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GartenbauGut zu wissen, woher Holz und Steine stammen

Kommt das Holz aus Raubbau, sind die Steine von Kinderhand geschlagen? Gartenbesitzer können beim Einkauf auf Umwelt- und Sozialstandards ­achten. Denn es gibt gute Alternativen.

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Hochglanzmagazine zeigen gern, wie ein Garten heute auszusehen hat: eine Terrasse mit Holz, das auch das Deck eines Segelschiffs zieren könnte, dazu passende Stühle und Liegen aus ebenso hochwertigem Holz, ein elegant designter Heizpilz für kühlere Nächte und teure Steinplatten auf den Wegen. Ein Ensemble, das zwar perfekt wirkt, aber ökologische und soziale Schattenseiten hat. Ökologisch heikel kann die Herkunft verschiedener Hölzer sein, der Energieverschleiss von Heiz­pilzen sowieso, und falls die Steinplatten aus Fernost kommen, sind sie unter Umständen auch wenig sozialverträglich.

Problematische Holzsorten sind vor allem die edlen wie Teak oder Mahagoni. Diese stammen in vielen Fällen aus illegalen Abholzungen oder nicht nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. «Nur ein geringer Teil der Edelhölzer ist nach FSC zertifiziert», sagt Felix Meier, Leiter des Bereichs Konsum beim WWF Schweiz. FSC steht für Forest Stewardship Council. Mit dem gleichnamigen Label werden weltweit Hölzer ausgezeichnet, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Nach Erfahrungen des WWF ist auch das oft angebotene gebrauchte Teakholz keine Alternative: Dieses stammt angeblich von ausrangierten Schiffen oder Abbruchhäusern in Asien, in der Realität wird aber oft neu geschlagenes Holz auf alt getrimmt. «In Indonesien gibt es spezialisierte Werkstätten, die sich auf die künstliche Alterung spezialisiert haben», sagt Felix Meier.

Neben dem FSC-Label ist auch die Herkunftsangabe auf Holzprodukten eine Orientierungshilfe für Konsumenten. Seit dem 1. Januar ist sie für zahlreiche Produkte aus Massivholz obligatorisch (siehe unten: «Weitere Infos»). Bei Hölzern aus mitteleuropäischen Ländern kann man in der Regel ohne schlechtes Gewissen ­zugreifen. Hingegen ist Vorsicht angebracht, wenn mehrere Länder aufgelistet sind oder weit­gefasste geographische Bezeichnungen wie «Osteuropa» auftauchen: «Je genauer die Bezeichnung, desto mehr kann man als Konsument damit anfangen», sagt Achim Schafer vom Büro für Konsumentenfragen im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement. Er setzt sich deshalb dafür ein, dass Hölzer möglichst genau deklariert werden.

Das ist ein Vorteil für die Konsumenten. Denn die stecken beim Holzkauf mitten im Dschungel des weltweiten Handels. Fichten- oder Birkenholz beispielsweise, das mit «Ost­europa» angeschrieben ist, kann auch aus dortigen Urwäldern stammen und illegal geschlagen worden sein. Ein Beispiel: Buchenholz eines Gartenstuhls, der mit «made in France» an­geschrieben ist, kann durchaus aus China kommen. «Manchmal wissen nicht einmal die Hersteller, woher ihr Holz stammt», sagt Felix Meier vom WWF. Wer bei Holzmöbeln oder Brettern für die Terrasse auf Nummer sicher gehen will, kauft deshalb FSC-zertifiziertes Holz oder solches mitteleuropäischer Herkunft. Denn mit FSC-zertifizierter Robinie und Lärche beispielsweise sind auch bei uns Hölzer zu finden, die genügend robust für den Garten sind und erst noch gut aussehen.

Imprägniertes Holz ist oft unnötig

Ein Augenmerk gilt beim Holz nicht nur der Herkunft, sondern auch der Behandlung – etwa durch die beliebten Druckimpräg­nierverfahren. Pfosten, Trennwände oder Zäune werden so oftmals mit einem Witterungsschutz versehen. Gut erkennbar ist dies an der bräunlich gelben oder grünen Einfärbung des Holzes. Vor allem die Druckimprägnierung auf Chrombasis kann mit der Zeit Gift ins Erdreich des Gartens aus­waschen.

Besser sind Hölzer mit einer Imprägnierung auf Kupferbasis, aber auch die ist nicht immer nötig: «Oft benötigt man gar kein behandeltes Holz», sagt Felix Meier. So nimmt man für Pfos­ten, die lange in der Erde stecken, am bes­ten unbehandeltes Eichenholz, und für kurzfris­tige Einsätze tut es auch normales Fichtenholz. Ein Beispiel: Pfosten, die man beim Pflanzen eines Baums benötigt, müssen in der Regel nur zwei Jahre halten. Für diese Zeitspanne tut es auch unbehandeltes Tannenholz. Danach kann man es häckseln und kompostieren, während behandelte Holzpfosten wegen der giftigen Chemikalien im Abfall landen.

Gedanken machen sollte man sich als Gartenbesitzer auch vor dem Kauf von Natursteinplatten: Viele der heute erhältlichen Platten stammen nicht aus Steinbrüchen in Europa, sondern aus Fernost. Typische Herkunftsländer sind China, Vietnam und Indien. Doch selbst bei Steinen aus Europa kann man nicht hundertprozentig sicher sein: So werden zum Beispiel Steine aus Italien per Schiff nach China gebracht, dort zugeschnitten und bearbeitet und dann mit der Herkunftsbezeichnung «Italien» verkauft.

