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GartenbauGute Planung treibt die schönsten Blüten

Wer einen Garten anlegen will, sollte sich früh Gedanken machen. Damit aus einem einfachen «Blätz» Land auch das entsteht, was man will, braucht es Voraussicht – und oft einen Fachmann.

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Unser inneres Bild von einem Garten ist oft von Kindheitserinnerungen geprägt: das enthusiastische Fussballspiel auf dem grünen Rasen. Der süsse Geschmack der eigenen Himbeeren. Die Versteckspiele mit den Nachbarskindern. Solche Bilder können ein guter Einstieg sein, wenn es darum geht, einen Garten anzulegen.

Denn bevor man irgendwelche Entwürfe macht oder bereits Pflanzen auswählt, muss einiges klar sein: Wollen Sie Ihrer eigenen Freude an Pflanzen nachgehen und selbst säen, schneiden und pflegen? Oder steht eher die Wirkung nach aussen im Vordergrund? Soll der Garten ein offener Ort der Begegnung sein? Oder die rein private Erweiterung des Wohnraums nach draussen?

Wer einfach loslegt, könnte es bereuen

Max Hauser, Inhaber eines Gartenbaubetriebs im Glarnerland, erzählt: «Es kommt immer wieder vor, dass frischgebackene Hauseigentümer gedankenlos und überstürzt einen Weg, Rasen und ein paar Blumenbeete anlegen – und dann schon nach kurzer Zeit noch einmal von vorne anfangen.» Um solche kostspieligen Fehlplanungen zu vermeiden, muss in einem Konzept unter anderem festgelegt werden, wo grös­sere und wo kleinere Pflanzen den idealen Platz finden, wo Wege anzulegen sind, wo man sich Platz zum Spielen oder Verweilen wünscht.

Wer es vermeiden will, konzept- und planlos dieses und jenes zu pflanzen, sollte sich unbedingt an einen Landschaftsarchitekten oder Gartenbauer wenden. Diese Fachleute können die individuellen Wünsche und Ideen in eine konkrete Planung «übersetzen», sie wissen, was sich allenfalls in Etappen machen lässt. Und zudem sind sie in der Lage, die Folgen für das Portemonnaie aufzuzeigen.

Handelt es sich um einen Neubau, sollte schon während der Planung des Hauses das Thema Garten angesprochen werden. Je nach Eigenschaften oder Neigung des Grundstücks sind nämlich vielleicht Baumaschinen nötig, die während der Bauzeit ohnehin verfügbar sind. Die Planung sollte die besonderen Umstände, etwa Lage und Ausrichtung des Grundstücks oder den Lauf der Sonne, berücksichtigen.

Am Anfang hilft meist eine Skizze des Gartens im Massstab 1:100, auf der man Wege, Sitzplätze, Stufen, Zäune, Bäume, Sträucher und Blumen einzeichnet. Für höhere Ansprüche gibt es spezielle Planungssoftware (siehe «Literatur und Software» am Ende dieses Textes).

Es geht nicht nur um Pflanzen

In einem Garten ist vieles möglich: üppige Blumenpracht, duftende Pflanzen, Obstbäume und -spaliere, Liegewiese, Sitzplatz oder Wintergarten, ein Biotop, ein Schwimmbad, ein gemütlicher Grillplatz, eine schattige Pergola, ein Spielplatz für Kinder – und so weiter. Neben Blumen, Sträuchern und Bäumen spielen zunehmend noch andere Gestaltungsmittel eine Rolle, vor allem die richtige Wahl von Bodenbelägen, Beschattungen, Gartenmöbeln und ganz generell auch Wasser, Akustik und Licht.

Allein diese Aufzählung zeigt, dass in der Planungsphase die Kunst des Verzichtens gefragt ist. Fragen Sie sich also: Was wollen wir wirklich? Und was wäre nur «auch noch schön zu haben»? (Siehe auch nachfolgende Box «Gartenplanung».)

Für einen ansprechenden modernen Garten gilt: Ästhetik und Architektur hören nicht bei der Hauswand auf – sie sollten sich draussen fortsetzen. Der Aussenraum muss dann konsequenterweise auf Formen, Proportionen und Gestaltung des Hauses abgestimmt sein.

Wenn der Garten zum Zimmer wird

Ideal ist zum Beispiel, wenn der Blick vom Wohnzimmer zum schönsten oder sonnigsten Ort im Garten frei ist. Genauso ist darauf zu achten, dass sich der Aussenraum harmonisch in die Umgebung einfügt. Achten Sie etwa darauf, dass Blickbezüge ins Quartier, in die Landschaft oder in Richtung Berge nicht durch Bäume, Sträucher oder Zäune versperrt sind. In diesem Zusammenhang sollte man sich zudem überlegen, welchen Eindruck der Garten von draussen macht: Gibt es einen sanften Übergang zwischen Strasse und Garten respektive zum nächsten Grundstück?

In einem gut gestalteten Garten harmonieren Formen, Farben und Proportionen, es sind verschiedene Ebenen und Flächen zu unterscheiden, und der Übergang zwischen innen und aussen wirkt flies­send. So wird der Garten mehr und mehr zu einem Zimmer, wobei der Himmel die Decke darstellt und die Jahreszeiten sein Aussehen prägen. Gartenbauer Max Hauser sagt dazu: «Gärten sind der ideale Ort, um sich eine persönliche Interpretation von etwas Schönem zu erfüllen.»

