Mit ihm verloren Schweizer Anleger sehr viel Geld: Hochseefrachter MS Conti Larimar. Bild: Mei Rida Jaya Abadi / MarineTraffic.com

AnlegerAuf falschen Dampfer gesetzt

Ein Berner Wirtschaftsprofessor verkaufte Beteiligungsscheine für Frachtschiffe. Versprochen wurden Traumrenditen. Jetzt sind die Anleger ihr Geld los.

von Andrea Haefely

Mindestens 8 Prozent Rendite sollte es geben. Deshalb be­teiligte sich der Zürcher Peter Hofer mit 66'600 Franken an den Hochseeschiffen MS Conti Aragonit und MS Conti Larimar. Die Massengutfrachter der Münchner Conti-Reederei seien in einem Wachstumsmarkt unterwegs, lobte der Werbeprospekt. Die Rendite sollte sich vierteljährlich gar bis auf 17 Prozent steigern.

Nun ist von Hofers Einlage noch ein Siebtel übrig – laut Abrechnung 2016 rund 9450 Franken. «Das Geld war für die Altersvorsorge gedacht. Jetzt ist es verloren», ärgert sich der Rentner. «Vor einer Weile wollte Conti gar, dass ich mich an einer Kapitalerhöhung beteilige. Das ist doch eine Frechheit!»

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«Die Zahlungen hörten plötzlich auf. Ich bekam nur noch faule Ausreden zu hören.»

Peter Hofer

Gekauft hatte Hofer die Papiere 2011 und 2012 bei der Berner Firma Swiss Shipcapital Invest. «An der Präsentation hiess es, die Sache sei total sicher, und der Prospekt von der deutschen Finanzmarktaufsicht Bafin geprüft», erinnert sich Hofer. Im ersten Jahr wurden tatsächlich Gewinne ausgeschüttet. «Doch dann hörten die Zahlungen plötzlich auf. Ich bekam nur noch faule Ausreden zu hören.»

Auch Theodor Huber aus Winterthur ist mit solchen Schiffsbeteiligungen – oft auch Schiffsfonds genannt – finanziell auf Grund gelaufen. 75000 Euro investierte er in drei Schiffe. Davon sind jetzt 1255 Euro übrig. Gekauft hatte er die Papiere bei seinem Finanzberater, der als Zwischenhändler für die Swiss Shipcapital Invest fun­gierte. Auch Huber waren vollmundige Renditeversprechen gemacht worden.

Hinter der Swiss Shipcapital Invest steht der Berner Kurt Alfred Schori. «Die Angebote wurden von der Bafin geprüft und genehmigt und sind mit einem ausführlichen Hauptprospekt dokumentiert», schreibt er auf Nachfrage. «Die Behörde schreibt dabei vor, dass die Risiken vollständig und an prominenter Stelle dargestellt werden. Die Kunden haben diese Prospekte ­jeweils ausgehändigt erhalten und ­deren Erhalt bestätigt.»

Der Trick mit der Finanzaufsicht

Jochen Resch ist Anwalt mit Büros in München, Berlin und Wien. Er vertritt Geschädigte von Schiffsbeteiligungen aus Deutschland, der Schweiz und ­Österreich, darunter auch Peter Hofer und Theodor Huber. «Die Bafin macht grundsätzlich keine Inhaltskontrollen und noch weniger Kontrollen der Plausibilität eines Konzeptes. Sie prüft nur die Vollständigkeit der gesetzlichen Angaben, etwa, ob die Seiten richtig durchnummeriert sind», sagt Resch. «Den Anlegern aber wurde suggeriert, die Finanzmarktaufsicht habe den Prospekt und damit das gesamte Konzept geprüft.» Resch schätzt, dass allein in Deutschland über eine Million Privatanleger mit maroden Schiffspapieren finanziell Schiffbruch erlitten haben.

