Beim Velodrome in Grenchen riskieren Werbepartner, brüsk wegbugsiert zu werden – wenn sich ein zahlungskräftigerer Sponsor findet. So erging es der MB-Microtec AG: Die kleine Firma in Niederwangen BE ist auf Uhren spezialisiert, deren Zeiger und Zifferblätter leuchten, dauerhaft und ohne Bat­terie. Geschäftsführer Sandro Schneider war der Allererste, der einen Werbevertrag mit der Velodrome Suisse AG unterschrieb – unter anderem weil er seit Jahren begeisterter Sechstagerennen-Fan ist.

«Für Tissot unakzeptabel»

Schneider war fasziniert davon, die Traser H3 Watch im Velodrome präsentieren zu können: eine permanent beleuchtete Uhr in der Steilwandkurve der Rennbahn, direkt gegenüber der VIP-Tribüne. Perfekt inszeniert, wenn das Licht ausgeht und nur ein Spot auf den führenden Fahrer gerichtet ist. Auf Drängen von Velo­drome unterschrieb Schneider gar einen Dreijahresvertrag.

Doch nur zwei Monate nach Eröffnung der Bahn teilte Velodrome-Geschäftsführer Peter Wirz mit, man habe «eine sehr bedeutungsvolle Part­ner­schaft» mit der Swatch Group schlies­sen können – und die Swatch-Marke Tissot beharre darauf, «als exklusiver Uhrenpartner im Velodrome präsent zu sein». In einer schnöden Mail schrieb er: «Ihre Werbung auf der Bahn ist für Tissot unakzeptabel und muss entfernt werden.» Wirz entschwand in die Ferien, ohne Schneider, der 12'000 Franken jährlich für die Werbung zahlte, auch nur anzurufen.

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Schneider signalisierte Gesprächsbereitschaft. Aber eine Einigung war längst nicht da, als Velodrome Mitte August Tatsachen schuf und die Werbung von der Bahn kratzte. Just zum ersten Sechstagerennen auf der 250-Meter-Rennbahn, der schweizweit einzigen, die für Weltcup- und Weltmeisterschaftsrennen zugelassen ist, prangte dort ein Tissot-Schriftzug – obwohl der Vertrag mit MB-Microtec noch gültig war.

Velodrome-Verwaltungsrats­präsident Beat Zbinden wollte zu diesem Vertragsbruch keine Fragen des Beobachters beantworten. Man habe sich «über alle Punkte geeinigt». Tatsächlich erhält MB-Microtec 6000 Franken Entschädigung. Doch laut Schneider deckt das nicht einmal die internen Kosten für die Spezialanfertigung der ­Werbeuhr. «Aber einen Prozess können wir uns nicht leisten», so Schneider. Wie praktisch alle Uhrenhersteller bezieht er Uhrwerke von der Swatch Group – ist also Kunde bei der Firma, die ihn nun ausgestochen hat.

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Die Swatch Group schliesse weltweit bloss Partnerverträge ab, wenn sie Branchenexklusivität gewährten, sagt Sprecherin Serena Chiesura. Wie viel man Velodrome zahlt, will sie nicht sagen. Doch es muss um einen grösseren Deal gehen – die Swatch Group will unter anderem nächstes Jahr ihre Aktionärsversammlung im Grenchner Velodrome abhalten.