Ein Hochhaus mit 47 Stockwerken, aber ohne funktionierenden Lift? Eine Tief­garage ohne Zufahrt? Oder ein WC, das mit heissem statt kaltem Wasser spült? Beispiele wie das Hochhaus im spanischen Badeort Benidorm, das Parkhaus in Belgien oder der falsch angeschlossene Spülkas­ten machen in den Medien schnell die Runde. Krasse Planungs- und Baufehler sind zwar die Ausnahme, doch kleinere Missgeschicke von Planern, Architekten und Designern ärgern Wohnungsmieter oder Käufer von Einfamilien­häusern immer wieder, da sie sich meist nicht einfach ausbügeln lassen. Im Folgenden eine Auswahl:

Mann plant Küche.

 «It`s a man`s world» – der Songtitel von James Brown passt zur Baubranche. Frauen sind hier immer noch selten anzutreffen. Besonders zu spüren bekommen dies Wohnungsmieter: Ihre Küchen werden meist von reinen Männerteams geplant, die oft wenig Ahnung vom Arbeitsalltag zwischen Herd und Geschirrspüler haben. Das Resultat sorgt dann für Ärger: Nicht selten fehlt neben dem Herd Platz für heisse Töpfe, befindet sich der Backofen auf einer unmöglichen Höhe, versperrt der offene Geschirrspüler den Durchgang oder werden statt praktischer Schubladen lieber preisgünstige Schränke montiert, bei denen die Sachen ganz hinten nur für Schlangenmenschen erreichbar sind. Während Käufer eines Eigenheims bei der Küchengestaltung mitreden können, bleibt Mietern nichts anderes übrig, als die Planer ins Pfefferland zu wünschen oder sich eine andere Wohnung mit einer – hoffentlich – gescheiter geplanten Küche zu suchen.

Quelle: Nicolas Bischof
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Optik statt Schutz.

 Staubleisten sind eine praktische Erfindung: Sie schützen den empfindlichen Wandverputz vor Verschmutzungen oder Beschädigungen beim Reinigen des Bodens. Zudem kann man hinter ihnen elegant Kabel verschwinden lassen. Doch leider gelten Schutzleisten bei einigen Architekten als unschön und werden einfach weggelassen. Das sieht dann zwar chic aus, aber nur bis man zum ersten Mal beim Reinigen des Bodens dem Rand entlang fährt. Schmutzspuren und Hicke im Verputz sind dann das Resultat. Dabei gäbe es Lösungen, die Gestaltung und Gebrauchstauglichkeit unter einen Hut bringen: Filigrane Schutzleisten aus Aluminium beispielsweise. Die kann man auch als Mieter nachrüsten, muss sie aber – sofern der Vermieter darauf besteht –beim Auszug wieder demontieren und die Bohrlöcher verschliessen.

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Quelle: Nicolas Bischof

Die Mini-Garderobe.

Planen Architekten eine Garderobe für eine Vierzimmerwohnung, so gehen sie von zwei bis drei Jacken und ebenso vielen Paar Schuhen aus. Die Garderobe sieht dann auf den Plänen und in der noch leeren Wohnung top aus. Die Realität hingegen straft die Vorstellung Lügen: Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern im Schulalter bringt es locker auf zwölf Jacken und acht Paar Schuhe – nicht zu reden von all den Schals, Handschuhen, Regenhosen, Velohelmen und Sonnebrillen, die es auch noch braucht. Eigenheimkäufer sollten deshalb von Beginn weg auf einer ausreichend grossen Garderobe und Einbauschränken als Stauraum bestehen, Wohnungsmieter hingegen müssen – sofern der Platz vorhanden ist – den Stauraum mit eigenen Möbeln erweitern oder notfalls Kleider und Schuhe in den Schlafzimmerschrank auslagern. So oder so: Schön sind solche Lösungen selten.

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Quelle: Nicolas Bischof

Schalterorgien.

Wohn- und Essbereich sowie die Küche teilen sich oft einen Raum. Entsprechend viele Lampen und schaltbare Steckdosen kommen hier zusammen. Aus praktischen Gründen fassen Elektroplaner die Schalter dafür gerne an einem Ort zusammen. Das freut aus optischer Sicht auch die Architekten. Doch die Nutzer sind immer wieder neu herausgefordert: Zum einen aufgrund der Vielzahl an Schaltern, zum anderen weil sie bezüglich der Position der Lampen im Raum oft unlogisch zugeordnet sind. Abhilfe schafft einzig eine Beschriftung der Schalter – die man dann aber im Dunkeln nicht sieht...

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Die Riesenfenster.

