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HeimgartenEin Paradies zum Verlieben

Der erste Schritt zu einem idealen Garten besteht darin, die Bedürfnisse der Benutzer zu erkennen. Bei sorgfältiger Planung steht dem Glück nichts im Wege.

«Willst du ein Leben lang glücklich sein, so lege dir einen Garten an», besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Doch was braucht es, damit sich das Glück wirklich einstellt und die Grünfläche vor dem Haus zum eigenen kleinen Paradies wird? Für einen idealen Garten müssen zuerst einmal – unabhängig von aktuellen Trends – einige Grundbedingungen erfüllt sein:

  • Der Garten sollte optimal auf die Bedürfnisse aller Benutzer zugeschnitten sein.
  • Die Pflege des Gartens darf nur so viel Aufwand erfordern, wie die Besitzer auch leisten können und wollen.
  • Spätere Anpassungen aufgrund veränderter Bedürfnisse müssen mit möglichst wenig Aufwand umgesetzt werden können.

Da die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind, ist der ideale Garten also meist eine sehr indi­­vi­duelle Lösung – und nicht einfach die Kopie eines Gartens aus einem Buch oder einer Zeitschrift. «Trotzdem gibt es einige typische Gestaltungselemente, die dazu beitragen, dass man sich wohlfühlt», sagt Marie-Noëlle Adolph, Inhaberin des Landschaftsarchitekturbüros ­Manoa in Meilen am Zürichsee. Solche Elemente sind für sie beispielsweise geschützte Rückzugsorte, Bäume, Sträucher und Zonen, die unterschiedliche Formen der Nutzung ­zulassen – etwa eine Rasenfläche für Kinderspiele und grössere Feste, eine lauschige Ecke für entspannende Stunden oder ein Bereich mit Beeten für Früchte und Gemüse.

Den Garten parallel zum Hausbau planen

Dass diese Gestaltungselemente mehrheits­fähig sind, hat mit dem Ideal­bild in unseren Köpfen zu tun: «Unsere Vorstellung von einem Garten ist geprägt von jahrhundertelang überlieferten Bildern», sagt Gartenarchitektin Marie-Noëlle Adolph. Eines dieser Urbilder ist der Hortus conclusus – ein von einer Mauer umfriedeter Garten, der ein Stück weit an ein Paradies erinnert. Dieses Bild hat seinen Ursprung im Alten Testament und wurde oft auch auf Gemälden bildlich dargestellt.

Damit der eigene Garten wirklich zum Paradies wird, reicht eine Einfriedung allein aber nicht, auch wenn sie – vor allem in dicht besiedelten Zonen – heute noch ein wichtiges Element darstellt. «Das A und O bei der Neuanlage eines Gartens ist eine gründliche und vorausschauende Planung», sagt Doris Krivitsch, Landschaftsarchitektin und Projektleiterin beim Branchenverband Jardin Suisse. Wichtig sei es zudem, den Garten gleichzeitig mit dem Bau des Hauses zu planen. Das hat wichtige Vorteile:

  • Garten und Haus können optimal aufeinander abgestimmt werden – etwa bei der Anordnung von Aussentüren und Terrassen oder bei der Inszenierung von Ausblicken.
  • Die Kosten für die Gartengestaltung sind schon vor Baubeginn klar und realistisch budgetiert. Ansonsten ist das Risiko gross, dass am Schluss nur noch ein Minimalbetrag für den Garten übrig bleibt.
  • Bei der Ausführung kommt es nicht zu teuren Doppelspurigkeiten – etwa weil der Gärtner Erde entfernen muss, die der Baumeis­ter zuvor am falschen Ort aufgeschüttet hat.

Nachhaltig und fair produziertes Material

Das Vorgehen bei der Gartenplanung gleicht demjenigen beim Bau eines Hauses: Zuerst müssen die Bedürfnisse der Bewohner ermittelt und die örtlichen Gegebenheiten analysiert werden. Die Möglichkeiten des Areals zu erkennen, ist die Aufgabe eines professionellen Gartenplaners. Er erstellt erste Entwürfe, basierend auf den Bedürfnissen der Nutzer und der Ana­lyse vor Ort sowie des Budgetrahmens. Diese kann man bei Bedarf noch weiter verfeinern.

