Montag, 17. Juli, 16.45 Uhr. Auch in Bern ein heisser Sommernachmittag – nicht die Spur eines Lüftchens. Markus Fankhauser, 29, angestellt bei der Geschäftsstelle der Pro Infirmis, hört plötzlich ein Knacken und Reissen. Der Blick aus dem Fenster offenbart ihm ein gespenstisches Bild: «Fast bedächtig» neigt sich die 30-jährige Föhre, die eben noch vor seinem Büro stand, in Richtung Steueramt auf die gegenüberliegende Strassenseite. Die Stammspitze schrammt über geschlossene Jalousien der Fassade entlang und bleibt schliesslich an einem Vordach hängen.

Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, drei Häuser östlich vom gestürzten Baum, sind innert Minutenfrist zur Stelle – kurz nach der alarmierten Feuerwehr. «Die Kollegen staunten nicht schlecht», sagt der Baumexperte Thomas Meier. Seine Diagnose: «Die Föhre war innerlich von einem holzzersetzenden Pilz befallen. Ausserdem war die Bruchfestigkeit wegen Austrocknung geschwächt.»

«Derartige Vorfälle auf privatem Grund ereignen sich ein- bis zweimal im Jahr», sagt Meier. Äusserlich war dem Baum nichts anzusehen. Die Haftung der Pro Infirmis entfällt, und ein Lebewesen kam nicht zu Schaden. Ob allerdings die Gebäudeversicherung zahlt, ist noch offen: Trockenheit gilt nicht zwingend als Elementarschaden.

Fest steht hingegen: Für den toten Baum muss die Vereinigung posthum ein Beseitigungsgesuch einreichen. Das Formular bietet die verwaltungsmässige Garantie für die Einhaltung des Baumschutzreglements mit dem Ziel, den städtischen Totalbestand der Bäume konstant zu halten.

Bis die Fassade der Pro Infirmis aber wieder im Schatten steht, dürften rund 20 Jahre vergehen.