1. Home
  2. Wohnen
  3. Bauen & Renovieren
  4. Innovatives Bauen: Kraftwerk hinter Glas

Innovatives BauenKraftwerk hinter Glas

Das Solaris-Haus in Zürich produziert mehr Strom, als seine Bewohner benötigen. Und es zeigt exemplarisch, wie sich an schwierigen Lagen hochwertiger Wohnraum erstellen lässt.

Das Solaris-Haus steht direkt an den Gleisen. Trotzdem bietet es eine hohe Wohnqualität.
von aktualisiert am 26. März 2018

Eigentlich wäre das Grundstück an der Seestrasse gleich gegenüber dem Kulturzentrum Rote Fabrik in Zürich-Wollishofen trotz Nähe zum Wasser ein Unort. Eingeklemmt zwischen der Strasse und den SBB-Gleisen, ist das Areal von allgegenwärtigem Lärm geprägt. Trotzdem konnten die Wohnungen, die hier letzten Sommer neu gebaut wurden, problemlos vermietet werden. Denn obwohl die Lage exponiert ist, bietet das Haus eine hohe Wohnqualität.

Zugleich zeigt es exemplarisch, wie Architekten mit einer durchdachten Planung ein Gebäude schaffen können, das nicht nur optisch gefällt, sondern auch auf Herausforderungen unserer Zeit reagiert: Die rötlich braune Glasverkleidung ist ein Hingucker, die bauliche Dichte hoch, der Wohnflächenverbrauch tief, die Wohnungen sind mehrseitig orientiert und verfügen alle über einen vom Lärm abgeschirmten Bereich sowie Seeblick. Und nicht zuletzt produziert das Haus mittels Fotovoltaik doppelt so viel Strom, wie seine Bewohner verbrauchen. Deshalb trägt es auch den Namen «Solaris».

«Wir wollten etwas machen, was einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet.»
 

Adrian Berger, Projektleiter

Von aussen erinnert seine Gebäudeform an eine liegende Sanduhr. An der schmalsten Stelle befindet sich das Treppenhaus. Daran docken beidseitig die Wohnungen an. Die seitliche Taillierung hat zwei Vorteile: Sie schafft für jede Wohneinheit einen von Lärm geschützten Bereich und ermöglicht selbst aus den zur Bahn gelegenen Wohnungen den Blick auf den See.

Bauherr und Planer in einem

Hinter Solaris stehen Lukas Huggenberger, Adrian Berger und Erika Fries vom Architekturbüro Huggenbergerfries aus Zürich. Mit einer Tochterfirma kauften sie 2011 das Grundstück. Dadurch befanden sie sich in der komfortablen Lage, nach eigenem Gusto bauen zu können. «Deshalb wollten wir auch etwas machen, was einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet», sagt Projektleiter Adrian Berger. Und trotzdem stand eine Fotovoltaikanlage zuerst gar nicht zur Diskussion. 

Dass sie heute das Herzstück des Gebäudes ist, kam so: Die Architekten waren fasziniert vom Glitzern des Lichts auf dem See. Deshalb wollten sie geripptes Glas als Gebäudehülle verwenden, das mit den Spiegelungen interagiert. Die Architekten experimentierten mit Gläsern, und erst dabei tauchte die Idee auf, eine Fotovoltaikanlage zu integrieren. Zusammen mit der Hochschule Luzern und Herstellern solcher Anlagen entwickelten sie schliesslich spezielle Module. Deren geripptes Glas ist auf der Rückseite mit feinen Farbpunkten bedruckt, die genügend Licht für die dahinter montierten Fotovoltaikelemente durchlassen und diese gleichzeitig kaschieren.

Fassade mit Fotovoltaikelementen

Solarfassade
Solar Haus Innenansicht
Solarfassade
Solarfassade
Solar Haus Innenansicht
Solarfassade
Solarfassade
1/3
Die Fassade des Solaris-Hauses besteht aus Glasmodulen mit darunterliegenden Fotovoltaikelementen. Sie sind speziell für diesen Bau entwickelt worden. «Die Räume», sagt Bewohnerin Sabine Gisin, «sind extrem schön belichtet und sehr wohnlich.»

Der dafür nötige lange Entwicklungsprozess war nur in der Doppelrolle als Planer und Bauherr möglich. Diese Situation erlaubte es den Architekten auch, die Mietzinse unter dem ortsüblichen Niveau anzusetzen und den Bewohnermix selber zu steuern. Gemäss den Wünschen der Architekten deckt das Spektrum der Mieterschaft alle Altersschichten ab. Mit dazu gehört Sabine Gisin. Sie wohnt seit Sommer 2017 mit ihrem Partner in einer Dreieinhalbzimmerwohnung: «Die Idee eines Gebäudes, das auch noch ein Kraftwerk ist, hat uns sofort angesprochen», sagt die pensionierte Psychologin. Dem Paar gefällt aber nicht nur die Idee hinter Solaris, sondern auch die Architektur: «Die Räume sind extrem schön belichtet und sehr wohnlich», schwärmt Gisin.

«Die besten Artikel – Woche für Woche»

Tina Berg, Online-Redaktorin

Die besten Artikel – Woche für Woche

Der Beobachter Newsletter