Bei den Schweizer Hypothekenbanken ist neuerdings das ganze Jahr über Ausverkauf - und der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. So nahm die Credit Suisse die gänzlich artfremde Fussball-EM zum Anlass, Hypo-Rabatte zu gewähren, andere Anbieter sind mit Start-, Familien-, Öko- oder Renovationsvergünstigungen präsent (siehe unten «Aktions-Hypotheken: Vergleichen Sie die Angebote»). Besonders auffallend ist die seit Mai laufende Kampagne der Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Hypotheken schon ab 2,9 Prozent», wirbt die grösste unter den Kantonalbanken, die mit dieser Marketing-Initiative im Wirtschaftsraum Zürich zwei Milliarden Franken an Hypotheken neu platzieren will.

Bei solchen Angeboten schauen viele Eigenheimbesitzer genauer hin, zumal sich die meisten Kredite in den letzten Monaten verteuert haben. Grundlage des ZKB-Angebots ist eine Libor-Hypothek, wobei die Bank während eines Jahres auf einen Teil ihrer Marge verzichtet. Dafür muss sich der Kunde verpflichten, der ZKB mindestens drei Jahre die Treue zu halten.

Experten zweifeln am Sparpotential

Zudem nennen die ZKB-Kundenberater meist Gegengeschäfte als Bedingung: Der Kunde muss in möglichst grossem Umfang Anlage- und Spargelder zur ZKB transferieren. Roger Wiesendanger, Leiter Produktmanagement Finanzierungen bei der ZKB, bestreitet aber, dass es sich um ein Lockvogelangebot handelt: «Das würde ja bedeuten, dass das Angebot gar nicht erhältlich wäre. Nach unseren Auswertungen kamen rund 18 Prozent der Kunden, die im Rahmen dieser Initiative eine Libor-Hypothek abgeschlossen haben, zu einer Hypothek mit 2,9 bis 3 Prozent Zins.» Der Zürcher Finanzierungsberater Andreas Thiemann hingegen sagt: «Ich kenne keinen Kunden, der die 2,9 Prozent bekommen hat.»

«Solche Aktionen sind in erster Linie dazu da, um die Neugier der Kunden zu wecken und mit ihnen in Kontakt zu kommen», kommentiert Werner Egli, Finanzierungsberater bei der Hypothekenbörse, die unabhängige Finanzierungsberatung anbietet. Nach seiner Auffassung bleibt die tatsächliche Einsparung bei vielen Aktionen begrenzt, weil sie auf ein oder zwei Jahre befristet sind. Viele Banken würden die Kunden dafür danach umso mehr zur Kasse bitten. «Sobald die Vergünstigung ausläuft, wird dem Kunden der übliche, mitunter deutlich teurere Richtsatz der Bank in Rechnung gestellt», so Egli.

Ähnlich sieht es Adrian Wenger vom VZ Vermögenszentrum. «Man muss die mutmasslichen Zinsen über einen längeren Zeitraum von vier oder fünf Jahren betrachten», empfiehlt er. Wer entsprechend nachrechne, werde feststellen, dass das vermeintlich günstige Angebote de facto gleich viel koste oder sogar mehr als andere Angebote auf dem Markt.

Rabatt-Dschungel erschwert Überblick

Vor allem sollen die Kunden Konkurrenzofferten einholen, denn nach Wengers Erfahrung bieten manche Banken den Aktionen der anderen direkt Paroli: «Wenn eine Bank während eines Jahres einen Rabatt gewährt, ist eine andere oft bereit, genau das Gleiche zu offerieren - auch wenn sie offiziell gar kein solches Angebot hat.»

Statt sich blenden zu lassen, sollten Bankkunden genau nachrechnen. Teils ist die Rechnung schnell gemacht: Wenn etwa die Credit Suisse bei ihrer «Startbonus-Hypothek» von einer Ermässigung für die Hälfte des Betrags während der Hälfte der Laufzeit spricht, macht die Vergünstigung unter dem Strich auch nur die Hälfte der Hälfte aus - in diesem Fall also nur ein achtel Prozent. Komplizierter wird es, wenn die Rabatte noch gestaffelt und an komplexe Modelle mit Zins-Ober- und -Untergrenzen gebunden sind. So führt der schöne Schein oft nur dazu, dass Transparenz und Vergleichbarkeit erschwert sind. Denn je unterschiedlicher die Angebote, Konditionen, Bedingungen, Laufzeiten und Zinsanpassungen, umso mehr haben Kundinnen und Kunden Mühe, das tatsächlich preisgünstigste Angebot aufzuspüren.

«Bankkunden sind gut beraten, mehrere verbindliche Offerten einzuholen und zu vergleichen», lautet das Fazit von Berater Andreas Thiemann. Er sei selbst immer wieder überrascht, in welch beträchtlicher Bandbreite die Bankofferten liegen würden. Und Werner Egli von der Hypothekenbörse doppelt nach: «Das Ziel muss sein, mit einer guten Strategie und geschickter Verhandlung einen dauerhaft tiefen Zins zu erwirken.» Nach seiner Erfahrung liegen oft Reduktionen von 0,3 bis 0,4 Prozent Zins drin - und zwar nicht nur während eines Jahres, sondern auf Dauer.


Aktions-Hypotheken

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Vergleichen Sie die Angebote

Die Banken buhlen derzeit mit verschiedenen Hypotheken-Aktionen um die Gunst der Kunden. Interessenten sollten in jedem Fall dem Aktionsangebot der einen Bank eine Konkurrenzofferte von mindestens einer anderen gegenüberstellen, die Sache auf die nächsten Jahre hinaus durchrechnen und erst dann entscheiden.

BankHypothek Vergünsti-
gung
Dauer der
Vergünstigung
Credit Suisse

«Startbonus-
Hypothek» für Ersterwerber

«Vorsorge-
Hypothek» bei Abschluss einer Versicherung

0,125 bis
0,25 Prozent «Startbonus»: währendhalber Laufzeit; «Vorsorge-Hypothek»: ganze Laufzeit des gewählten ProduktsZürcher
Kantonalbank
(ZKB)

«Hypothek ab 2,9 Prozent»

«Umwelt-
darlehen»

«Start-
Hypothek»

«Renovations-
bonus»

0,25 bis
1 Prozent1 bis 5 Jahre, je nachVergünstigungUBS

«family plus» für Familien

«fifty fifty» für Anlagekunden

0,5 bis
0,8 Prozent3 JahreRaiffeisenbanken

«Minergie-
Hypothek»

«Renovations-
hypothek»

bis 0,5 Prozent4 JahreMigros-Bank

«M-Start-
Hypothek»

0,125 Prozent3 JahreBank Coop

«Start-
Hypothek»

«Supercard-
Hypothek»

«Öko-
Hypothek»

«Minergie-
Hypothek»

0,25 bis
0,6 Prozent 1 bis 5 Jahre, je nach Vergünstigung
Quelle: Jupiterimages
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