Das Argument «gesund» zieht bei Kindern nicht. Erstens kommt es auch beim Essen auf die Häufigkeit und Menge an. Zweitens interessiert es ein Kind herzlich wenig, ob es mit 60 Jahren wegen Fettleibigkeit einen Herzinfarkt bekommt oder wegen Milchverzicht an Knochenschwund leidet. Es lebt im Hier und Jetzt und möchte das Essen geniessen. Was ungesund, sprich: verboten ist, reizt überdies erst recht.



Seien Sie ein gutes Vorbild: Sowohl Essverhalten als auch Tischmanieren werden in erster Linie vorgelebt, nicht anerzogen. Wenn die Eltern Salat über alles mögen und sagen, wie gut er ihnen schmeckt, wollen Kinder bestimmt auch davon kosten. Lassen Sie es sich nicht anmerken, wenn Sie etwas nicht mögen sonst lehnt Ihr Kind die Speise von vornherein ab.



Die Zubereitung der Mahlzeiten ist für Kinder sehr spannend und fördert die Lust am vielseitigen Essen. Kinder gehören bereits früh in die Küche; sie dürfen Obst schälen, den Salat waschen, die Salatsauce rühren, Toasts belegen. Eine bessere Art der Ernährungserziehung gibt es kaum. Zudem werden Grob- und Feinmotorik sowie das Selbstvertrauen gefördert. Man kann noch weiter gehen: Das Kind züchtet Sprossen, es hilft im Gemüsegarten, beim Auswählen der Früchte auf dem Markt, beim Menüplan und beim Aussuchen der Rezepte. Das wirkt Wunder!



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Ein Kind, das eine Zeit lang kein Gemüse isst, muss nicht unbedingt an Vitaminmangel leiden. Lassen Sie es so oft wie möglich frisches oder getrocknetes Obst essen, bieten Sie ihm Fruchtsäfte an. Und Tomaten hat es auch in Ketchup oder Sauce Bolognese!



Vermeiden Sie Machtkämpfe bei Tisch. Bleiben Sie ruhig, wenn ein Kind gewisse Speisen verweigert oder am Essen herummäkelt. Lange Diskussionen sind in der Regel nervig und fruchtlos.



Lassen Sie Ihrem Kind die Wahl. Bereiten Sie zwei verschiedene Salate zu oder zwei verschiedene Gemüse. Es ist akzeptabel, wenn Ihr Kind den Fenchel verweigert, aber dafür bei den Karotten zugreift. Oder wenn es statt Salat ein Stück Peperoni knabbert, weil ihm die Salatsauce zu sauer ist.



Auch das Umfeld ist wichtig für eine gute Atmosphäre bei Tisch. Also keinen Streit, kein TV, keine Nachrichten im Radio, keine Zeitung! Reden Sie miteinander. Erziehende, die vor dem Essen die Kinder anschreien, müssen sich nicht wundern, wenn diese dann nur im Teller herumstochern.



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Kochen Sie geschickt. Zum Beispiel püriertes Gemüse in Saucen oder Suppen, belegte Brötchen mit Gemüseaugen und -mund, ein gestürztes «Tam-Tam» mit Kiwiohren und Erdbeerhaaren, eine zum Krokodil geschnitzte Karotte oder Beerenmus zu Eis. Kinder lieben Farben und Abwechslung.



«Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr», das gilt ein Stück weit auch beim Essen. Kochen Sie deshalb so vielseitig wie möglich, bereiten Sie auch Gerichte aus anderen Ländern zu.



Kinder mögen in der Regel keine scharfen, bitteren, sehr sauren oder zu salzigen Gerichte sie haben einen viel besseren Geschmackssinn als wir Erwachsenen. Berücksichtigen Sie dies. Sie selbst können bei Tisch ja immer noch nachwürzen.



Es ist schwierig, Kinder mit Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten ausgewogen zu ernähren. Wenden Sie sich an einen spezialisierten Kinderarzt oder eine Ernährungsberaterin.
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