Die Botschaft sorgte für Schlagzeilen: Ab 1. Januar 2009, so verkündete der Bundesrat Anfang Jahr, müssten die schlechtesten Glühlampen vom Markt verschwinden. Diese Massnahme bettete der Bund in seinen «Aktionsplan» für mehr Energieeffizienz ein. Die Beleuchtung macht in der Schweiz immerhin 14 Prozent des Stromverbrauchs aus, wobei Glühbirnen wahre Energieverschwender sind: Nur fünf Prozent der Energie werden in Licht umgewandelt, der Rest verpufft als Wärme.

«Edisons Glühlampe vor dem Erlöschen», titelte die «Neue Zürcher Zeitung»; der «Tages-Anzeiger» schrieb, «die Ära der Glühlampe wird in der Schweiz am 1. Januar 2009 zu Ende gehen». Die Verunsicherung ist nun gross, viele deckten sich in den letzten Wochen mit Glühbirnen ein, weil sie glauben, sie seien demnächst nicht mehr erhältlich. Bei den Grossverteilern sind die Regale regelmässig ausverkauft, die Hersteller berichten von erhöhter Nachfrage. Dem Beobachter sind Leute bekannt, die auf Jahre hinaus Vorräte anlegen.

Doch entgegen der weitverbreiteten Meinung kann von einem Ende der Glühlampe keine Rede sein. Denn der Bundesrat beschloss etwas anderes: Er verbannt künftig lediglich die Lampen der allerschlechtesten Effizienzklassen vom Markt. Wie Kühlschränke oder Waschmaschinen sind auch Glühlampen mit einer Energieetikette versehen. Dabei ist auf einen Blick ersichtlich, ob eine Lampe wenig Energie verbraucht (Klasse A) oder ein Energiefresser ist (Klasse G). Die klassische Glühbirne, die bei den Haushaltslampen einen Marktanteil von 70 Prozent hat, liegt in der Effizienzklasse E und darf weiterhin verkauft werden. Verboten sind ab 1. Januar 2009 nur Glühlampen der Kategorien F und G.

«Ein politischer PR-Gag»
«Mit dem neuen Verbot ändert sich für die Konsumenten gar nichts», sagt Reto Abächerli, Geschäftsführer der Schweizer Licht-Gesellschaft. Ganz anders sieht es das Bundesamt für Energie (BFE): Sprecher Matthias Kägi spricht von «verschärften Anforderungen an Haushaltslampen». Er glaubt, dass mit dem Verbot im nächsten Jahr «20 Prozent der schlechtesten Glühbirnen aus dem Verkauf verschwinden». Eine etwas gar optimistische Behauptung: Gemäss Philips, neben Osram wichtigster Produzent von Haushaltslampen, betrifft das Verbot nur einen «Nischenmarkt», der laut Sprecher Raphael Wermuth «im einstelligen Prozentbereich liegt». Vom Verbot ausgenommen sind nämlich zahlreiche Birnen der Klassen F und G für Backöfen, Kühlschränke sowie Dekorationslampen.

«Mit dem Verbot der schlechtesten Effizienzkategorien hat sich das Bundesamt für Energie gut verkauft», sagt Felix Meier vom WWF. Bei der Bekanntgabe des angeblichen Glühlampenverbots zeigten sich die Umweltverbände noch erfreut, heute tönt es etwas weniger euphorisch. Das Verbot der Kategorien F und G sei «ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht wahnsinnig mutig». In der Lampenproduzenten-Branche spricht man Klartext, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand: «Das Verbot ist ein politischer PR-Gag.»

Beim Bundesamt für Energie verteidigt sich Sprecher Matthias Kägi: Der Bund habe nie behauptet, die Glühlampe werde verboten. Was Kägi nicht sagt: Das BFE hat wenig Engagement gezeigt, um den Irrglauben der Bevölkerung auszuräumen. Hingegen kündigt das BFE bereits das nächste Verbot an: «Es ist geplant, dass ab 2012 nur noch Lampen verkauft werden dürfen, die mindestens die Effizienzklasse D aufweisen», so Kägi. Erst das wäre dann das Ende der herkömmlichen Glühbirne.

Anzeige