Dass ein Makler bei seinem Handel mitverdienen wollte, bemerkte Roger Tang erst gar nicht. Der Solothurner hatte sein Haus im Internet ausgeschrieben, auf dem Portal der Basellandschaftlichen Kantonalbank. «Einfamilienhaus mit Charme» in Balsthal, Baujahr 1960, 494 Quadratmeter Grundstücksfläche. Preis: 560'000 Franken. Als Tang einige Tage später auf der Seite alle-immobilien.ch überprüfen wollte, ob diese Suchmaschine sein Angebot gefunden hatte, stiess er auf ein fast identisches Inserat: «Charmantes Haus zu verkaufen». Bald war klar: Es war sein Haus, das der Makler Yvan Bahy von der Firma Agora-Immo anpries, ohne ihn je gefragt zu haben – und 50'000 Franken teurer.

Roger Tang ärgert sich: «Wenn ein potentieller Käufer auf zwei verschiedene Inserate mit unterschiedlichen Preisen stösst, denkt er doch, dass da etwas faul sein muss.» Auch das Architekturbüro Zollinger in Schnottwil wurde Opfer des Inseratediebs. Es bietet ein Minergie-Haus in Bettlach SO zu 850'000 Franken an. Bei Makler Bahy werden für dasselbe Haus 880'000 Franken verlangt.

«Es ist durchaus üblich, dass Makler Privatverkäufer kontaktieren und ihre Dienste anbieten», erklärt Tayfun Celiker, Direktor des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT). «Dass ein Makler aber ungefragt als Verkäufer auftritt, ist absolut unüblich.» Ein Verstoss gegen die Standesregeln. Der Zürcher Rechtsanwalt Christian Schmid, der einen Fall ungefragter Inserateübernahme bis vor Bundesgericht brachte, ist überzeugt: «Die Chancen, dass ein Gericht dieses Vorgehen verbietet, stehen gut, da potentielle Käufer über den effektiven Kaufpreis getäuscht werden.»

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Hausverkäufer Tang drohte dem dreisten Makler Bahy denn auch in einem eingeschriebenen Brief mit einer Strafanzeige – das gestohlene Inserat verschwand umgehend vom Netz. Die Fragen des Beobachters liess die Firma Agora-Immo unbeantwortet.