Die Küchenabdeckung: jadefarbener Marmor. Der Badezimmerboden: tiefschwarzer Granit. Das Wohnzimmerparkett: dunkelbraune Traubeneiche. Schön - und weit gereist. Der Marmor stammt aus China, der Granit aus Simbabwe, das Holz aus dem Kaukasus - sozusagen ein Langstreckenhaus, was den Innenausbau betrifft. Entsprechend viel graue Energie steckt in diesen Materialien.

Fachleute verstehen unter diesem Begriff den gesamten Energiebedarf, den es braucht, um die Rohstoffe für ein bestimmtes Material abzubauen, das Produkt herzustellen, es zu lagern, auf die Baustelle zu bringen und schliesslich dort einzubauen. Logisch, dass Granitplatten aus Simbabwe also mehr graue Energie enthalten als solche aus einem Steinbruch im Tessin.

Trotzdem liegt das Hauptaugenmerk selbst bei ökologischen Häusern immer noch auf der Betriebsenergie des Gebäudes - also bei der Wärmedämmung und der Heizung. «Architekten haben in der Regel noch wenig oder gar keine Erfahrung mit der grauen Energie als Planungsinstrument», sagt der Umweltchemiker Ueli ­Kasser. Er geht davon aus, dass die graue Energie, die in einem Minergiegebäude steckt, jener Energie entspricht, die es zur Beheizung desselben Hauses während 40 Jahren braucht. Dieser Anteil liesse sich um bis zu einem Drittel reduzieren, etwa indem auf unnötige Winkel in der Fassade verzichtet wird. So wird ein Minimum an Material und damit auch grauer Energie verbraucht.

Die gewählten Materialien sollten möglichst aus nachwachsenden oder ressourcenschonenden Rohstoffen bestehen, wie etwa Holz, Ziegel, Beton oder Produkte aus Recyclingmaterial. Bezüglich Wärmedämmung sollte allerdings nicht an grauer Energie gespart werden: In modernen, dreifach verglasten Fenstern beispielsweise steckt zwar mehr graue Energie als in zweifach verglasten, diese ist aber durch den geringeren Wärmeverlust schnell wieder amortisiert. Ausserdem sollten die Materialien möglichst wenig bearbeitet sein. Ein genagelter Parkettboden kann einfach wiederverwertet oder entsorgt werden, ein verklebter hingegen landet irgendwann auf dem Sondermüll. Einsparungen bezüglich grauer Energie haben übrigens einen praktischen Nebeneffekt: Wer bei Fassade und Dach die graue Energie optimiert, wird laut Kasser automatisch auch Kosten sparen. Geld, das wieder zur Verfügung steht, wenn es darum geht, beim Innenausbau auf lokale - und damit möglicherweise teurere - Materialien zu setzen.

Quelle: Archiv