1. Home
  2. Forschung: Die Unis schweigen zu Millionenkosten

ForschungDie Unis schweigen zu Millionenkosten

Für wissenschaftliche Studien werden Steuerzahler gleich doppelt zur Kasse gebeten. Ein Informatiker wehrt sich.

Hochschulen: Riesenbeträge für Abos
von

Das erste Mal bezahlen Steuerzahler, indem sie die Forschung an den Universitäten finanzieren, und das zweite Mal, wenn die Unis die Fachzeitschriften abonnieren, in denen Resultate der Forschungen publiziert werden.

Die Abos sind für Forscher unentbehrlich und kosten jährlich mehrere Millionen Franken, ­obwohl die Artikel darin von den Hochschulen finanziert und den Wissenschaftsverlagen gratis zur Verfügung gestellt werden. «Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, wie viel die Unis zum Kauf von Informationen ausgeben, die sie teilweise selber produziert haben», sagt deshalb Informatiker Christian Gutknecht, der sich seit Jahren für einen offenen Zugang zu akademischen Publikationen einsetzt. Der eidgenössische Datenschützer stützte diese Haltung 2015. Er hiess Gutknechts Gesuch um Einsicht bei den Bibliotheken der ETH Zürich und Lausanne ­sowie beim Bibliotheksverbund Lib4RI gut.

4000 Franken für den Arbeitsaufwand

Die ETH Zürich war nicht erfreut. Sie verlangt von Gutknecht 4000 Franken, bevor sie einen Finger rührt. Die Verträge enthielten Verschwiegenheitsklauseln, schrieb sie, man müsse elf Verlage um Einwilligung anfragen: «Wir gehen von einem Arbeitsaufwand von einer Woche aus.» Für Gutknecht ist die verlangte Summe «eine reine Abschreckungsmassnahme». Er will beim Datenschützer ein Schlichtungsgesuch einreichen und damit eine tiefere Rechnung erreichen.

Gutknecht muss für seinen Kampf um Transparenz ohnehin schon tief in die eigene Tasche greifen. Der Rechtsstreit um Offenlegung der Kosten für Fachzeitschriften an der Universität Genf endete für ihn zwar mit einem Sieg, aber auch mit hohen Kosten. Trotz einer Crowd­funding-Kampagne auf Wemakeit blieb Gutknecht auf einer Anwaltsrechnung von über 7000 Franken sitzen.

Veröffentlicht am 21. Juni 2016