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Ausgekochtes DesignDie Küche ist salonfähig

Erst hat sich der Herd den Platz im Mittelpunkt des Wohnens zurückerobert. Nun tritt die durchgestylte Wohnküche aufs Parkett – in allen Preisklassen.

Grillen, backen, dämpfen, gefrieren, spülen, plaudern, essen, flambieren, trinken, rüsten: In der Küche wird gelebt und gearbeitet. Vorbei ist die Zeit, als die Gastgeberin oder der Gastgeber in einem separaten Raum für die Gäste kochte. Heute präsentiert sich die Küche als regelrechte Landschaft: offen, grossräumig und designt bis ins letzte Detail.

Um die Küche derart salonfähig zu machen, bedarf es einer exakten Vorbereitung. Denn nur wer professionell plant, wird den Raum für die Küche optimal ausnutzen können. Dafür sollte auch nichts vergessen gehen und die Küche weniger rasch veralten. Damit die Wahl der Traumküche angesichts der Fülle an Möglichkeiten nicht zur Qual wird, lohnt es sich, einen Küchenspezialisten beizuziehen.

Extravaganz lohnt sich nicht


Eine günstige Küche ist schon für 15000 Franken zu haben. Im Schnitt kostet eine Küche jedoch zwischen 20000 und 50000 Franken. Die Preise sind aber nach oben offen. Für eine Luxusküche, wie sie sich etwa der ehemalige CVP-Politiker und Ostschweizer Industrielle Edgar Oehler anfertigen liess, blättert man gut und gerne 100000 Schweizer Franken und mehr auf den Tisch. Doch schon beim Kauf einer Küche sollte man nicht vergessen, dass man sein Haus oder seine Wohnung später vielleicht wieder einmal veräussern will. Qualitätsküchen steigern zwar zweifellos den Wert einer Immobilie. Für allzu extravagante oder exotisch ausgestattete Küchen wird ein Käufer des Hauses oder der Wohnung aber kaum bereit sein, den tatsächlichen Wert zu bezahlen.

Glas und dunkle Hölzer en vogue


Bei der Wahl des Materials gibt es kaum Grenzen: von Aluminium über Glas bis hin zu Granit, Edelstahl, Ahorn, Metall, Hochglanz- und Schleiflack, Buche, Eiche, Nussbaum, Beton, Zebranoholz oder Corian. Trotz der kaum überschaubaren Vielfalt an Materialien hat Ernst Brunner, Geschäftsführer der Brunner Küchen AG im aargauischen Bettwil, einen Trend ausgemacht: «Glas ist auf dem Vormarsch.» Brunner baut seit mehr als 30 Jahren Küchen nach Mass. Jean-Luc Ferrazzini, Leiter Public Relations beim Schweizer Küchenhersteller Bruno Piatti AG, stellt einen weiteren Trend hin zu dunklen Hölzern fest. «Diese werden gerne mit den Farben Sand, Beige oder Orange kombiniert.» Geld einsparen kann, wer beim Küchenbau statt edler Materialien preisgünstige Alternativen wählt: für Fronten gewisse Kunstharze oder Naturhölzer, bei den Abdeckungen belegter Kunststoff oder Natursteine und beim Boden PVC, Linoleum oder keramische Platten.

Bei den Abdeckungs- und Arbeitsflächen, Scharnieren und Schubladen lohnen sich Abstriche nicht. Jean-Luc Ferrazzini von Piatti rät, auch bei den Geräten nicht zu sparen, und empfiehlt, Markenprodukte zu verwenden. Sein Spartipp: «Nur kaufen, was man auch wirklich braucht.»

In die gleiche Kerbe schlägt Christian Voldum, Geschäftsführer der Schweizer Baumuster-Centrale: «Ein zweiter Backofen kann auch noch zu einem späteren Zeitpunkt angeschafft werden.» Den Platz für den zweiten Backofen oder Steamer sollte man aber vorausschauend schon mal einplanen.

Das letztjährige Modell ist oft keineswegs schlechter, meistens aber deutlich billiger als der aktuell letzte Schrei. Dass es in der Küche nicht jeden Schnickschnack braucht, finden auch erfahrene Kochschullehrerinen und Kochschullehrer. Thomas Spycher, Leiter von ChuchiArt in Zürich-Oerlikon, betont, ein passionierter Koch könne auf jedem Herd kochen. Und für Monika Sterchi, Leiterin der Betty Bossi Kochschule Zürich, ist ein Steamer zwar praktisch, weil man gleichzeitig drei Gerichte zubereiten kann, doch «im Singlehaushalt reicht wohl auch ein Dämpfkörbchen».

Die modernen Küchen bieten nicht nur etwas fürs Auge. So wird der Geschirrspüler erhöht eingebaut, damit man sich nicht mehr bücken muss, um ihn einzuräumen. Und die Höhe von Küchenschränken, Ablage- und Arbeitsflächen wird auf die Körpergrösse der Benutzer abgestimmt.

Kein Spielraum in Mietwohnungen


Während die Hauseigentümer bei der Küche die Qual der Wahl haben, bleiben den Mietern nur wenig Möglichkeiten, um ihre Küche aufzumöbeln. «Baulich können Mieterinnen und Mieter nur wenig bis gar nichts an ihrer Küche ändern», lautet unisono die Aussage der Küchenprofis. Wer seine Küche verändern will, muss im Vorfeld auf jeden Fall seinen Vermieter kontaktieren. Wenn dieser darauf besteht, dass die Wohnung nach Mietende wieder in den Originalzustand zurückversetzt werden muss, lohnt sich eine Investition kaum. Mieterinnen und Mietern bleibt nur, sich wohl oder übel mit dem bestehenden abzufinden oder eine neue Wohnung zu finden. Hauptkriterium bei der Wahl der neuen Bleibe: die Küche.

Weitere Infos


Bei der Schweizer Baumuster-Centrale in Zürich präsentieren 350 Aussteller auf 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Produkte.

Schweizer Baumuster-Centrale, Talstrasse 9, 8001 Zürich, Tel. 01 215 67 67, www.baumuster-centrale.ch

Veröffentlicht am 21. Oktober 2004