Weshalb werden Bäume überhaupt geschnitten?
Im Siedlungsraum werden Bäume aus verschiedensten Gründen geschnitten: unerwünschte Wuchsrichtung (Korrekturschnitt), Baumgrösse und Schattenwurf (Begrenzungs-, Auslichtungsschnitt), Schwachstellen und Bruchgefahr (Entlastungsschnitt, Kronenpflege, Kronensicherung), aus ästhetischen Gründen oder für optimierten Fruchtertrag (Ertragsschnitt).

Wie gut vertragen Bäume einen Schnitt?
Dies hängt von Faktoren wie Vitalität, Alter und Baumart ab. Einige Arten reagieren mit starkem Wachstum (zum Beispiel Pappeln). Andere zeigen kaum noch Wachstum, was zum Absterben von Ästen und Kronenteilen führen kann (zum Beispiel Bergahorn).

Wie stark kann man einen Baum zurückschneiden, ohne dass er Schaden nimmt?
Beim Rückschnitt dürfen maximal 30 Prozent der Blattmasse – gleichmässig verteilt – entfernt werden. Hat der Baum nicht ausreichend Laub, um mit Hilfe von Wasser, Licht und Kohlendioxid Kohlenhydrate zu bilden, ist er unterversorgt. Äste oder ganze Kronenteile können dann absterben.

Wie dick dürfen die Äste sein?
Lebende Äste, die abgetrennt werden, dürfen höchstens zehn Zentimeter Durchmesser haben. Zu grosse Schnittwunden kann der Baum nicht abschotten: Fäulnis dringt ein, was zu einer Holzzersetzung führt. Ein Schnitt bis zu einem Durchmesser von fünf Zentimetern ist problemlos verkraftbar.

Wo schneidet man einen Ast richtig ab?
Bei Astabnahmen möglichst dicht am Astkragen schneiden. Vorsicht: Den Astkragen selber darf man nicht verletzen – er gehört zu den natürlichen Schutzzonen des Baums und ist Teil des Stammholzes. Ist der Astkragen nicht gut sichtbar, schneidet man in einem Winkel von etwa 45 Grad zum Hauptast beziehungsweise zum Stamm. Schnitte zu nah am Stamm oder parallel zum Stamm hingegen beschädigen den Baum, weil dabei das Stammholz verletzt wird.

In welcher Jahreszeit schneidet man Bäume am besten?
In der Regel wird im Winter geschnitten – dann ist es für den Menschen am einfachsten: Wenn das Laub fehlt, fallen Zugriff und Übersicht leichter, und es fällt weniger Schnittgut an. Insbesondere Obstbäume erhalten im Winter den Ertragsschnitt. Für die Bäume selber ist jedoch der Sommer der beste Schnittzeitpunkt, weil sie im vollen Saft die Schnittverletzungen sofort abschotten können. Im Frühling, wenn das Laub austreibt, und im Herbst, wenn sich die Blätter verfärben und abfallen, sollten Bäume nicht geschnitten werden.

Sind Wundverschlussmittel nach einem Schnitt sinnvoll?
Nein. Wundverschlussmittel fördern genau das, was sie eigentlich verhindern sollten: die Verbreitung von Fäulnis. Unter der Wundversiegelung entsteht ein feuchtes Klima – optimal für Pilze, deren Sporen sich sofort nach dem Schnitt auf der Schnittfläche festgesetzt haben.

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