über Haut, Sex und Erinnerungsvermögen durch. In ihren Werbebroschüren verspricht sie, in Kursen der Kundschaft beizubringen, wie man Altersprozesse stoppen kann, sich bald 20 Jahre jünger fühlt und ebenso aussieht. Vogel selbst ist über 70 Jahre alt.

Bis zum Ende des ersten Monats nahm Rosa Widmer die Pillen weiter. Dann setzte sie die «Verjüngungskur» endgültig ab. Sie bezahlte 425 Franken für die Lieferung und sandte die zweite Packung zurück. Bei so genannten Haustürgeschäften wie diesem ist das erlaubt. Nun sah Vogel rot: Sie sandte Rosa Widmer eine Mahnung und drohte mit Betreibung. Doch die Kundin weigerte sich, weitere Packungen zu bezahlen.

Wer im Internet nach «Pro-Symbio Plus» sucht, findet ausschliesslich englische Informationen. Das Mittelchen, bestehend aus Aminosäuren und angereichert mit Kräutern der kolumbianischen Macuna-Indianer, soll verhindern, dass der Körper zu schnell Vitamine und Mineralien ausscheidet.

Rosa Widmer sandte einige Dragées dem Laboratorium der Urkantone in Brunnen SZ. «Das Produkt darf so nicht in den Verkehr gelangen», teilte ihr das Labor wenig später mit. Es erfülle die Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit (BAG) nicht und sei in der Schweiz nicht zugelassen. Auch die Konsumenteninformationen zu den Pillen seien mangelhaft.

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Der Versuch, «Pro-Symbio Plus» in der Schweiz als Nahrungsergänzung legal zu verkaufen, scheiterte am BAG. Ein entsprechendes Gesuch lehnte das Gesundheitsamt ab, da das Mittel pharmakologisch aktive Substanzen enthalte. Zudem gleiche die Aufmachung der Pillen jener eines Arzneimittels. Das Laboratorium der Urkantone hat die Dragées dem kantonalen Laboratorium Zürich geschickt. Dieses überprüft nun ihre Herkunft sowie weitere Absatzkanäle.

Marguerite Vogel zeigte sich gegenüber dem Beobachter zugeknöpft. «Ich vertreibe Pro-Symbio Plus nicht mehr.» Nicht sie und darauf lege sie Wert habe das Präparat in die Schweiz importiert. Wer sonst, wollte sie nicht sagen. «Ich will niemandem schaden.»

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