Beobachter: Wann haben Sie das letzte Mal nach einem Kauf das Gefühl gehabt, zu viel bezahlt zu haben?

Werner Marti: (denkt lange nach) Bei Computerprogrammen passiert mir das regelmässig, vor allem weil sie ein Jahr später bereits veraltet sind.

Beobachter: Und haben Sie eine Untersuchung eingeleitet?

Marti: Nein, wegen einer persönlichen Einkaufserfahrung habe ich das noch nie getan.

Beobachter: Was war Ihr grösster Erfolg im letzten Jahr?

Marti: Für die Bevölkerung am meisten rentiert hat sicher der Einsatz gegen die Erhöhung der Telefonanschlussgebühr. Aufgrund unserer Empfehlung hat der Bundesrat das Gesuch der Swisscom abgelehnt.

Beobachter: Sie befassen sich mit den verschiedensten Themen, von der Abfallplanung über Augenoperationen bis zu Gebäudeversicherungsprämien. Verzetteln Sie sich dabei nicht?

Marti: Wir setzen bewusst Schwerpunkte; die wirtschaftliche Bedeutung und die Erfolgsaussichten spielen eine Rolle, bevor wir ein Dossier in Angriff nehmen.

Anzeige

Beobachter: Kritiker meinen, Sie hätten zwar zu vielem etwas zu sagen, könnten aber wenig erreichen.

Marti: Diesen Eindruck habe ich nicht. Meine Philosophie ist es, mit den vorhandenen Mitteln das Bestmögliche zu machen. Es ist müssig, dauernd mehr Personal oder griffigere Gesetze zu fordern.

Beobachter: Ihr grösster Frust in den bisherigen sechs Amtsjahren?

Marti: Wenn ich Ermittlungen aufnehme und die Betroffenen dann das Gefühl haben, ich persönlich wolle ihnen schaden. Ich missgönne niemandem den Gewinn. Ich sorge einfach dafür, dass die Konsumentinnen und Konsumenten nicht zu hohe Preise bezahlen müssen. Betroffen gemacht hat mich beispielsweise, als man mir quasi eine Behandlung verweigert hat, nachdem ich im Gesundheitsbereich eine Preisempfehlung abgegeben hatte.

Beobachter: In der Öffentlichkeit hört man meistens von Ihnen, wenn Sie eine Preiserhöhung rückgängig machen. Wie oft tun Sie das?

Anzeige

Marti: Man muss unterscheiden: Bei Preisen, die behördlich festgelegt sind, können wir nur Empfehlungen abgeben. Wenn die überhöhten Preise von einer marktmächtigen Unternehmung festgelegt wurden, müssen wir als Erstes eine einvernehmliche Lösung suchen. Erst wenn dies nicht gelingt, können wir eine Verfügung aussprechen.

Beobachter: Inwiefern spüren Sie die neue europäische Einheitswährung?

Marti: Der Euro erhöht die Preistransparenz. Es wird deutlicher, dass die Schweiz in vielen Bereichen eine Hochpreisinsel ist.

Beobachter: Der eidgenössische Datenschützer will die Vergleichsliste der Zahnarzttarife verbieten. Sie wollen sie beibehalten. Wer wird sich durchsetzen?

Marti: In einer Volksbefragung würde ich mit Sicherheit gewinnen! (lacht) Ohne Preistransparenz gibt es keinen funktionierenden Markt. Der Standpunkt des Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür, die Preise seien schützenswerte Personendaten, dünkt mich milde gesagt ziemlich abgehoben. Würde sich diese Meinung durchsetzen, würde das die Arbeit der Konsumentenschutzorganisationen praktisch verunmöglichen.

Anzeige

Beobachter: Der Cablecom haben Sie schon einmal verboten, die Tarife zu erhöhen. Werden Sie dies auch bei der angekündigten Preisrunde 2002 tun?

Marti: Das Verfahren läuft noch. Ich kann noch nicht sagen, ob es zu einer einvernehmlichen Lösung oder zu einer Verfügung kommt. Bei kleineren Kabelnetzbetreibern haben wir bereits im Sinn der Fernsehzuschauer entschieden, doch sind die Fälle jetzt vor der Rekurskommission hängig. Bei der Cablecom gelten die gleichen Grundsätze.

Beobachter: Bei den Mobilfunkbetreibern gibt es zwar theoretisch Konkurrenz, doch ist es offensichtlich, dass sich die drei Anbieter schonen und die Preise hoch halten. Ein Thema für Sie?

Marti: Das ist kein Fall für die Preisüberwachung, sondern für die Wettbewerbskommission. Sie hat festgestellt, es herrsche durchaus Konkurrenz zwischen den Anbietern. Deshalb bin ich nicht zuständig, auch wenn ich die Situation unbefriedigend finde.

Anzeige

Beobachter: In einer Art Kompromiss haben Sie vereinbart, dass alte Medikamente billiger, dafür neue teurer werden. Sind Sie zufrieden damit?

Marti: Das ist ein Dauerbrenner kein Wunder bei einem Viermilliardenmarkt. Das Dossier macht mir Sorgen, weil Medikamente einer der grossen Preistreiber im Gesundheitswesen sind. Einen kleinen Erfolg gab es kürzlich mit den Rabatten für Spitäler. Medikamentenpreise sind auch häufig das Thema von Anfragen aus der Bevölkerung an uns.

Beobachter: Sie sind auch noch als Anwalt tätig. Wann befasst sich der Preisüberwacher mit den Anwaltstarifen?

Marti: Das fällt in die Zuständigkeit der Wettbewerbskommission, und diese plädiert für die Abschaffung vorgeschriebener Tarife. Ich persönlich erachte die kantonalen Anwaltstarife auch als Schutz für die Konsumenten, da sie zumindest einen Rahmen vorgeben.

Anzeige