Zwischen Gut und Böse gibt es in vielen Schweizer Gärten eine scharfe Trennlinie. Eindeutig zu den guten Freunden der Gartenbesitzer zählt kurz gehaltener Zierrasen mit exakt geschnittenen Kanten. Die Thujahecke erfreut sich einer riesigen Fangemeinde und ebenso Geranien – bevorzugt in Rot. Eindeutig ins Reich des Bösen hingegen gehören seit jeher Unkräuter jeglicher Couleur und Schädlinge aller Art. Doch so eindeutig ist das längst nicht mehr. Bei Nutzen und Nachteil des Ungeziefers fürs Gartenleben scheiden sich heute die grünen Geister.

Ohne Spritzmittel fühlen sich auch Tiere wohl


Wer einen lebendigen Garten schaffen will, muss Tiere anlocken, und das geht nur mit Futter. «Um Vögel anzulocken, braucht es im Garten auch Schädlinge wie Läuse», sagt Hans Grob, Gartenberater in Zürich. Damit Vögel und Insekten Nahrung finden, braucht es standortheimische Pflanzen. «Allein von der Vogelbeere können sich bis zu 63 Vogelarten ernähren», sagt der Gartenberater. Chemische Dünger und Spritzmittel haben in einem solchen Garten nichts verloren.

Bauliche Massnahmen fördern die Vielfalt. So zieht zum Beispiel ein Feuchtbiotop Frösche oder Kröten an. Oft reicht es aber schon, einfach nichts zu tun beziehungsweise alles stehen und liegen zu lassen. Asthaufen bieten Igeln Unterschlupf, und im Herbstlaub überwintern Käfer. Wer ein solches Tierparadies anlegt, muss jedoch tolerant sein: «Ein natürlicher Garten hat seine eigene Ordnung, er sieht nie richtig aufgeräumt aus», sagt Grob. Wer nur einen Balkon zur Verfügung hat, kann sich mit Wildstauden ein Stück Wildnis in die Hochetage holen. Doch bevor man die ersten Stauden pflanzt, ist eine Skizze des Grundrisses von Garten oder Balkon anzufertigen.

Für die Planung ist es ratsam, Fachleute beizuziehen. Stefanie Körner, Gartengestalterin des Landhauses Ettenbühl im baden-württembergischen Bad Bellingen, verwandelt seit Jahren mit dem britischen Gartendesigner John Scarman monotone Grünflächen in romantische, englische Cottage-Gärten. Der Natur lässt sie dabei so weit wie möglich ihren Lauf.

Geschnitten wird in einem solchen Garten wenig. «In der Schweiz und in Deutschland werden die Pflanzen oft zu radikal geschnitten», sagt Körner.

Astilben, Sterndolden, Rittersporn, Fingerhut und natürlich Rosen sorgen für Farbtupfer. Doch vor lauter bunten Kontrasten darf die Umgebung nicht vergessen werden. «Der Garten sollte zu den Farben des Hauses passen», rät Körner. Um die passenden Pflanzen zu wählen, ist eine chemische Analyse des Bodens nötig. Sie zeigt, welchen Pflanzen der Boden tatsächlich behagt. Gartencenter bieten entsprechende Sets an.

Blütenpflanzen brauchen viel Pflege


Der Zürcher Gartendesigner Enzo Enea achtet bei der Gestaltung des Gartens stark auf die Architektur des Hauses. «Garten oder Terrasse sind erweiterter Wohnraum», meint er. Der Designer plant vermehrt Gärten und Balkone ohne Blumen – und das aus gutem Grund: «Blütenpflanzen geben durch das Schneiden und Aufbinden entsprechend mehr Arbeit», erklärt er. Wer sich einen pflegeleichten Garten wünscht, setzt auf immergrüne Buchskugeln, Kies statt Zierrasen und vielfältige Bodendecker. Mehrjährige Stauden wie Bergenien, Hosta oder Gräser bringen durch ihre unterschiedliche Blattstruktur und ihre Farben Leben in den Garten.

Giftgrüne oder pinkfarbene Möbel


Wer sich nach getaner Arbeit im Garten oder auf dem Balkon entspannt zurücklehnen will, braucht noch die richtigen Sitz- und Liegegelegenheiten. Weil die Möbel Wind und Wetter ausgesetzt sind, ist gute Qualität wichtig. Will man sich ein Plätzchen an der Sonne einrichten, muss das Material zudem Hitze vertragen können. «Bei Gartenmöbeln aus Aluminium, feuerverzinktem Eisen oder Edelstahl ist eine Bespannung mit einem Polyesternetz sinnvoll», sagt Edi Franz, Inhaber des Berner Möbelgeschäfts Intraform.

«Die Möbel sollten leicht, klapp- und stapelbar sein», rät der Zürcher Möbeldesigner Beat Schwengeler. Plastik ist völlig ausser Mode. Im Trend sind einfache Formen. Bei den Farben dürfen es sogar Stühle in grellen Tönen wie Pink oder Giftgrün sein. Von den verschiedenen Holzarten am besten geeignet ist wetterfestes, aber exotisches Teakholz.

Wer jedoch mit seinem Kauf eine nachhaltige Produktion fördern will, sollte nur Möbel aus zertifiziertem Holz kaufen, so genanntes FSC-Holz (Forest Stewardship Council). «Mit dem FSC-Label garantieren wir eine ökologische, ökonomische und soziale Bewirtschaftung des Waldes», sagt Carlo Centonze vom WWF.

Ungestört dank Sichtschutz


Wer auf Exotik verzichten will, findet in heimischer Eiche, europäischer Kastanie oder Robinie eine Alternative. Auf der Suche nach diesen Materialen muss man sich allerdings an spezialisierte Händler wenden. So verkauft etwa der Grossverteiler Coop unter dem Label Oecoplan zwar Werkzeuge und Gartenholz, aber keine Gartenmöbel. «Wir haben noch keinen Lieferanten gefunden, der Gartenmöbel in grösseren Mengen zu marktgerechten Preisen aus einheimischem Holz produziert», erklärt Carine Boetsch, Projektleiterin Coop Oecoplan.

So richtig auskosten kann man die neuen Gartenmöbel aber erst, wenn eine Hecke vor neugierigen Blicken schützt. Bei der Wahl zwischen immergrünem oder laubabwerfendem Gehölz entscheidet al-lein der persönliche Geschmack.

Wintergrüne Koniferen wie Eibe wachsen zwar langsam, bilden aber eine dichte Hecke, die ganzjährig als Sichtschutz dient. Als Alternative bieten sich immergrüne Laubgehölze wie Kirschlorbeer, Buchs und Liguster an. Diese Pflanzen wachsen schneller und sind günstiger. Auch niedrige Mauern und Palisaden aus Holz, mit Kletterrosen oder Clematis überwachsen, bieten guten Sichtschutz.

Wer sich jetzt voller Tatendrang in den Garten stürzt, sollte vor lauter Kunst am Gartenbau eines nicht vergessen: Der Garten ist vor allem zur Erholung da.

Quelle: Archiv