Der Bundesrat setzt den Bauern das Messer an den Hals: Auf Druck der Welthandelsorganisation gab Bundesrat Joseph Deiss Mitte September bekannt, dass er Subventionen für Butter halbieren und jene für Käseexporte ganz streichen will. 2008 bis 2011 sollen die Bauern statt 14 Milliarden Franken wie im laufenden Vierjahresplan 500 Millionen weniger erhalten. Subventionen für Produkte und Zölle auf Importware sollen abgebaut, dafür in Direktzahlungen umgewandelt werden.

Wie kam es überhaupt zu einer solchen Einflussnahme des Staates? Agrarpolitik war in der Schweiz stets auch Ernährungs- und Wehrpolitik: Der Staat mischte sich bereits nach dem Ersten Weltkrieg mit Preis- und Absatzgarantien für die Bauern ein. Begründung: Die Landwirte sollten dafür die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Im Zuge der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg wurden die Bauern zu Helden und Garanten der Unabhängigkeit des Landes. Dabei erhöhte sich der Grad der Selbstversorgung nur von 50 Prozent in der Vorkriegszeit auf 59 Prozent im Jahr 1944, wie Historiker nachgewiesen haben. Konkret: Die Schweiz blieb in grossem Umfang auf den Import von Dünger, Futtermitteln und Saatgut angewiesen.

Erst in den achtziger Jahren kamen Reformen in Gang – nicht zuletzt auf Druck des Auslands. Noch mit der BSE-Seuche in den Köpfen nahmen 1996 rund 78 Prozent der Stimmenden den neuen Verfassungsartikel an: Die Bauern sollten weiterhin die Versorgung sichern, die Landschaft pflegen und für die dezentrale Besiedlung des Landes sorgen – und das alles möglichst ökologisch.

Die Bauern wurden so endgültig zu Dienstleistern, die das öffentliche Gut Umwelt produzieren und im Gegenzug Direktzahlungen erhalten.

Anzeige