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BalkonmöbelKreativität auf engstem Raum

Kein bisschen Raum wird verschenkt: Balkon-Oase à la Cornel Rüegg. Bild: Sebastian Magnani

Wie bringt man Gemüse, Bewässerungsanlage und einen Gärtner auf dem Balkon unter? Cornel Rüeggs Balkonmöblierung liefert durchdachte Antworten.

von Julia Hofer

Ambitionierte Balkongärtner kennen das Problem: Mit steigendem Erfolg und Selbstvertrauen reihen sich die Töpfe dichter, bis man sich fragt: Und wohin stelle ich jetzt meinen Liegestuhl?

So erging es auch Cornel Rüegg. Rasch war ihm klar: Die Pflanzen in der Vertikalen zu züchten würde Platz sparen. Doch die handelsüblichen Systeme überzeugten ihn nicht, «die eignen sich höchstens zur Fassadenbegrünung, aber nicht um Gemüse anzupflanzen».

Der Autor des Buchs «Veranda Junkies. Urban Gardening auf Balkon und Terrasse» entschliesst sich, selbst einen vertikalen Garten zu bauen. Und weil man im Garten nicht nur arbeiten, sondern auch geniessen soll, zudem ­eine Liege. Für Rüegg, der auch schon eine ganze Bürogemeinschaft mit selbst­geschweissten Tischen versorgt hat, eine willkommene Abwechslung. «Ich suche gern nach cleveren Lösungen und mag die handwerkliche Herausforderung – jedenfalls wenn ich sie in einer überschaubaren Zeit realisieren kann.»

Weinkisten statt Töpfe
Weinkisten können platzsparender angeordnet werden als Töpfe. Bild: Sebastian Magnani
Quelle: Sebastian Magnani

Im Brockenhaus holt er sich ein altes Klemmregal, auf das er ein paar hübsche alte Weinkisten aus Holz stellt. Mit diesen lässt sich der Platz besser ausnutzen als mit runden Töpfen. Zudem kann man die Kisten einfach aus dem Gestell nehmen, wenn Gartenarbeit ansteht. Damit das Holz nicht zu faulen beginnt, müssen sie innen mit Plastik ausgekleidet werden. Dafür eignet sich Teichfolie oder auch einfach ein grosser Müllsack. Eine etwa fünf Zentimeter dicke und mit Vlies abgedeckte Schicht Blähton sorgt dafür, dass die Pflanzen nicht im Wasser stehen.

Ausgeklügelte Bewässerungssysteme

Weil die Kisten keinen Abfluss haben, muss man bewusst giessen. Ein Bewässerungssystem leistet gute Dienste. Im Handel sind Tonkegel erhältlich, die in die Erde gesteckt werden und durch ­einen feinen Schlauch Wasser aus einer Flasche saugen, um es nach und nach an die Erde abzugeben. Die Flaschen kann man neben die Blumenkiste stellen oder, wie Rüegg es gemacht hat, gleich in die Kiste einbuddeln. Aber Achtung: Das Nachfüllen der Flaschen darf nicht vergessen werden.

Wer seine Pflanzen länger als ein Wochenende allein lassen will, setzt besser auf eine solarbetriebene Wasserpumpe, die Wasser aus einem gros­sen zentralen Behälter je nach Sonnen­einstrahlung über einen Tropfverteiler zu den Pflanzen bringt. Das Wasser­reservoir kann gleich unter der Liege verstaut werden. Die, wie Rüegg versichert, ganz simpel aus Dachlatten und Brettern konstruiert ist: Auf ein Gerüst aus vier bis fünf Zentimeter breiten Dachlatten hat er Holzbretter montiert. «Mehr als eine Bohrmaschine und eine Stichsäge braucht man nicht dafür. Das Holz ist nicht einmal in die Gehrung geschnitten, bloss geschraubt.» Freunde haben beim Streichen geholfen.

Kopieren ausdrücklich erlaubt

Das Balkon-Ensemble hat sich im Alltag so gut bewährt, dass der Heim­werker mit dem Gedanken spielte, es bis zur Marktreife weiterzuentwickeln. Doch wie eine Vorstudie ergab, hätte das «zu viele Ressourcen gekostet».

So bleibt nichts anderes übrig, als die Idee zu ­kopieren und selbst aktiv zu werden. Dagegen habe er nichts, meint Rüegg lachend, ganz im Gegenteil: «Nach­ahmung empfohlen!»

Veröffentlicht am 2017 M03 27