Der Verkäufer im andalusischen Nerja lief mit dem Ostschweizer Ehepaar Hansruedi und Ursula Knill 10'000 Quadratmeter nahe dem Meer ab. Das Grundstück war zu haben, der Makler überzeugend, auf der detaillierten Landkarte waren selbst Höhenkurven eingezeichnet – es kam zur Handänderung, also zum Vertragsabschluss. In den folgenden 15 Jahren kamen Knills aber nicht mehr aus dem Staunen heraus: Die «Höhenkurven» auf der Karte erwiesen sich als Planlinien für eine neue Autobahn. Eine zusätzlich gekaufte Parzelle Land blieb unauffindbar. Als ein Geometer das Grundstück noch einmal vermass, umfasste es plötzlich nur noch 9000 Quadratmeter.

Und nicht einmal die gehörten den Knills: Einen Tag bevor auf der Gemeinde der Grundbucheintrag gemacht wurde, hatte sich nämlich ein Spanier, dessen Schwager auf der Gemeinde arbeitete, 1800 Quadratmeter des Landes gesichert. Davon erfuhren Knills erst, als auf ihrem vermeintlichen Grundstück unverhofft ein Geräteschuppen erstellt wurde, den erst ein Engländer kaufte und später dann ein Russe. Damit nicht genug: Ein Teil des knillschen Grundstücks wurde von der Gemeinde inzwischen zu Bauland erklärt.

Der Boom lockt unseriöse Anbieter an
Total sind Knills von den ursprünglich gekauften und bezahlten 10'000 Quadratmetern gerade mal 5800 geblieben. «Ziehen Sie sofort nach dem Kauf eine Mauer um ihr Grundstück», rät Hansruedi Knill heute. Kein Wunder.

Beispiele wie das des Ehepaars Knill gibt es viele. Der schnelle Euro lässt unseriöse Bauherren aus dem kargen Boden spriessen wie Schimmelpilz aus hastig hingewurstelten Reihenhäusern ohne Unterbau – in Spanien wurde allein letztes Jahr die europäische Rekordzahl von 600'000 neuen Wohneinheiten hochgezogen.

Werner Steuber von der «Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz» kann sich ob der Naivität vieler Käufer oftmals nur wundern: «Da werden Anzahlungen für Grundstücke geleistet, die nicht mal im Grundbuch stehen.»

Tatsächlich kann in der Immobilienbranche jeder mitmischen, besondere Qualifikationen sind nicht nötig. Entsprechend viele Schlawiner oder Unqualifizierte sind in diesem Business tätig. Eine seriöse Überprüfung des Händlers respektive Maklers ist deshalb allererste Pflicht (siehe Kasten).

Wer die Immobilienhaie erfolgreich umschifft hat, ist noch nicht in Sicherheit. In verschiedenen Ländern warten weitere Stolpersteine auf Hauskäufer: In Griechenland etwa ändern ständig die Steuergesetze, und in Florida gelten ein paar tückische, US-spezifische Vorschriften.

Die Lage muss genau geprüft werden
Als wichtigstes Kriterium bei der Auswahl des geeigneten Objekts gilt die Lage. Dabei geht es nicht nur um die Sicht vom Balkon, sondern etwa auch darum, in welcher Art Bewirtschaftungszone die Immobilie liegt oder welche Infrastruktur die nähere Umgebung bietet. Der Blick aufs Meer zum Beispiel nützt wenig, wenn der nächste Supermarkt 20 Kilometer entfernt liegt oder der nächste Deutsch sprechende Arzt 180 Kilometer weit weg praktiziert.

Vor dem Erwerb ist unbedingt zu klären, ob in der Gegend grössere Bauprojekte geplant sind, wie es mit äusseren Einflüssen wie Sonne, Wind oder Lärm aussieht, wie es mit Nachbarn oder der Gefahr von Naturgewalten steht, wie die Zufahrtsrechte zum Grundstück geregelt sind. Dringend zu checken ist die Wasserfrage – an vielen Orten, gerade in Südeuropa, ist das Wasser nicht nur knapp, sondern oft auch von schlechter Qualität.

Auch sollten Sie sich bewusst sein, zu welchem Zweck Sie dieses Haus im Ausland erstehen. Dient es als Ferienwohnung? Als Altersresidenz? Als Dauerwohnsitz? Als Kapitalanlage? Je nach Antwort müssen Sie sich um Dinge wie das Steuer-, das Niederlassungs- oder das Erbrecht des betreffenden Landes kümmern – und zwar bevor es ans Unterzeichnen des Kaufvertrags geht. Nicht alle werden für ihre Sorglosigkeit nämlich so milde bestraft wie die Knills aus Nerja: Die Autobahn wurde zum Glück nie gebaut, und für das Gelände fand sich kürzlich ein Käufer.

Knills wohnen jetzt zwar immer noch in Nerja, aber in einer Eigentumswohnung. Die Gegend gefällt ihnen, und über ihr neues Heim haben sie nichts zu klagen. Ihre Lektion beim Immobilienkauf haben sie aber gelernt.

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