Hände weg von Kinderarbeit

Steine aus Fernost sind gefragt, weil sie nur ­etwa halb so viel kosten wie europäische. Doch die Abbaubedingungen sind problematisch: Vor allem in Nordindien werden in Sandsteinbrüchen oft Kinder beschäftigt. «Schlimm ist nicht nur die Kinderarbeit, es sind die Arbeitsbedingungen generell», so Walter Schmidt, Geschäftsführer von Xertifix im deutschen Freiburg. Die Organisation gehört zu den Pionieren beim ­Zertifizieren von Natursteinen aus sozialverträglicher Herstellung.

Um der Kinderarbeit einen Riegel zu schieben, kaufen verschiedene Gemeinden in der Schweiz deshalb heute nur noch Natursteine, die nachweislich aus Europa stammen oder über ein Zertifikat verfügen, das Kinderarbeit ausschliesst. Ähnlich sollte man auch als Privatperson handeln.

Auf ökologisch heikles Terrain begibt man sich, wenn man den eigenen Garten für kältere Abende ausstatten will. Die preiswerten Heizpilze mit Gasfeuerung sind zwar in Privat­gärten nicht verboten, aber sie sind wahre Energie­schleudern. Das Gleiche gilt für die früher oft instal­lierten elektrischen Infrarotstrahler. Laut dem Umweltschutzamt der Stadt St. Gal­len ­verbraucht ein Heizpilz pro Stunde gleich viel Energie wie ein mittelgrosses Einfamilienhaus in derselben Zeit – mit wenig ­Effekt: Der grösste Teil der Wärme wird wortwörtlich vom Winde verweht, und was davon übrig bleibt, ist nur auf Gesicht und Händen spürbar, da die ab­gestrahlte Hitze nicht durch Kleiderschichten dringt.

Anstatt den Garten technologisch hochzu­rüsten, ist es deshalb gescheiter, einige Fleece- oder Wolldecken bereitzuhalten, Kissen auf die Stühle zu legen und sich etwas dicker an­zuziehen. Und wer eine Feuerschale oder ein Gartencheminée besitzt, kann dieses, wenn es zu kühl wird, einfeuern. Diese Wärme verpufft zwar auch zum grössten Teil, aber zumindest wird sie CO2-neutral erzeugt. Und stimmungsvoller ist es ­allemal, wenn im Garten ein ­offenes Feuer lodert.

Der Gärtner hat sich verabschiedet, der Rasen ist frisch angepflanzt, die Steinplatten des Gehwegs sind neu verlegt – jetzt findet der Hauseigen­tümer, dass da oder dort ein Lichtspot das Ambiente perfektionieren könnte. «Zu spät», sagt Richard Trüssel, Lichtplaner und Geschäftsführer der Aussenlampen GmbH in Zug. Eine Gartenbeleuchtung müsse geplant werden, bevor der Gärtner mit der Arbeit beginnt. Nur so kann man vermeiden, dass der Rasen für die Kabelrohre wieder aufgerissen ­werden muss oder – noch ­kost­spieliger – die Steinplatten weggeräumt werden müssen.

Als Erstes sollte man sich klarmachen, wozu das Licht im Garten dienen soll: der Sicherheit, der Wegführung oder dem Ambiente? Zur Abschreckung von Einbrechern wird es ein per Bewegungsmelder ­gesteuerter, starker Strahler an der Fassade bereits tun. Als Wegbeleuchtung bieten sich Wand-, Stand- oder Pollerleuchten in diversen Höhen und Ausführungen an. «Früher hat man dazu einfach eine Laterne mit 200-Watt-­Birne aufgestellt», sagt Lichtplaner Trüssel. Mit den heutigen Möglichkeiten sei eine viel dezentere und schönere Beleuchtung möglich.

Aber ­aufgepasst: Weniger ist mehr. Der Garten soll ja nicht wie ein Fussballstadion aus­geleuchtet werden. Deshalb gilt es, das Licht im Garten möglichst ­dezent einzusetzen: etwa mit Hilfe von abgewinkelten Spots oder mit indirekter Beleuchtung. Das danken einem die Nachbarn, aber auch Tiere, ­allen voran nachtaktive Vögel und Insekten. Wer aus ökologischer Rücksicht auf die ­güns­tigen Solarleuchten setzt, tut der Umwelt aber auch nicht ­unbedingt einen Gefallen. «Viele werfen die Produkte bereits nach einem Monat wieder weg», ist Trüssels Erfahrung. Denn Solarlampen sind zu schwach und taugen kaum zur Beleuchtung des Gartens. Und mit ihren Akkus sind sie erst noch Sonder­abfall.

Besser ­geeignet für den Garten sind Halogen- oder LED-Lampen. Letztere sind zwar rund dreimal teurer als Halogenlampen, ­dafür verbrauchen sie weniger Strom und leben rund zehnmal länger. Bevor man Geld investiert, ist es ratsam, einen Test zu machen: Viele Leuchtenhersteller und Gartengestalter verleihen Kabelrollen, Spots und Lampen, damit man den Lichteffekt ausprobieren und den ­richtigen Platz für die Lampe finden kann. Üsé Meyer

Veröffentlicht am 28. Februar 2012