Stundenlang ringen Bauherr und Architekt um die erste Ideenskizze fürs neue Eigenheim: Vom Gartensitzplatz über die Granitabdeckung in der Küche bis zur Form der Dachlukarne feilen sie am Bauprogramm. Bei solchen Planspielen kommt aber oftmals das zu kurz, was wirklich zählt: die Kosten.

Laien sind oft überfordert, wenn sie das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Bauprojekts einschätzen oder gar beeinflussen sollten. Die Schlüsselfrage lautet: Wie viel Wohnfläche oder Lebensraum bekomme ich für mein Geld? Klare Antworten gibts kaum. Erstens lassen sich bei Projekten die Kosten im Voraus oft nur vage abschätzen. Zweitens stossen Bauherren und Kaufinteressenten auf unterschiedlichste Kosten- und Flächenangaben – im Dschungel von Nettowohn-, Bruttogeschoss- oder Nutzflächen ist kein Durchblick.

Die Anbieter versuchen, möglichst tiefe Kosten und grosse Flächen auszuweisen, und verwenden jene Kennzahlen, die ihren Interessen entgegenkommen. Die Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) definieren zwar klar, wie etwa die Wohn- beziehungsweise Hauptnutzflächen oder der Rauminhalt von Gebäuden zu ermitteln sind.

«Es gibt aber keine Norm, welche Preis- und Flächenangaben in Prospekten und Baubeschrieben zu verwenden sind», sagt Klaus Fischli vom SIA. Für ihn wäre es notwendig, dass alle beteiligten Planer und Unternehmer mit den gleichen Bezugsgrössen arbeiten.

Vergleichen erspart Enttäuschungen


Mehr Transparenz wünscht auch die ETH Zürich, die Vergleichswerte, so genannte Benchmarks, für den Wohnungsbau ermittelt hat (siehe «Wohnungsbau: Hilfe bei der Kostenschätzung»). Laut den ETH-Studien sollte zum Beispiel im Einfamilienhausbau unter normalen Umständen ein Preis von 3200 Franken pro Quadratmeter Wohnfläche resultieren; bei Mehrfamilienhäusern liegt der Richtwert bei 2900 Franken. Entscheidend ist, dass die Ziffern korrekt ermittelt werden: Die reinen Gebäudekosten ohne Landkauf und Parkierung teilt man durch die Wohnfläche (definiert als «Hauptnutzfläche HNF gemäss SIA-Norm 416»).

Wer Bauprojekte oder Kaufangebote prüft, sollte zwingend den Nachweis dieser Kennzahl verlangen. Liegt der Quadratmeterpreis über der Benchmark – etwa bei 4000 Franken oder mehr –, müsste der Architekt dies begründen. Will er Marmor verbauen oder goldene Wasserhähne installieren? Oft steht den Mehrkosten kein angemessener Wohnnutzen gegenüber.

Paul Curschellas von der ETH rät auch Laien, mit solchen Zahlen zu operieren: «Zusätzliches Wissen des Bauherrn stärkt seine Position im Planungs- und Bauprozess.» Richtwerte würden es bereits in einer frühen Phase ermöglichen, «ein Bauvorhaben in Sachen Kosten zu steuern». Gut fährt ein Bauherr, wenn er einen Quadratmeterpreis als Kostenlimite vorgibt. In den ersten Gesprächen mit dem Architekten hat der «Häuslebauer» den grössten Einfluss auf Kosten und Qualität.

Quelle: Agentur Gettyimages

Buchtipp

Reto Westermann, Üsé Meyer: «Der Weg zum Eigenheim. Kauf, Bau, Finanzierung und Unterhalt», 4., vollständig neue Auflage, soeben erschienen, 256 Seiten, 36 Franken, erhältlich beim Beobachter-Buchverlag, Telefon 043 444 53 07, Fax 043 444 53 09

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