Gut dämmende Fenster mit Dreifachverglasung und effiziente Sonnenstoren haben grossen Fensterfronten im Wohnbereich in den letzten Jahren zum Durchbruch verholfen – nicht immer zur Freude der Bewohner. Die riesigen Fenster lassen zwar viel Licht in die Wohnräume, erschweren aber die Möblierung und machen die Zimmer in der Nacht zu Ausstellungsräumen. Vorhänge oder Storen halten zwar ungewollte Blicke draussen, lösen das Problem mit der Möblierung aber nicht. Und so bieten die grossen Fensterfronten vielenorts von aussen freien Blick auf unschöne Möbelrückwände, angesammelten Staub, gestapelte Schachteln, Abfallsäcke oder ein Gewirr von Kabeln – sicher nicht im Sinne der Planer. Doch Besserung ist in Sicht: Fensterflächen sind nämlich teurer in der Erstellung als gemauerte Wände. Deshalb setzen Architekten vor allem im preisgünstigen Wohnbau wieder vermehrt auf die sogenannten Lochfenster, also Fenster in normalen Formaten, die weniger Einblick bieten und die Möblierung erst noch erleichtern.

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Design statt Funktion.

Die Auswahl an Wasserhahnen und Duschbatterien ist unübersehbar gross. Doch nicht alles was im Katalog oder der Ausstellung schön aussieht, funktioniert auch im Alltag. Denn manch ein Designer lässt sich beim Entwerfen eher vom Auge als von der Gebrauchstauglichkeit leiten. Ausbaden können das die späteren Nutzer: Morgen für Morgen dürfen sie sich mit Armaturen herumschlagen, an deren Bedienung man sich in schlaftrunkenem Zustand kaum erinnern mag. Ein typisches Beispiel ist der Umschalthebel zwischen Dusche und Wasserhahn: Manchmal ist er kaum zu finden, andere Modelle sind so klein, dass nur Kinderfinger sie bedienen können und wieder andere bleiben ungewollt auf der Duschposition stehen, so dass man sich beim Einlassen des Badewassers immer zuerst mit kalten Wasser von oben aus der Dusche begiesst. Zum Glück können Wasserhahnen und Duschbatterien relativ einfach ausgetauscht werden. Als Mieter ersetzt man sie dann vor dem Auszug einfach wieder durch das Originalmodell – dem Nachmieter soll es schliesslich nicht besser ergehen.

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Quelle: Nicolas Bischof

Der Kabelsalat.

Kabelfernsehen, Glasfaseranschluss, Computer-Netzwerk, Telefon, Strom – für den Anschluss an die Energieversorgung und die grosse weite Welt braucht es eine ganze Reihe von Steckdosen. Und die befinden sich meist nicht dort wo man sie schlussendlich braucht, sondern an der Stelle, die vom Elektroplaner als Standort für Fernseher, Modem, Settopbox und Telefon auserkoren worden ist.

Quelle: Nicolas Bischof
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Die Folge: Ganze Bündel von Kabeln müssen kaschiert hinter Möbeln oder Staubschutzleisten – falls solche überhaupt vorhanden sind – zum richtigen Standort geführt werden. Eigenheimkäufer können hier in der Planungsphase ein Wörtchen mitreden oder gar Kabelkanäle unter dem Boden einbauen lassen, um den Standort der Heimelektronik flexibel wählen zu können. Wohnungsmietern hingegen bleibt nichts anderes übrig, als sich nach einer formschönen Verkleidung für den Kabelwust umzusehen oder extrabreite, aber hässliche Staubschutzleisten mit Platz für Kabel zu installieren.

Balkon mit Einblick.

Grosse Balkone mit Platz für einen Esstisch und mehrere Liegestühle sind heute Standard – das haben die meisten Planer auch so verinnerlicht. In der Umsetzung hingegen hapert es dann immer mal wieder. Beliebt ist die Variante, die grossen Balkone wie ausgezogene Schubladen vor die Fassade zu stellen. Damit die riesigen Freiluftbereiche das Bild der Liegenschaft nicht allzu sehr stören, erhalten sie feine, transparente Geländer.

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Quelle: Nicolas Bischof

Ebenso verzichten die Architekten auf seitliche Wände als Sichtschutz gegenüber den Nachbarn. Abhilfe schaffen die meisten Balkonnutzer dann selber mit billigen Bambusrohrmatten aus dem Baumarkt. Die Balkone gleichen so eher einer Mischung aus Dschungelcamp und Abstellraum – der Schuss ist damit für die Planer nach hinten losgegangen. Dabei gäbe es einfache und formschöne Alternativen, die von Beginn an eingeplant werden könnten: Auf Schienen verschiebbare Ladenelemente beispielsweise oder Freiluftvorhänge aus witterungsbeständigem Storenstoff. Falls der Vermieder einverstanden ist, können Mieter solche Storen auch selbst montieren, um den Sommer auf dem Balkon mit Stil und genügend Sichtschutz geniessen zu können.

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