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GartenSo halten Sie Schädlinge in Schach

Pflanzenschutzmittel sind das reinste Gift. Schädlinge im Garten müssen dennoch bekämpft werden - am besten mit ihren eigenen Feinden.

Dieser Marienkäfer verspeist während seiner wenigen Wochen Lebenszeit rund 4000 Blattläuse.

Von aktualisiert am 11. Juli 2011

Das Gemüse wächst gross und kräftig, der Apfel gedeiht ohne Makel, das Blumenbeet blüht üppig - so haben wir es am liebsten. Ist diese Prachternte in Gefahr, hilft der Gärtner gerne mit sogenannten Pflanzenschutzmitteln nach. Doch: Pflanzenschutzmittel ist nur eine nette Bezeichnung für Gift.

«Chemisch synthetische Präparate gelangen in die Nahrungskette und ins Grundwasser und schädigen viele Tiere wie Vögel und Igel», erläutert Ulrich Thüre, Sprecher des Naturschutzbundes Niedersachsen in Hannover. Ausserdem zerstöre Gift das natürliche Gleichgewicht von Räuber und Beute. Es gebe aber durchaus verträgliche Möglichkeiten, einen gesunden Garten zu schaffen: «Statt auf Gift setzt der Biogärtner auf Pflanzenextrakte, natürliche Schädlingsfeinde sowie auf eine Artenvielfalt in seinem Garten», sagt Thüre.

Manche Pflanzen können sich etwa gegenseitig helfen. «Blühender Schnittlauch unter die Erdbeeren geworfen, ist ein gutes Mittel gegen Pilzbildung», rät er. Salbei, der unter Rosen gepflanzt wird, wehre Läuse und Schnecken ab. Wo Lavendel steht, ziehen Ameisen ab und Knoblauch verscheuche Wühlmäuse.

«Gemüsefliegen hält man wirkungsvoll mit einem feinmaschigen Gemüsefliegennetz von Radieschen, Karotten, Zwiebeln, Lauch und Kohl fern», verrät Erika Brunken, Leiterin der Gartenakademie in Bad Zwischenahn. Ab dem Zeitpunkt der Kastanienblüte sollte das Netz über halbrunde Drahtbögen gespannt werden, um zu verhindern, dass die Eier am Wurzelhals abgelegt werden. Die Larven fressen sonst das Gemüse von innen an. Das Netz hält zudem Raupen und Blattläuse fern.

Ein Schneckenzaun schirmt laut Thüre das Blumenbeet von den kriechenden Tieren ab, denn dessen abgewinkelte Kante können Schnecken nicht überwinden.

Fällt die Johannisbeerblasenlaus über die Johannisbeere her, sollte der Hobbygärtner alle betroffenen Triebe zurückschneiden, empfiehlt Brunken. So werde ein Ausbreiten verhindert. Grundsätzlich gilt das Zurückschneiden von befallenen Pflanzenteilen als zuverlässiges Mittel. Wird ein Befall durch Läuse oder Pilze rechtzeitig erkannt und entfernt, erholt sich die Pflanze sehr rasch. Sie wird nur selten in ihrer Existenz bedroht.

Manchmal braucht es aber auch ungewöhnliche Methoden: Ist der Rhododendron vom Dickmaulrüsselkäfer befallen, sollte man Nematoden kaufen. Diese spezielle Art des Fadenwurms ist der natürliche Gegenspieler des Käfers, der die Wurzeln von Rhododendron stark schädigen kann. Die Nematoden werden ins Giesswasser gegeben und ausgegossen. Doch Vorsicht: Einige Arten greifen auch Pflanzen an.

Brunken rät grundsätzlich, vorzubeugen statt nachzubehandeln: «Faktoren wie Standort, Düngung und Bodenfruchtbarkeit spielen eine grosse Rolle. Je wohler sich die Pflanzen fühlen, desto weniger anfällig sind sie für Krankheiten und Schädlinge.» Durch den Garten streifender Wind könne etwa die Blätter schneller abtrocknen und eine Pilzbildung vermeiden.

Zur Pflanzen-Gesundheit trägt auch die Fruchtfolge bei. Im Nutzgarten sollte ein Gemüse erst nach fünf Jahren wieder auf derselben Fläche angebaut werden. Das bedeute, erklärt Brunken, dass auf maximal ein Viertel der Fläche Kartoffeln wachsen dürfe.

Ausserdem tragen robuste Arten und Sorten, die in Fachbetrieben erhältlich sind, zum gesunden GRüebli    arten bei. So ist etwa die Einlegegurke ‹Amber› F1 gegen Echten Mehltau resistent und tolerant gegen Falschen Mehltau. «Die Buschbohnensorte ‹Negra› oder die Kirschtomate ‹Sweet Million› sind ebenso als robuste Sorten zu empfehlen», sagt Brunken. Grundsätzlich gelte: Je hochgezüchteter eine Sorte ist, desto empfindlicher ist sie auch.

Doch nicht jedes Tier im Garten ist ein Schädling. Auf einer Pflanze leben durchschnittlich zwölf pflanzenfressende Tierarten, ohne dass diese dabei geschädigt wird. Jeder Organismus sei Teil des Naturkreislaufes und habe seinen Nutzen, erläutert Brunken. So ist die Raupe auf dem Kohl etwa die Nahrung für den Igel.

Statt den Insektenbestand mit Gift zu regulieren, sei es deshalb ratsamer, den Lebensraum natürlicher Feinde zu fördern, betonen die Experten. Denn: Ein Siebenpunkt-Marienkäfer vertilgt während seiner wenigen Wochen Lebenszeit ganze 4000 Blattläuse, eine Fledermaus verspeist sogar bis zu einem Kilo Insekten pro Sommer. Und Igel, Kröten und Blindschleichen sind Schnecken-Jäger.

Ein naturnaher Garten sollte daher nicht zu aufgeräumt sein, denn Vögel, Hummeln, Laufkäfer, Eidechsen, Fledermäuse und andere nützliche Gartenbewohner benötigen Schutz und Nahrung. Hohe Wiesen, Hecken, Reisighaufen, Nistkästen, Trockenmauern und sogenannte Insektenhotels sind deren Lebensraum.