Wenn Bruce Willis in «The Fifth Element» zeigt, wie ein Leben in einer vollautomatisierten Wohnmaschine aussieht, dann handelt es sich um eine Vision aus ferner Zukunft: Der Kinofilm spielt im Jahr 2259. Dass wir uns dieser Vision bereits heute mit Höchstgeschwindigkeit nähern, zeigen verschiedene futuristische Wohnexperimente. In Hünenberg ZG beispielsweise steht seit gut einem Jahr ein Haus, das alles auf den Kopf stellt, was in Sachen Wohnkomfort bisher als Standard galt: Das «Futurelife»-Haus hat ein Eigenleben und kommuniziert mit seinen Bewohnern.

Willkommen im Haus der Zukunft! Auf den ersten Blick verraten nur ein paar Details das «Futurelife»: Ein grosser Monitor in der Küche etwa. Von ihm aus können die Hausbewohner den Inhalt des Kühlschranks überprüfen, im Internet surfen oder fernsehen. Oder auf Knopfdruck alle Lampen im Haus gleichzeitig ausschalten. In diesem Haus sind alle Geräte, Apparate, Motoren und Maschinen miteinander und mit dem Internet vernetzt. «Das macht den Alltag in unserem Haus sehr bequem», sagt Daniel Steiner, der das Haus in Hünenberg mit seiner Frau und den beiden Kindern bewohnt und auf seine Tauglichkeit hin testet. Wenn Familie Steiner etwas am Haus zu kritisieren hat, hören die Zukunftsplaner genau hin. Aus ihren Erfahrungen wollen die rund 60 beteiligten Firmen lernen, welche Geräte und Funktionen sich bewähren.

Der so genannte intelligente Kühlschrank etwa ist im Test der Steiners durchgefallen. Dabei besticht die Idee hinter dem Gerät: Jedes Produkt, das die Familie hineinstellt oder herausnimmt, wird mit einem Scanner registriert. So wüsste der Kühlschrank beispielsweise, wann der Vorrat an Lieblingsjoghurts zur Neige geht, und könnte selbstständig Nachschub ordern. Dank den gespeicherten Rezepten könnte er sogar einen Menüplan vorschlagen, der auf die Anzahl Gäste und Bewohner sowie auf das Verfalldatum der eingelagerten Produkte Rücksicht nimmt. Die Praxis zeigt jedoch: Kinder etwa haben wenig Verständnis dafür, dass sie ihren Pudding erst essen dürfen, nachdem sie ihn mit einem Scanner erfasst haben. Also kennt der Kühlschrank nie seinen genauen Inhalt und trifft Fehlentscheide er bestellt zu wenig Joghurts oder empfiehlt ein Rezept mit fehlenden Zutaten.

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Mit dem intelligenten Kühlschrank sind die Zukunftsplaner in Hünenberg einen Schritt zu weit gegangen. «Wenn sich heute jemand ein Haus baut, interessiert er sich nicht für denkende und eigenmächtig handelnde Küchengeräte», sagt Markus Ehrat aus Dietikon ZH, «so weit sind wir heute eben noch nicht.» Grundsätzlich ist für den Immobilienhändler die zukunftsweisende Haustechnik aber ein wichtiges Thema. Für seine Kunden sei es durchaus wünschenswert, mit einem einzigen Knopfdruck alle Fenster schliessen zu können, die Jalousien herunterzulassen und die Lichter zu löschen.

Andere künftige Hausbesitzer und vor allem Käufer von Ferienhäusern interessieren sich nach Ehrats Beobachtungen für die Vernetzung ihres Haushalts mit dem Internet. Nicht nur, um im Web zu surfen, sondern auch, um aus der Ferne «nachsehen» zu können, ob das Dachfenster geschlossen, die Heizung an und die Alarmanlage scharf gestellt ist. Neben dem Interesse an den neuen technischen Möglichkeiten macht Markus Ehrat auch eine grosse Skepsis aus. Trotzdem setzt der Immobilienhändler heute schon auf die Technik von morgen: Im aargauischen Windisch verkauft er Loftwohnungen, die mit so genannter Bus-Technik einem hausinternen Netzwerk ausgestattet sind.

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Die Bus-Technik in den Windischer Lofts funktioniert ähnlich wie Netzwerke in Bürohäusern. Statt zu einzelnen Computerarbeitsplätzen führen die Netzwerkkabel aber zu Storenkästen, Lampen oder zum Fernseher. Kernstück der Anlage ist eine Wetterstation auf dem Dach. Sie meldet laufend Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Wind, Regen und Sonnenschein an die Schaltzentralen der einzelnen Wohnungen. Sonnenstoren, Lampen oder elektrisch betriebene Fenster, die mit dem Netzwerk verbunden sind, werden je nach Wetter automatisch geöffnet, geschlossen oder ein- und ausgeschaltet. Die Stereoanlage und der Fernseher können ebenfalls ans Netzwerk angeschlossen und somit über den Wohnungscomputer gesteuert werden. Und wer es ganz futuristisch mag, verbindet sein Netzwerk mit dem Internet und kann so von irgendeinem Computer auf der Welt die angeschlossenen Geräte bedienen.

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Je nach Variante beginnen die Kosten bei 1000 Franken für die elektronische Steuerung von Beleuchtung und Jalousien in einem Zimmer. Wer Alarmanlage, Licht und Heizung in der ganzen Wohnung steuern möchte, sollte mit mindestens 25000 Franken rechnen. Ein zusätzliches Highlight ist das Web-Pad, eine Art Fernbedienung in der Grösse eines A4-Blatts. Damit lassen sich über eine Funkverbindung sämtliche am Netzwerk angeschlossenen Geräte ansteuern. Preis: zwischen 2300 und 5000 Franken.

Für Skeptiker oder Käufer, die jetzt noch nicht viel Geld in die neue Haustechnik investieren wollen, hält Immobilienhändler Ehrat eine Art Einsteigerpaket bereit, auch «passive Ausrüstung» genannt. Dabei werden während des Rohbaus schon alle in Zukunft nötigen Rohrleitungen verlegt und mit der Hauszentrale verbunden. Die Kabel können dann später eingezogen werden. Die Kosten für diese baulichen Vorkehrungen betragen zwischen 2000 und 4000 Franken. «Eine vorausschauende Planung, über die heute jeder beim Kauf oder Bau eines Hauses nachdenken sollte», sagt der Dietiker Spezialist Jürg Keller, zuständig für den Einbau des Bus-Systems in den Windischer Lofts. Während der nächsten 15 Jahre sei so eine Nachrüstung mit einem hausinternen Netzwerk problemlos möglich.

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Gedanken über Leerrohre, Verkabelungen und die Kosten dafür muss sich Familie Steiner im «Futurelife»-Haus nicht machen. Noch steht ihnen das Hightech-Objekt gratis zu Testzwecken zur Verfügung. Verlassen Steiners in zwei Jahren Hünenberg, werden sie wohl die eine oder andere Bequemlichkeit nicht mehr missen wollen. «Wir wissen noch nicht, wo wir danach wohnen werden. Doch falls wir ein Haus bauen, werden wir es mit einer flexiblen Gebäudehülle ausstatten, so dass wir uns jederzeit vernetzen können», sagt Daniel Steiner. Ein weiterer Schritt hin zur Welt von «The Fifth Element».

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