Auch «der beste Freund des Menschen» kann versichert werden, mit rund 600 Franken im Jahr sind Sie dabei. Bild: Thinkstock Kollektion

TierversicherungEine Police für Bello?

Versicherungen für Hunde und Katzen boomen. Immer mehr Halter wollen sich vor hohen Behandlungskosten schützen. Die Angebote variieren stark.

von Kilian Küttel

Quietschende Reifen, ein Knall und ein Winseln. Der Autofahrer kann nicht rechtzeitig bremsen, als der Hund plötzlich auf die Strasse rennt. Dieser ist schwer verletzt und muss sofort ins Tierspital – es geht um Leben und Tod.

Wenn Haustiere verletzt werden, ist das nicht nur tragisch, sondern es geht auch schnell ins Geld. Eine Rechnung vom Tierspital kann unter Umständen fünfstellig ausfallen. Schweizer Tierhalter setzen deshalb immer öfter auf Haustierversiche­rungen, mit denen Krankheits- und Unfallkosten gedeckt werden können. Allein die Versicherungsgesellschaft Animalia hat bis Mitte dieses Jahres fast 20'000 Hunde und Katzen versichert. Vier Jahre vorher waren es erst 8000 gewesen. Die Mobiliar hat seit 2009 knapp 8000 Policen verkauft. Andere Versicherer nennen zwar keine Zahlen, doch der Grundtenor ist klar: Die Nach­frage steigt.

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Die Halter sorgen sich um ihre Vierbeiner

«Heute ist ein Hund nicht mehr bloss ein Haustier, sondern ein Familienmitglied», erklärt Christoph Kulli, Sprecher der Animalia-Versicherung. Tierhalter sorgten sich um ihre Schützlinge wie Eltern um ihre Kinder, sagt Nico Kipfer, Tierchirurg und Präsident der Gesellschaft Zürcher Tier­ärzte: «Kinder können nicht sagen, was ihnen wehtut. Eine Mutter fürchtet sich dann und geht zum Kinderarzt. Mit den Tieren verhält es sich genauso. Die Leute haben Angst um sie.»

Der Markt ist also attraktiv, die Auswahl entsprechend vielseitig. Versicherer bieten Modelle mit Franchisen von 100 bis 500 Franken an. Die Prämien reichen von 18 bis zu mehreren hundert Franken. Die gedeckten Schadenssummen variieren zwischen 1000 und 6000 Franken. Manchmal werden sämtliche Arztkosten übernommen, manchmal nur ein gewisser Prozentsatz. Es gibt auch Angebote mit unbeschränkten Versicherungssummen.

Wie hoch soll die Deckungssumme sein?

Die Unterschiede sind gross, doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Oft wird eine Alterslimite gesetzt. Tiere, die älter als sieben Jahre sind, werden häufig nicht versichert. Zudem kommen Versicherer oft nicht auf für die Behandlung vererbter Krankheiten, die eine Operation oder Behandlung nötig machen. Hunde beispielsweise leiden immer wieder unter Problemen der Kniescheibe, der Ellbogen und Hüfte, die auf Erbkrankheiten zurückzuführen sind und kuriert werden müssen.

«Für einen normalen Hund reicht eine Deckungssumme von 6000 Franken sicher aus. Anders sieht es aus bei besonderen Rassentieren oder Tieren mit speziellen ­Fähigkeiten. Bei Lawinen- oder Blindenhunden etwa müsste man die Summe sicher anpassen», sagt Ruedi Ursenbacher von Fairsicherungsberatung.ch.

Tierarzt Kipfer schätzt sogar noch vorsichtiger: «Arztrechnungen von 5000 Franken und mehr sind sehr selten. Die Behandlung eines Bruchs kostet zum Beispiel etwa 2500 Franken. Eine Summe von 3000 Franken würde genügen.»

Tierversicherung: Worauf gilt es zu achten?

Zuerst sollte man prüfen, ob die Risiken, die man versichern will, überhaupt abgedeckt sind. Danach stellt sich die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Man kommt also nicht darum herum, das Kleingedruckte in der Police zu lesen. Es reicht nicht, einen Prospekt anzuschauen. Weiter ist es wichtig, sich zu erkundigen, ob man seinen Tierarzt aussuchen kann oder ob nur die Kosten von Praxen erstattet werden, mit denen der Versicherer zusammenarbeitet. Und: Man sollte nicht die Leistungen der Tierversicherung mit denen der Haftpflichtversicherung verwechseln. Bei Letzterer kommt der Versicherer grundsätzlich für Schäden auf, für die man als Tierhalter haftet.

Kann man auch das Lama versichern lassen?
Bei vielen Gesellschaften kann man Policen für Hunde und Katzen abschliessen. Am zweithäufigsten werden Versicherungen für Pferde angeboten. Bei der Helvetia können Kunden mit einer Hausratversicherung auch andere Tiere versichern, sofern sie die gesetzlichen Auflagen für deren Haltung erfüllen. Epona, der älteste Schweizer Tierversicherer (es gibt ihn seit 1901), nimmt sich unter anderem Ziervögeln, Lamas, Dam- und Rothirschen sowie Walliser Ringkühen an. Allerdings zahlt man bei diesen Tieren einen Aufpreis für Zusatzrisiken wie Diebstahl und Verschwinden, Feuer und Blitzschlag.

Kann die Versicherung den Vertrag im Schadensfall kündigen?
Ja. Wie bei jeder Privatversicherung hat die Gesellschaft im Schadensfall ein Kündigungsrecht.

Lohnt sich eine Versicherung für einen normalen Hund?
Je nachdem, für welches Angebot sich jemand entscheidet, kann die Jahresprämie um die 600 Franken betragen. Die durchschnittlichen Behandlungskosten für einen Hund liegen zwischen 160 und 400 Franken im Jahr. Zu beachten ist: Grössere Tiere sind in der Regel teurer. Prinzipiell gilt: Wer ein enges monatliches Budget einhalten muss, ist mit einer Tierversicherung auf der sicheren Seite, wenn etwas passiert. Wenn man aber über genügend Ersparnisse verfügt, ist eine Versicherung nicht unbedingt nötig. Man kann das Risiko selber tragen.

Veröffentlicht am July 29, 2015