Die Leserinnen und Leser des Beobachters haben ein Herz für Tiere. Dies ist das eindeutige Fazit aus den Reaktionen auf die Titelgeschichte «Das Tier als Sache? Nein!» (Beobachter 6/00), die innert kürzester Zeit bei der Beobachter-Redaktion eingegangen sind. Die Volksinitiative der Schweizer Tierärzte, des Schweizer Tierschutzes, der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft und der Stiftung für das Tier im Recht, die der Beobachter unterstützt, ist ein Anliegen breiter Volkskreise.

Erfreulicher Auftakt: Die befragten Volksvertreterinnen und -vertreter haben keine Zweifel, dass die nötigen 100000 Unterschriften für die Initiative «Tiere sind keine Sache» rasch zusammenkommen werden. Eine richtige Einschätzung: Beobachter-Leserinnen und -Leser haben drei Tage nach Erscheinen des Artikels bereits rund 2500 zusätzliche Unterschriftenlisten bestellt. Für etliche Ratsmitglieder ist heute klar, dass die Initiative einen «Betriebsunfall» des Nationalrats korrigiert. Selbst SVP-Nationalrat Caspar Baader, der vor einem Vierteljahr die parlamentarische Initiative «Tiere sind keine Sache» abgeschossen hat, ist heute bereit, das Problem neu zu diskutieren. Einfach wird die spätere Gesetzgebung sicher nicht sein: Die Würde des Tieres ist auch zu wahren, wenn es Fleisch-, Eier- oder Milchlieferant ist. Doch letztlich haben wir Volksvertreter gewählt, damit sie die Probleme lösen.

Brigitta Gadient, SVP, Graubünden
«Tiere sind keine Sache Punkt! Dieser Grundsatz muss endlich auch im Schweizer Recht umgesetzt werden. Ein Tier ist doch wirklich nicht das gleiche wie ein Kugelschreiber oder ein Stuhl. Die Initiative ist deshalb absolut richtig. Jetzt gilt es, im Nationalrat und in der Fraktion Uberzeugungsarbeit zu leisten.»

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Kathy Riklin, CVP, Zürich
«Die Initiative ist der richtige Weg. Ich habe zwar keine Haustiere, aber ich verstehe, dass die Bevölkerung schwer enttäuscht war, als der Nationalrat auf die Vorlage "Tiere sind keine Sache"nicht einmal eintrat. Diesen Entscheid hat die SVP nach bekanntem Muster herbeigeführt: in der Kommission schlafen und danach einfach nein sagen.»

Pia Hollenstein, Grüne, St. Gallen
«Dass der Nationalrat nicht auf die Vorlage eintrat, war eine Frechheit. Hätten alle CVP-Mitglieder für Eintreten gestimmt, wären wir durchgekommen. Aber die Oberkatholischen haben doch immer Angst, das Tier würde über den Menschen gestellt. Gut, dass nun die Initiative den Nationalrat zurechtweist.»

Felix Gutzwiller, FDP, Zürich
«Es ist absolut richtig, dass man nun mit einer Initiative die Weichen richtig stellt. Am Anfang des 21. Jahrhunderts sollte es doch endlich klar sein, dass es neben Menschen und Sachen noch eine dritte Kategorie gibt: die Tiere. Ich habe den Eindruck, dass diese Initiative bei etlichen Nationalräten auf grosse Sympathien stösst.»

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Alexander Tschäppät, SP, Bern
«Was in der Wintersession 1999 abging, war eine Sauerei. Jahrelang wurde in der Kommission über diese komplizierte Materie gesprochen. Es lagen fundierte Resultate vor. Dann plötzlich der Antrag auf Nichteintreten von Caspar Baader von der SVP. Ein Schuss aus der Hüfte, der erst noch Erfolg hatte. So macht man die Demokratie zur Sau.»

Guido A. Zäch, CVP, Aargau
«Als Tierfreund ist für mich die Würde des Tieres keine Frage. Ebenso klar ist, dass ein Tier Anrecht auf eine gute Behandlung durch den Menschen hat. Ein Tier ist keine Sache. Die Initiative wird sicher zustande kommen. Nicht einfach wird später die Gesetzgebung sein: Die neue Regelung darf nicht zu einer Flut von Haftpflichtfällen führen.»

Regine Aeppli, SP, Zürich
«Dass der Antrag auf Nichteintreten durchkam, ist auch darauf zurückzuführen, dass einige Ratsmitglieder die Bedeutung der Vorlage nicht erfassten. Da schwingen doch starke Emotionen mit. Das Tier als Sache ist eine Hilfskonstruktion. Doch auf eine Sache lässt sich das Tier nicht reduzieren. Mit der Initiative lässt sich dies korrigieren.»

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