Lichtdurchfluteter Anbau», «Oase der Ruhe» – so werden Wintergärten in Hochglanzprospekten gerne beschrieben. Ein solcher Garten bringe Helligkeit und Transparenz ins Haus, sagt die Werbung – und verspricht ein erholsames Naturerlebnis.

An einem lauen Frühlingsabend im Wintergarten zu verweilen oder sonntags einen Brunch mit Blick in den Garten zu geniessen, steigert tatsächlich die Wohnqualität. Für viele Hausbewohner ist ein Wintergarten auch reizvoll, weil in seinem treibhausähnlichen Klima mediterrane Pflanzen gedeihen.

Ein Wintergarten hat aber auch Nachteile: Hauptproblem ist die Uberhitzung im Sommer. Die Räume hinter verglasten Fassaden werden mitunter zur Sauna – eine Zumutung für Menschen, die darin leben oder arbeiten.

Dagegen helfen besondere Sonnenschutzgläser und Beschattungssysteme, die das Klima an heissen Sommertagen erträglich machen. Ublich sind Storen beziehungsweise Markisen, Schilfmatten oder Kletterpflanzen. Zwingend erforderlich ist ein Belüftungssystem, zum Beispiel mit Klappen. Viele unterschätzen auch den Aufwand, den es braucht, um die rasch verschmutzten Fenster zu reinigen. Dafür sind oft ein Gerüst oder andere aufwändige Hilfsmittel nötig.

Wintergärten sind kein System zur Energiegewinnung, wie teils angenommen wird. Obwohl die Temperatur im Glashaus selbst im Winter bei leichter Sonneneinstrahlung tagsüber auf 18 Grad klettert. Allenfalls reduziert der Garten Wärmeverluste im Wandbereich, der unmittelbar an den Anbau angrenzt.

Nötig ist eine gründliche Planung
In der Praxis wird mit einem Wintergarten häufig sogar Energie verschwendet. «In neun von zehn Fällen sind Wintergärten Energiefresser», betont Hansruedi Preisig, Architekt und Leiter des Zentrums für Nachhaltiges Gestalten, Planen und Bauen an der Zürcher Hochschule in Winterthur. Viel Energie geht im Winter verloren, wenn die Tür zum Garten offen ist und die warme Luft aus dem Gebäudeinnern in den angebauten Raum entweicht.

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Für den Bau eines Wintergartens sind Fachkenntnisse erforderlich. Allein schon die Wahl des richtigen Glases ist eine Wissenschaft für sich, zumal eine breite Palette an Sonnenschutz- und Wärmedämmgläsern erhältlich ist. Beim Entscheid für ein bestimmtes Produkt sind auch Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen: Wie steht es um den Schutz gegen Sturm oder Einbrecher? Auch Grösse und Ausrichtung des Anbaus sind zu überdenken – ideal ist eine Ausrichtung nach Süden bis Westen.

Um einen Wintergarten zu erstellen, der einem Freude macht und den Zweck erfüllt, geht es nicht ohne exakte und auf ein Gebäude abgestimmte Planung. Das führt schnell zu Kosten von einigen zehntausend Franken. Ein Wintergarten ist auf keinen Fall ein Produkt, das «ab der Stange» gekauft werden sollte.