1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Milchpreis: Für die Bauern ist nichts in Butter

MilchpreisFür die Bauern ist nichts in Butter

Die Nachfrage nach Butter steigt. Doch die Bauern haben nichts davon. Sie fordern mehr Geld für ihre Milch – wohl vergeblich.

Butter ist plötzlich wieder ein Verkaufsschlager.
von aktualisiert am 23. November 2017

Während Jahren mangelte es in der Schweiz an Butter. Entsprechend hoch waren die Importe, sie beliefen sich in einzelnen Jahren auf 7000 Tonnen. 

Für die Bauern war das gut. Die Nachfrage nach heimischer Butter war gross, die Preise für Butter und Milch blieben hoch. Und damit die Lebensmittelindustrie trotz allem teure Schweizer Milch verarbeitete, wurde ihr Export über das Schoggigesetz subventioniert.

2009 änderte sich die Situation grundlegend. Die Milchkontingente wurden abgeschafft, und die Bauern durften nun so viel Milch produzieren, wie sie verkaufen konnten. Milch war zwar gefragt, Rahm und Butter aber weniger. Die Überschüsse drückten auf den Milchpreis

Weil der Butterberg in den folgenden Jahren stetig wuchs, begann die Schweiz, immer mehr davon zu exportieren. Und damit der Milchpreis nicht einbrach, subventionierte der Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) den Export von Butter und Rahm mit Geldern von den Bauern. Im Frühling fand der letzte dieser Exporte statt.

Ein Comeback mit Folgen

Seither sind die Schweizer Butterreserven gesunken. Derzeit liegen noch rund 1500 Tonnen in den Lagern. Die Knappheit hatte keine Auswirkung auf den Milchpreis, der blieb tief. 

Butter feiert weltweit ein Comeback, die Nachfrage ist massiv gestiegen. So kostet sie heute zum Beispiel in deutschen Läden doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Aber nicht nur die Nachfrage nach Butter ist gestiegen. Es kommt ausserdem immer weniger Butter auf den Weltmarkt, weil die milchexportierenden Länder den Rohstoff zunehmend selber verwerten. Das hat den Butterpreis zusätzlich angeheizt. Zumindest auf dem Weltmarkt.

Davon haben die Schweizer Milchbauern bisher nichts. Das liegt unter anderem daran, wie der A-Richtpreis für die Molkereimilch berechnet wird. Dabei kommt ein Index zum Zug, der auch den Butterpreis im Detailhandel berücksichtigt. Ist dieser wegen Aktionen tief, sinkt der Index und in der Folge der A-Richtpreis für die Bauern. Das passierte diesen Sommer, als der Detailhandel Aktionen machte, obwohl sich die Butterknappheit abzeichnete.

Angst vor Lebensmittelskandalen 

Das wirke sich auch auf den B-Richtpreis aus, sagt Reto Burkhardt vom SMP: «Milch für diverse Produkte wie Quark oder Milchmischgetränke kann derzeit im Vergleich zum Ausland viel zu günstig eingekauft werden.» 

Die weltweite Nachfrage nach Butter ist in den vergangenen Monaten zur Überraschung vieler sehr schnell gestiegen. Dass statt billigem Palmöl vermehrt teure Butter verwendet wird, dürfte nicht zuletzt mit der Angst der Lebensmittelindustrie vor Skandalen zu tun haben.

Das hat Gründe. Im Mai 2016 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Bericht über die Gefährdung der Gesundheit durch Fettsäureester. Sie entstehen beim Raffinieren von Pflanzenölen bei hohen Temperaturen. Die EU-Behörde konnte diese bei Verwendung von Palmöl und Palmfett regelmässig nachweisen. 

Vor zwei Monaten legte Greenpeace Österreich eine Studie vor, die zeigte, dass die tolerierbare tägliche Menge der problematischen Fettsäureester bei einem Kind bereits überschritten wird, wenn es zwei Stückchen Milka-Erdbeer-Schokolade gegessen hat. Die Handelsketten Rewe und Spar nahmen darauf das Produkt aus dem Sortiment. Es dürfte nicht nur bei Schokolade bleiben, weitere Produkte stehen auf der Abschussliste.

In Deutschland kostet Butter inzwischen doppelt so viel wie noch vor einem Jahr.


1500 Tonnen Butterreserven hat die Schweiz heute noch.

An der Schweiz ist auch diese Entwicklung weitgehend vorbeigegangen. Der Milchpreis blieb trotz der international höheren Nachfrage nach Butter tief. «Der Schweizer Markt ist viel weniger volatil als in Europa. Wer Butter in seinen Rezepturen einsetzt, bleibt langfristig dabei», erklärt Peter Ryser von der Branchenorganisation Butter. Die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nach Milchprodukten änderte sich kaum.

Lightprodukte sind derzeit zwar weniger gefragt als auch schon, doch «die steigende Produktion von Convenience-Produkten dürfte das kompensiert haben», so Ryser. Bei Convenience-Food wird in der Regel billiges Pflanzenfett verwendet. «Die Nachfrage nach Butter schwankt hierzulande im tiefen einstelligen Prozentbereich.»

Tonnenweise Pulver an Lager

Trotzdem fordern der Schweizer Bauernverband und die Schweizer Milchproduzenten jetzt einen höheren Milchpreis – und verweisen dafür auf die Entwicklung des Butterpreises auf dem Weltmarkt. In der EU bekommen die Bauern zwar wieder mehr für ihre Milch – aber noch lange nicht genug. Kühe geben schliesslich Milch, keine Butter. Und Milch besteht nicht nur aus Fett, das man verbuttern, sondern auch aus Eiweiss, das man zu Magermilchpulver verarbeiten kann. 

Derzeit liegen in der EU noch viele Tonnen Magermilchpulver aus Interventionskäufen an Lager. Sie stammen aus der Zeit der Milchüberschüsse. Wie früher die Butterberge in der Schweiz drücken heute die Magermilchpulverlager in der EU auf den Milchpreis. Was die Milchverarbeiter bei der Butter mehr verdienen, wird von den tiefen Kosten für das Magermilchpulver wieder aufgefressen. Melken bleibt deshalb auch in der EU auf absehbare Zeit kein gutes Geschäft für die Bauern.

«Die besten Artikel – Woche für Woche»

Reto Stauffacher, Online-Redaktor

Die besten Artikel – Woche für Woche

Der Beobachter Newsletter