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Öffentlicher VerkehrMit dem Bus pendeln?

Zürich - Genf im Bus statt im Zug? Die Pläne des Carunternehmens Domo, nationale Fernbusstrecken als Konkurrenz zur SBB einzuführen, sorgen für Aufruhr.

Sollen bald die SBB konkurrenzieren: Cars der Firma Domo.

Von aktualisiert am 09. Mai 2017

«Nicht akzeptabel», «unverantwortlich», «schlecht für die Umwelt». So empörten sich kürzlich der Umweltverband VCS und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Der Grund für die Aufregung: Die Glattbrugger Carfirma Domo Reisen plant, Mitte Juni Gratis-Testfahrten mit Fernbussen innerhalb der Schweiz durchzuführen. Eine Bewilligung braucht das nicht. Domo chauffiert seit Jahren gewerbsmässig Ferienreisende nach Spanien und Italien. Die Lizenz für Gelegenheitsfahrten innerhalb der Schweiz ist somit vorhanden, bestätigt das Bundesamt für Verkehr (BAV). Ein Signal für einen fahrplanmässigen Betrieb lasse sich daraus «nicht ableiten».

Zweimal täglich durchs ganze Land

Domo hat grosse Pläne. Zweimal täglich will die Firma ab Dezem-ber fahrplanmässig die Strecken St. Gallen–Zürich–Genf, Zürich–Basel–Chiasso und Chur–Zürich–Bern–Sitten bedienen. Die Konzessionsgesuche beim BAV wurden Anfang Mai eingereicht. Mit einem Entscheid ist im Lauf des Sommers zu rechnen.

Domo will Kunden mit Tickets locken, die etwa halb so teuer sind wie ein SBB-Billett, sagt Mitarbeiter Patrick Angehrn. Hinzu sollen WLAN und eine Steckdose an jedem Sitzplatz kommen. Die Frage ist, ob sich genügend Passagiere finden, denen der Zeitfaktor egal ist. Denn wenn der Bus im Stau steht, brauchts Geduld.

Diverse Vorschriften zu erfüllen

Für die Konzessionierung neuer nationaler Buslinien müssen laut BAV diverse Auflagen erfüllt sein. So dürfen bestehende, von der öffentlichen Hand mitfinanzierte Angebote «nicht wesentlich konkurrenziert» werden. Die Tarife müssen Halbtax- und Generalabos berücksichtigen, die Arbeitsbedingungen branchenüblich und die Verkehrsmittel barrierefrei sein.

Die Kritiker warnen vor den Folgen einer Konzessionierung. Die Gewerkschaft will im Fall einer Bewilligung darüber wachen, dass die branchenüblichen Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Der VCS pocht auf die Verantwortung für die Umwelt: Fernbusse würden bis zu zehnmal so viel CO2 ausstossen wie die Bahn. Domo entgegnet, ein vollbesetzter Fernbus sei ökologischer als ein schwach besetzter Intercity-Zug.