Machen Maschinen glücklich, oder ist es gerade die Anstrengung, die uns Zufriedenheit verschafft? Der indi­sche Philosoph und Asket Mahatma Gandhi etwa verurteilte Maschinen: «Sie rauben dem Menschen die Arbeit, genauer die Handarbeit, die zum Lebensglück unerlässlich ist.» Genau gleich, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen sieht das Christoph Theler, Marketingleiter bei Coop Bau+Hobby, mit Blick auf den Garten: «Zeit und Arbeit werden immer mehr durch Maschinen ersetzt.» Und das sei positiv – denn die Leute würden an sich gern im Garten arbeiten, hätten aber oft zu wenig Zeit dafür und auch nicht unbedingt Lust auf schweiss­treibende Arbeit.

Gerade ältere Menschen, die eine wichtige Kundengruppe für Gartenmaschinen bei Coop sind, können die schwindenden Kräfte gut durch Maschinen kompensieren, sagt Theler. Für mehr Handarbeit im eigenen Garten hin­gegen plädiert Urs Streuli, Gartenfachmann im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach BL. Einerseits, weil dies vor allem für ­einen selbst, aber auch für die Nachbarn weniger Lärm und Abgase bedeute, anderseits, weil sich ein Gerät oft gar nicht auszahlt. «Bei einer Gartenmaschine, die man nur zweimal im Jahr braucht, ist der finanzielle Aufwand für Kauf und Unterhalt zu hoch.»

Die Maschine und ihre Alternative

Doch wie sieht es konkret aus: Wo kann der Mensch der Maschine das Wasser reichen? Mit dem Gartenfachmann Streuli haben wir die gängigsten Gartenmaschinen den manuellen, von Körperkraft angetriebenen Gartengeräten gegenübergestellt. Überraschenderweise plädiert Streuli beim Rasenmäher für die Maschine. Ein Handrasenmäher, auch Spindelmäher genannt, tauge kaum. Denn erstens seien gute Geräte schwierig zu finden, genauso wie jemand, der die Messer schleifen kann. Ausserdem darf bei einem Handrasenmäher das Gras nicht zu lang sein – man müsste also mindes­tens einmal pro Woche mähen. Bis zu einer ­Rasenfläche von rund 500 Quadratmetern rät Streuli zu einem Mäher mit elektrischem Antrieb. Wenn die Rasenfläche zusammenhängend ist und nicht diverse Büsche im Weg ­stehen, eignet sich ein Modell mit Kabel: Die sind günstig, leicht und auch ökologisch am sinnvollsten (siehe unten: «Werkzeug schneidet meist besser ab»). Droht Kabelsalat, ist der ­etwas schwerere Akkumäher die bessere Wahl. Erst bei grossen Flächen kommt ein Benzinmäher, allenfalls sogar mit Fahrantrieb, in Frage.

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Den Gebrauch eines Trimmers hingegen findet Urs Streuli «mehr als unnötig». Gerade beim Trimmen des Rasens um Büsche oder Bäume herum würde die Maschine oft Schäden an der Rinde der Pflanzen verursachen. Und ausserdem seien Rasentrimmer für kleine Tiere gefährlich. Denn Kröten, Eidechsen oder Igel flüchten bei Gefahr nicht, sondern ducken sich nur. Mit einem Trimmer übersieht man diese Tiere schnell einmal, da dank dem verlängerten Griff aufrecht gearbeitet wird. Die bessere Alternative, zumindest für alle ohne grössere Rücken­probleme: eine einhändig bedienbare mechanische Grasschere. «Aber bitte keine Billiggeräte kaufen», rät Streuli. Gute Gartenwerkzeuge halten ein Leben lang – unter anderem auch, weil man sie so oft wie nötig schleifen kann und Ersatzteile erhältlich sind. Das hat ­seinen Preis. Gemäss Streuli erhält man eine Grasschere oder nur schon eine gute Rebschere nicht unter 50 Franken.

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Statt für einen Trimmer kann sich Streuli eher für eine kleine, akkubetriebene Gras- oder Strauchschere erwärmen. Damit sei man zumindest nahe dran – zum Schutz der Tiere. Auch eine Heckenschere mit Akkuantrieb kann in Ordnung sein – aber nur für Gartenbesitzer mit grossen Hecken. Denn das Heckenschneiden ist eine anstrengende Tätigkeit. Die Alternative zur Maschine wäre die zweihändig bediente Heckenschere.

Laien an der Kettensäge

Einen Vertikutierer braucht lediglich, wer einen piekfeinen, nur aus Gräsern bestehenden so­genannten englischen Rasen will – für alle an­deren ist diese Maschine unnötig. Eine strom- oder benzinbetriebene Bodenhacke ist laut ­Gartenexperte Streuli nicht nur teuer, sondern zerstört auch die Bodenstruktur und deren Baumeister – die Regenwürmer. Die Alternative: wenn nötig mit der Stechgabel vorgängig den Boden lockern und dann mit dem Kräuel be­arbeiten. Wer holzen muss, dem ­empfiehlt Urs Streuli die bewährten, meist leicht geschwungenen Baumsägen, die durch Muskelkraft bewegt werden. Denn laut Streuli ist eine Kettensäge für Laien viel zu gefährlich. «Mindes­tens einen halbtägigen Einführungskurs sollte ein Hobbygärtner besuchen, bevor er sich – mit der richtigen Sicherheitskleidung – an die Maschine wagt.»

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«Warum nicht?», lautet das Fazit des Experten beim Hochdruckreiniger. Ein Gerät, möglichst mit regulierbarem Druck, sei unter Umständen eine sinnvolle Sache für den privaten Haushalt. Für «komplett idiotisch» hält Streuli dafür Laubbläser und -sauger. Wer einen solchen schon mal im eigenen Garten benutzt hat, wird selber bestätigen können, dass mit dem einfachen Laubrechen oder Besen die Arbeit meist in der Hälfte der Zeit getan ist – ohne Lärm und Staub.

Jede Gartenmaschine verbraucht Energie in Form von Strom oder Benzin. Strom ist die bessere Wahl. Wenn Benzin verwendet wird, sollte es ­zumindest das teurere, aber umweltfreundlichere Geräte­benzin sein. Bei strombetriebenen Geräten sind Kabellösungen ökologischer als jene mit Akku – da die Herstellung und Entsorgung eines Akkus im Sondermüll aufwendig ist. Überhaupt steckt in jeder Maschine viel mehr graue ­Energie (Aufwand, bis ein Produkt hergestellt und beim Käufer ist) als in einem einfachen Gartenwerkzeug.

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Bei der Wahl des Elektrorasenmähers hilft www.topten.ch – die Liste erfasst auch die Lärmbelastung. Erwähnt sei hier aber auch, dass eine Maschine einen positiven Effekt haben kann. So ist etwa der Wasserverbrauch bei einem Hochdruckreiniger meist kleiner, als wenn mit Schlauch und Bürste geputzt würde.

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