Manchen Hauseigentümer tröstet es alljährlich, dass er die Schuldzinsen in der Steuererklärung unter «Abzüge» aufführen kann. Wer Jahr für Jahr zum Beispiel 15000 oder 20000 Franken Hypothekarzinsen aufbringt, kann sein steuerbares Einkommen um diesen Betrag senken oder zumindest den steuerbaren Eigenmietwert seiner Liegenschaft zu einem guten Teil ausgleichen.

Ein Eigenheim ist eine feine Sache, vor allem in Zeiten tiefer Hypothekarzinssätze. Es wäre allerdings ein Trugschluss zu glauben, eine möglichst hohe Verschuldung beim Hauskauf helfe, indirekt Geld zu sparen. «Die meisten Hauskäufer glauben, dass ihnen die Hypothek steuerliche Vorteile bringt. Doch in sehr vielen Fällen ist dies ein Märchen», sagt Finanzierungsspezialist Werner Egli. Wer zum Beispiel seiner Bank drei Prozent Zins für den Hypothekarkredit zahlt, seine frei verfügbaren Mittel hingegen zu einem halben Prozent auf einem Sparheft deponiert, macht ein denkbar schlechtes Geschäft. So kosten die Schulden nämlich deutlich mehr, als das Sparguthaben an bescheidenen Zinsen trägt. Für Egli ist klar: «Ein gutes Geschäft für die Bank, aber nicht für den Kunden.» Wer also sein Eigenkapital nicht zinsmindernd ins Häuschen steckt, muss es andernorts schwer arbeiten lassen.

Individuelle Beurteilung unerlässlich


Dem pflichtet der Steuerexperte Beat Feurer bei: «Der Steuervorteil macht in jedem Fall weniger aus, als die Hypothek an Zinsen kostet.» Schuldenmachen lohnt sich nur wirklich, wenn jemand sein Vermögen langfristig und vor allem ertragbringend anlegt, zum Beispiel in Aktien.

Laut Feurer gibt es keine allgemein gültige Regel, welches das «richtige» Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital bei einem Hauskauf ist. Entscheidend ist eine individuelle Beurteilung, die man bei der Beratung zur Eigenheimfinanzierung einfordern sollte. Als Entscheidungsrichtlinien gelten folgende Kriterien:

  • Anlageverhalten und Risikobereitschaft: Wer genügend freie Mittel zur Verfügung hat und diese langfristig in Aktien anlegen will, kann die Strategie einer hohen Hypothekarverschuldung fahren. Vor allem in sehr guten Einkommensverhältnissen ist dies eine Überlegung wert, um die Steuerbelastung zu optimieren. Der Crash an der Börse vor drei Jahren hat allerdings auch gezeigt, wie riskant es ist, in Aktien zu spekulieren, insbesondere mit Fremdkapital.
  • Einkommensverhältnisse und Haushaltbudget: Haushalte in bescheidenen Verhältnissen sollten ihre Ersparnisse für Unvorhergesehenes zur Verfügung halten und keine riskanten Anlagen tätigen. Wenn die finanzielle Tragbarkeit des Eigenheims lediglich knapp gegeben ist, sollte man möglichst rasch Schulden tilgen.
  • Alter und Lebensphase: Hauskäufer ab 55 oder 60 fahren besser, wenn sie einen Eigenheimkauf mit möglichst viel Eigenkapital finanzieren. Weil die Altersrente meist deutlich tiefer als das Erwerbseinkommen liegt, könnte eine hohe Belehnung mit Bankkrediten innerhalb weniger Jahre zur Schuldenfalle werden.


Sofern in der Volksabstimmung vom 16. Mai die Abschaffung von Eigenmietbesteuerung und Schuldzinsabzug angenommen wird, spricht dies zusätzlich für ein schuldenfreies Eigenheim. Der Systemwechsel in der Eigentumsbesteuerung wird indes frühestens 2008 in Kraft treten.

Quelle: Archiv
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