Kurt Schori, laut Eigenaussage der Einzige in der Schweiz, der solche ­Papiere vertrieb, ist sich keiner Schuld bewusst. «Die seit Anfang dieses Jahrzehnts – von einem Grossteil der Experten nicht vorhergesehene – nachhaltige Finanz- und Wirtschaftskrise hat die internationale Transportschifffahrt besonders heftig getroffen», schreibt er.

«Die Verkäufer wussten, wie sie es anstellen müssen, damit man ihnen nichts anhaben kann.»

Markus Fuchs, Branchenverband Swiss Funds & Asset Management Association

Tatsache ist, dass der Markt schon Mitte 2008 während der Finanzkrise massiv einbrach. Ende 2013 stellte das Oberlandesgericht Hamburg in einem Urteil fest, dass positive Prognosen für den Schiffsmarkt spätestens ab Mitte 2008 pflichtwidrig waren.

«Die Verkäufer dieser Papiere wussten, wie sie es anstellen müssen, damit man ihnen nichts anhaben kann», sagt Markus Fuchs, Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Funds & Asset Management Association. Sie verkauften Beteiligungen an Kommanditgesellschaften statt an Fonds und umgingen so die Fondsvorschriften. Sie erlauben den Verkauf solcher ­Papiere nur an qualifizierte Anleger, also an Institutionelle wie Banken und Versicherungen sowie Private mit über 5 Millionen Franken Vermögen.

Billigsoftware und Hugo Boss

Kurt Schori logiert mit seinen Firmen Swiss Shipcapital Invest, Swiss Global Invest und Swiss Invest Group an der noblen Taubenstrasse 32 in Bern. Die prunkvolle Villa gehört dem deutschen Reeder Christian Jürgen Ahrenkiel, der kurz nach der Gründung der Swiss Global Invest 2005 aus der Firma ausstieg.

2013 änderte sich die Rechtsgrundlage für ausländische Kapitalanlagen in der Schweiz. Schori hätte nun für die Geschäfte seiner Swiss Ship­capital Invest eine Lizenz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma benötigt. «Eine Weiterführung der Geschäfte hatte sich in der Schweiz nicht mehr aufgedrängt», sagt Wirtschafts­pro­fes­sor Schori, der übrigens ohne Doktorarbeit und Habilitation zu seinem Titel gekommen ist und ab und an als Gastdozent an der privaten Berner Wirtschaftshochschule PHW doziert. «Die Voraussetzungen dürften wohl nicht gegeben gewesen sein», sagt Markus Fuchs vom Branchenverband. Ende 2013 liquidierte Schori die Firma.

Hinter der Swiss Invest Group verbarg sich ursprünglich ein sogenannter Private Label Fund für Schiffsbeteiligungen, ausgegeben von der Liechtensteinischen Landesbank. Schori verwaltete ihn. «2013, nachdem es nicht mehr möglich war, Anteilsrückgaben zu bedienen, wurde der Fonds geschlossen, in Liquidation gesetzt und 2016 aufgelöst», so Landesbank-Sprecher Cyrill Sele. «Die Anleger wurden nach Durchführung der Liquidation informiert, dass aufgrund des negativen Nettofondsvermögens keine Liqui­dationsschlusszahlung erfolgt.»

Was die Swiss Invest Group heute genau macht, wo sie ihren rechtlichen Sitz und welche Rechtsform sie hat, will Schori nicht sagen. Sicher ist, dass sie nicht im Schweizer Handelsregister eingetragen ist. Und dass sie bessere Tage gesehen hat. Die neue Website wurde mit einer Billigsoftware erstellt. Angebliche Geschäftsbeziehungen mit Hugo Boss, dessen Konzernlogo auf der Website prangt, sind offensichtlich frei erfunden. «Wir klären derzeit ab, ob wir rechtlich gegen diesen Missbrauch unseres Firmennamens vor­gehen», sagt Boss-Konzernsprecherin Hjördis Kettenbach. Das Logo ist ­mittlerweile von Schoris Website verschwunden.