Bei der Bedürfnisabklärung stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wer wird den Garten wann benutzen? Welche Aktivitäten und Hobbys finden dort statt? Ist es ein reiner Ziergarten, oder soll es auch Platz für den Anbau von Früchten und Gemüse geben? Wer pflegt den Garten, und wie viel Zeit darf dafür aufgewendet werden? Welche Pflanzen und Materialien mögen die Hausbesitzer, und welche kommen nicht in Frage? Gerade bei den Pflanzen und Materia­lien sollte man sich im Voraus überlegen, ob man schwergewichtig auf einheimische Produkte setzen will oder ob auch solche aus fernen Ländern in Frage kommen. «Bei Natursteinen beispielsweise empfehlen wir trotz des höheren Preises solche aus Europa, um sicherzustellen, dass sie unter fairen Bedingungen abgebaut wurden», sagt Doris Krivitsch. Und bei Hölzern rät sie aus ökologischen Gründen zu einheimischen Sorten statt zu Tropenhölzern.

Ein besonderes Augenmerk bei der Planung gilt den sich ändernden Nutzerwünschen – etwa wenn die Hausbesitzer ins Pensionsalter kommen oder die Kinder älter werden und, statt im Garten zu spielen, dort lieber ihre Partys veranstalten: «Ein idealer Garten muss sich auch viele Jahre später ohne grossen Aufwand an neue Wünsche anpassen lassen», sagt Krivitsch. Deshalb sei es wichtig, beispielsweise Bäume oder massive Bauteile so zu platzieren, dass sie auch bei einer veränderten Nutzung nicht gefällt oder verschoben werden müssen.

Bei den örtlichen Gegebenheiten spielen die Himmelsrichtungen, die Besonnung, die Topografie des Geländes, die Nachbarschaft, die Immissionen durch Strassenlärm und die Architektur des Hauses eine wichtige Rolle. Bei bestehenden Gärten muss zudem abgeklärt werden, welche vorhandenen Elemente und Pflanzen oder Bäume weiter verwendet werden sollen.

Nicht zuletzt spielen die persönlichen Präferenzen eine wichtige Rolle: «Für die Lieblingspflanzen der Besitzer muss selbstverständlich auch ein passender Platz vorgesehen werden», sagt Fachfrau Krivitsch.

Geduld bringt Rosen

Auf dem Weg zum eigenen Garten Eden braucht es eine grosse Portion Geduld. Denn es dauert oft einige Jahre, bis Pflanzen, Sträucher und Bäume die gewünschte Wirkung erzielen. «Die Wartezeit sollte einen nicht dazu verleiten, ­zu viel zu setzen», rät Landschaftsarchitektin ­Marie-Noëlle Adolph. Die überzähligen Pflanzen müssten später oft wieder entfernt werden. Die Alternative: Man setzt neben den endgültigen Gewächsen günstige einjährige Pflanzen. «Ein Garten ist etwas Dynamisches und verändert sich über die Jahrzehnte hinweg – ob man will oder nicht», sagt Marie-Noëlle Adolph.

Viele Bäume oder Büsche lassen sich oft nicht beliebig zurückschneiden und nehmen mit der Zeit immer mehr Raum ein. Das chinesische Sprichwort müsste deshalb eigentlich besser heissen: «Willst du ein Leben lang glücklich sein, so lege dir einen Garten an und erfreue dich an den natürlichen Veränderungen.»

Links

Unternehmerverband JardinSuisse: www.jardinsuisse.ch

Bund Schweizer Landschaftsarchitekten: www.bsla.ch

Website für die Planung des eigenen Gartens: www.gartendialog.ch

Veröffentlicht am 26. Februar 2015