Internationale Konjunktur
Seit Mitte 2009 sei weltweit eine Konjunkturerholung von der vorangegangenen scharfen Rezession festzustellen, wie die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes in ihrem Dezember-Bericht festhält. Diese Konjunkturerholung sei massgeblich durch die vielfältigen wirtschaftspolitischen Stützungsmassnahmen getragen und dürfte sich den Experten zufolge vorerst weiter fortsetzen.

Gleichwohl präsentiere sich der internationale Konjunkturausblick für 2010 und wohl auch darüber hinaus «keineswegs ungetrübt». Für einen anhaltenden Aufschwung müsste die private Konsum- und Investitionsnachfrage anspringen, was jedoch aus verschiedenen Gründen fraglich sei. Daher geht die Expertengruppe von einer stotternden und insgesamt schwunglosen weltwirtschaftlichen Dynamik aus, wobei ein nochmaliger Rückfall in die Rezession nicht erwartet wird.

Wie sieht es zurzeit für die Schweiz aus?
Im aufgehellten weltwirtschaftlichen Umfeld konnte auch die Schweiz die Rezession nach der Jahresmitte überwinden. Nach vier negativen Quartalen habe das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) im 3. Quartal 2009 erstmals wieder leicht zugenommen (+0,3 Prozent gegenüber Vorquartal). Über das gesamte Jahr 2009 dürfte die Wirtschaftsleistung in der Schweiz gemäss Expertengruppe um 1,6 Prozent schrumpfen. Dies entspräche zwar dem stärksten Jahresrückgang seit 1975, gleichwohl habe die Schweizer Wirtschaft damit die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise im Vergleich zu vielen anderen Ländern relativ glimpflich überstanden.

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Auch wenn die konjunkturelle Wende in der Schweiz vollzogen scheine, bleiben die Wachstumserwartungen vor allem für 2010 wegen der voraussichtlich schwunglosen weltwirtschaftlichen Dynamik begrenzt. Die Expertengruppe prognostiziert für 2010 neu ein BIP-Wachstum um 0,7 Prozent (bisher +0,4 Prozent). Erst im Verlauf von 2011 rechnet die Expertengruppe mit einer kräftigeren BIP-Erholung in der Schweiz (+2 Prozent).

Wird die Arbeitslosenquote weiter steigen?
Angesichts der schleppenden BIP-Erholung werde der Arbeitsmarkt gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft Seco auch im nächsten Jahr noch der Schwachpunkt der Wirtschaftsentwicklung bleiben. Bei der Beschäftigung gebe es zwar erste Signale für einen nachlassenden Rückgang. Allerdings sei zu befürchten, dass bei vielen Unternehmen angesichts unterausgelasteter Kapazitäten auch im kommenden Jahr noch kaum Bedarf für Personaleinstellungen besteht. Für die (saisonbereinigte) Arbeitslosenquote wird daher ein weiterer Anstieg von derzeit 4,1 Prozent (November 2009) auf einen Höchststand von gut 5 Prozent bis Ende 2010 prognostiziert (was rund 200'000 gemeldeten Arbeitslosen entspricht), ehe sich im Verlauf von 2011 ein langsamer Rückgang einstellen sollte. Im Jahresmittel dürfte die Arbeitslosenquote gemäss Expertengruppe sowohl 2010 als auch 2011 jeweils 4,9 Prozent betragen.

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Wie steht es mit der Teuerung?
Die Phase erdölpreisbedingt negativer Konsumteuerung ist gemäss Expertengruppe des Bundes in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern im Herbst 2009 ausgelaufen. Für 2010 (+0,8 Prozent) und 2011 (+0,7 Prozent) rechnet die Expertengruppe wieder mit leicht positiven Teuerungsraten. Die Inflationsgefahr wird indes als gering beurteilt.

Ist das Geld auf meinem Konto gefährdet?
Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass eine Schweizer Bank Konkurs geht, sind seit Ende 2008 pro Kunde maximal 100'000 Franken geschützt (zuvor: 30'000 Franken). Neu gilt für Vorsorgegelder ein zusätzlicher Einlegerschutz für weitere 100'000 Franken pro Kunde.

Maximal sind jedoch höchstens sechs Milliarden Franken geschützt. Dieser Betrag würde wohl schon bei mittleren Banken nicht ausreichen, um die theoretisch geschützten Gelder zu decken. Die Erhöhung der Einlagensicherung gilt nur bis Ende 2010, bis dann soll eine komplett neue Lösung ausgearbeitet werden.

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Bei den meisten Kantonalbanken besteht aufgrund der Staatsgarantie keine Gefahr. Beim normalen Kontosortiment der Postfinance – ausgenommen Vorsorge – ist ebenfalls nichts zu befürchten.

Ich habe mein Geld in Kassenobligationen angelegt. Sind diese auch betroffen?
Kassenobligationen sind von den Turbulenzen an der Börse nicht betroffen. Im Falle eines Bankenkonkurses gilt jedoch dasselbe wie bei den Bankkonten.

Da ich seit einiger Zeit freischaffend bin, liegt mein Pensionskassengeld auf einem Freizügigkeitskonto. Inwiefern ist dieses Geld von der Krise betroffen?
Direkt betroffen sind Sie derzeit nur, wenn Sie die Gelder in einem Anlagefonds mit Aktienanteil angelegt haben. Die Kursverluste bei den Aktien haben den Wert der Fondsanteile vermindert. Bei einer langen Anlagedauer, wie sie üblicherweise bei Vorsorgegeldern vorgesehen ist, dürfte die Rendite im langfristigen Durchschnitt bei Fondsanlagen trotzdem höher sein als auf dem Konto. Liegt Ihr Guthaben auf dem Konto, gilt auch hier der Einlegerschutz von 100'000 Franken pro Kunde.

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Lässt man Anlagefonds der Säule 3a einfach im Depot? Oder ist es besser, diese auf weniger Risiko zurückzustufen, sprich, Fondsanteile zu verkaufen? Soll ich künftige Einzahlungen gar nicht mehr anlegen, sondern auf dem Konto belassen?
Wenn sich Ihr Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft nicht geändert haben, sollten Sie jetzt nichts ändern. Bei langer Anlagedauer können auch künftige Vorsorgebeiträge in Fonds angelegt werden. Wenn Sie sich das Vorsorgekonto bald auszahlen lassen müssen, ist es empfehlenswert, die Fondsanteile abzubauen (zu verkaufen) und allenfalls noch vorhandene Gewinne zu realisieren.

Viele Experten sagen, man solle bei Börsenturbulenzen Aktien nicht verkaufen. Weshalb sind die Börsenkurse trotzdem so stark gefallen?
An den Börsen spielen viele Faktoren eine Rolle. Zu den wirtschaftlichen Gründen wie tiefere Gewinnschätzungen kommen auch psychologische. Die verunsicherten Anleger verkaufen in Panik, um noch grössere Verluste zu vermeiden. Verkauft haben vor allem institutionelle Anleger, die für erhebliche Volumen verantwortlich sind. Daraus ergibt sich eine Sogwirkung der Kurse nach unten. 

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Soll ich jetzt Aktien kaufen?
Niemand kennt den günstigsten Zeitpunkt, um bei Aktien einzusteigen. Wichtig und nötig ist ein langfristiger Anlagehorizont.