Die Hypozinsrunde von Ende Juni kann als Frühwarnung verstanden werden: Steigen die Zinsen weiter, sollten insbesondere Immobilienbesitzer, die erst seit wenigen Jahren die eigenen vier Wände bewohnen, wachsam sein. Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren für die Aufnahme von Hypotheken rekordverdächtig tiefe Zinsen zu bezahlen - der Traum vom Eigenheim wurde dadurch für viele Wirklichkeit. Allerdings: Wer damals finanziell ans Limit ging, für den könnte es schon bald eng werden.

Die Gretchenfrage lautet demnach: Wie wird sich der Hypothekarzins in nächster Zeit entwickeln? Der Anstieg werde sich noch eine Weile hinziehen, prognostiziert Alexis Körber vom Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel Economics: «Die Konjunkturaussichten für die Schweiz schätzen wir über das Jahr 2008 hinaus positiv ein, was die Kapitalkosten hoch halten wird», erklärt er. Natürlich: Prognosen haben es so an sich, dass sie nicht immer voll ins Schwarze treffen. Trotzdem empfiehlt es sich, vorausschauend zu handeln. Wohneigentümer können mit ein paar einfachen Rezepten einen möglichen Schaden verhindern oder in Grenzen halten. Um ein späteres Abgleiten in die Schuldenspirale zu vermeiden, lohnt es sich, schon heute Optionen für die Finanzierung der Immobilie zu überdenken und eventuell neu zu regeln.

  • Überprüfung des Haushaltsbudgets: Oft verstecken sich auf der Ausgabenseite Budgetposten, die Sie ohne weiteres streichen können. Brauchen Sie tatsächlich ein (Zweit-)Auto? Warum verbringen Sie Ihre Ferien nicht auch einmal zu Hause? Wie viel Geld geben Sie für Ihre Hobbys aus? Spüren Sie diesen Fragen nach und setzen Sie dort das Messer an, wo es Sinn macht. So können Sie Reserven für eine allenfalls höhere Zinsbelastung schaffen.
  • Hypothek ablösen: Dank Internet (siehe «Weitere Infos») ist es heute leicht, verschiedene Zinssätze und Modelle für Hypotheken zu vergleichen. Finden Sie Anbieter, die tiefere Zinsen oder geeignete Hypothekarmodelle anbieten, so holen Sie Offerten ein. Beachten Sie zudem die Kündigungsfrist Ihrer bestehenden Hypothek. Passt alles zusammen, steht der Ablösung der bisherigen Hypothek nichts mehr im Weg.
  • Erbvorbezug, Schenkung, Darlehen: Liegt die Fälligkeit Ihrer Hypothek noch ein Stück in der Zukunft, ist eine Ablösung nur gegen eine happige Ausstiegsgebühr möglich. Trotzdem muss man nicht untätig bleiben. Suchen Sie das Gespräch mit Eltern und Verwandten. Die Erfahrung zeigt, dass diese häufig bereit sind, einen Erbvorbezug, eine Schenkung respektive ein zinsloses Darlehen zu leisten. Steigen die Leitzinsen tatsächlich weiter an, kann mit dem dadurch zur Verfügung stehenden Kapital die Hypothekarschuld auf den nächsten Kündigungstermin hin reduziert werden. Die Zinslast nimmt dadurch spürbar ab, die Steuerbelastung hingegen zu. Erbvorbezug und Schenkung sind steuerpflichtig, in den meisten Kantonen jedoch nicht für direkte Nachkommen.
  • Pooling: Einsparungen kann bei Hypotheken auch das sogenannte Pooling bringen: Wenn gleich eine Gruppe von Eigentümern mit derselben Bank Verträge abschliesst, gibt es bessere Konditionen. So bietet unter anderen der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) in Zusammenarbeit mit dem VZ Vermögenszentrum das Pooling von Hypotheken an. Dafür ist eine Mitgliedschaft beim HEV notwendig. Es sind also nicht immer Banken und Versicherungen, die die günstigste Lösung anbieten.
  • Vorbezug Pensionskasse: Ein Vorbezug zur Amortisation von Hypotheken senkt die Schuldenlast ebenfalls. In der Regel sinken mit einem Vorbezug jedoch die Pensionskassenleistungen. Besondere Vorsicht ist für Familien geboten: Geht nur ein Elternteil einer bezahlten Arbeit nach, ist mit der Pensionskasse genau zu klären, welche Leistungseinbussen mit einem Vorbezug verbunden sind. Sind diese zu einschneidend (tiefere Alters-, Invaliden- und Hinterlassenenleistungen), dann sollte ein Vorbezug keine Option sein. Vorbezüge sind zudem steuerpflichtig: Je nach Wohnort fallen unterschiedlich hohe Steuern an, die getrennt von der Einkommens- und Vermögenssteuer zu bezahlen sind.
  • Verkauf: Haben die genannten Rezepte nicht den gewünschten Effekt und stehen Sie erst bis zu den Hüften und nicht bereits bis zum Hals im Wasser, ist der Verkauf der Immobilie eine Lösung - wenn auch die unliebsamste. Bevor Sie jedoch zu dieser drastischen Massnahme greifen, gehen Sie am besten mit geeigneten Spezialisten über die Bücher - unabhängiger Rat ist nicht allzu teuer.

Übrigens gibt es laut Konjunkturexperte Alexis Körber auch eine gute Nachricht: «Zinsen, wie wir sie Anfang der neunziger Jahre hatten, sind auch mittelfristig nicht zu erwarten, denn die Teuerung wird in den nächsten drei bis fünf Jahren auf tiefem Niveau verharren.»

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