Wer ein Haus baut, ist allerdings allzu oft mit höchst schmalen Budgets für die Umgebungsgestaltung konfrontiert. «Der vorgesehene finanzielle Rahmen bei Ein­familienhäusern oder Stockwerkeigentum lässt oft keine allzu grossen Möglichkeiten offen», sagt Hauser. Die Standardbudgets reichen häufig bloss für etwas Rasen und einen Gartensitzplatz.

Das heisst freilich nicht, dass ein guter Garten zwingend hohe Summen verschlingen muss. Für die «Grundausstattung» gilt: Pro Quadratmeter ist mit einem Budget ab etwa 100 Franken zu rechnen. Es gibt Konzepte, mit denen sich mit Kies, etwas Naturstein und Bepflanzungen zu einem attraktiven Preis etwas Modernes realisieren lässt. Alles Weitere für einen Traumgarten lässt sich dann in Etappen realisieren.

Geht es um Terrassen von Eigentumswohnungen, kann es schnell teurer werden: Bepflanzungen in Gefässen sind zu ganz unterschiedlichen Preisen bis zu mehreren tausend Franken erhältlich.

Wichtige Frage: Darf man das?

Sobald bestimmte Elemente – etwa eine Pergola oder eine hohe Mauer – den Charakter einer festen Anlage bekommen, braucht es in der Regel eine Baubewilligung. Und bei der Anordnung von Bäumen und üppig spriessenden Büschen ist ans Nachbarrecht zu denken. Der Grundsatz: Übermässige Immissionen auf die Grundstücke von Nachbarn sind zu vermeiden. Die wichtigsten Eckpunkte dazu regelt das Zivilgesetzbuch.

Die kantonalen Einführungsgesetze zum ZGB schreiben zudem für Bäume und Sträucher Grenzabstände vor. Je nach Kanton sind unterschiedliche Abstände, Höhen und Verjährungsfristen zu beachten. Und: «Nachbarn stören sich häufig erst dann an Bäumen, wenn diese in die Höhe schiessen», warnt Thomas Oberle, Jurist beim Schweizerischen Hauseigentümerverband. «Aufgrund der recht kurzen Verjährungsfrist ist es für eine Klage dann aber meist zu spät.» Ärger steht aber trotzdem ins Haus, weshalb es sich empfiehlt, die Bestimmungen rechtzeitig zu konsultieren: vor der Anpflanzung.n


Anforderungen: Überlegen Sie sich, welche Elemente und Funktionen
des Gartens für Sie im Vordergrund stehen. Besprechen Sie Ihre Vorgaben mit dem Planer oder Gartenbauer.

Auf Zeitloses setzen: Verzichten Sie auf alles, was vielleicht gerade en vogue ist oder hübsch aussieht, Ihnen aber nicht wirklich gefällt. Modewellen gehen vorbei, Ihr Garten aber bleibt.

Stil finden: Definieren Sie frühzeitig, welcher Stil Ihnen zusagt: naturnah, modern, japanisch, Landhausstil, ­besondere Materialien und Bepflanzungen et cetera.
Unterhalt: Bedenken Sie auch die Folgekosten für Unterhalt und Pflege (Zeitaufwand, finanzielle Auslagen).

Grenzen: Klären Sie, welche Varianten punkto Einzäunung, Sichtschutz, Umfriedung, Sicherheit et cetera nötig und passend sind.

Denken Sie praktisch: Welche Pflanzen sind für den Standort überhaupt geeignet (Feuchtigkeit, Sonne, Temperatur)? Wo können Sie Materialien, Gartengeräte, Möbel et cetera ver­stauen? Wie steht es um Be- und ­Entwässerung? Was braucht es an Sonnen- oder Windschutz?

Ihr Lieblingsort: Welches könnte ein Ort im Garten sein, der Ihnen besonders wichtig erscheint und eine ­aussergewöhnliche Atmosphäre ­besitzt? Peilen Sie diesen Gartenteil frühzeitig für diese besondere Nutzung an, bevor Sie ihn ungewollt ­«verbauen».

Elisabeth Jacob: «Lust auf Garten»; das Beobachter-Buch mit Praxistipps und rechtlichen Infos

Barbara Resch: «Gartengestaltung. Das Praxisbuch»; Verlag BLV, 264 Seiten, Fr. 45.90

Peter Wirth: «Der grosse Gartenplaner»; mit 3D-Planer auf CD; Verlag Ulmer, 480 Seiten, Fr. 28.90

Sketch up: Gratis-Software über Google; mit dem Programm lassen sich 3D-Modelle zeichnen; Download: sketchup.google.com

Smart Draw: Gute Zeichnungs-Software für Inneneinrichtung und Gärten, kostenpflichtig; Download: www.smartdraw.com

Ihr Lieblingsort: Welches könnte ein Ort im Garten sein, der Ihnen besonders wichtig erscheint und eine ­aussergewöhnliche Atmosphäre ­besitzt? Peilen Sie diesen Gartenteil frühzeitig für diese besondere Nutzung an, bevor Sie ihn ungewollt ­«verbauen».

Die Vorfreude auf sonnige ­Tage im Freien wächst. Was macht den Naturgarten aus? Wie macht der Kräuterbalkon Freude? ­In der Beobachter-Rubrik «Garten & Balkon» finden Sie mehr Infos.

Veröffentlicht am 28. Februar 2012