So viele Anfragen für Beratungen wie seit Beginn dieses Jahres hatten wir noch nie», sagt Christian Zeyer, der im Auftrag des Kantons und der Region Bern unentgeltliche Energieberatungen für Hausbesitzer durchführt. Grund für den Ansturm: Seit sich die Heizölpreise verdoppelt haben, fragen sich viele Hausbesitzer, wie sie den Energieverbrauch senken können. Deshalb haben auch die Hirts aus Ostermundigen bei Bern den Berater gerufen. «Die steigenden Energiepreise haben uns zu denken gegeben», sagt Familienvater Bruno Hirt.

Vor acht Jahren, kurz vor der Geburt von Sohn Max, hat er zusammen mit seiner Frau Nicole das Sechszimmerhaus aus den dreissiger Jahren gekauft. Ein typischer Fall: Nur gerade ein Prozent des Schweizer Wohnungsbestands wird jährlich neu gebaut. Wer heute ein Haus sucht, erwirbt deshalb oft einen Altbau. Entsprechend gross ist der Sanierungsbedarf der Liegenschaften: Gemäss Bundesamt für Statistik wurde zwar die Hälfte der vor 1980 gebauten Häuser schon einmal renoviert, doch meist nur notdürftig, so dass in ihnen immer noch Energie verpufft. Das gilt auch für das Haus der Hirts, wie das Gespräch mit Energieberater Christian Zeyer zeigt: «Wir haben bis jetzt alle Wände und Böden sowie die Elektroanlagen renoviert», sagt Nicole Hirt. An Fassade, Fenstern und Dach hingegen haben sie nichts verändert. Nur der alte Ölbrenner wurde vor drei Jahren durch eine Gasheizung ersetzt.

Das Einstiegsgespräch hat für Berater Zeyer einen wichtigen Stellenwert: «So erfahre ich die Geschichte des Hauses und spüre, was den Leuten wichtig ist.» Denn es bringe nichts, Vorschläge zu machen, die den Wünschen der Hausbesitzer völlig zuwiderliefen.

Intensive Suche nach Schwachstellen



Während dieses Gesprächs verlangt der Energieberater aber auch harte Fakten: Rund 2’400 Kubikmeter Gas weist die letztjährige Rechnung der Hirts aus. Das ergibt einen Energieverbrauch von rund 170 Kilowattstunden pro Quadratmeter. «Das ist weder gut noch schlecht», sagt Zeyer. Zum Vergleich: Bei einem Neubau nach heutigen Vorschriften wäre der Verbrauch etwa halb so hoch.

Nach dem Vorgespräch möchte der Energieberater das Haus vom Keller bis zum Estrich unter die Lupe nehmen. Dabei interessieren ihn einerseits die Konstruktion und der Zustand der Bauteile, anderseits Hinweise auf Schwachstellen, wie schimmlige Ecken, zugige Fenster oder kalte Wände. Schimmel findet sich bei Hirts nicht - dafür sind die Böden im Erdgeschoss auffällig kalt. Der Grund: Die Kellerdecke ist nicht isoliert. «Das führt dazu, dass man mehr als nötig heizt, um das Kältegefühl auszugleichen», erklärt Zeyer. Abhilfe sei hier einfach möglich: «Die Kellerdecke kann man gut auf eigene Faust isolieren.» Zu den Schwachstellen zählen aber auch die nur einfach verglasten Fenster in der Waschküche und das Dachzimmer im nicht isolierten Estrich. Das bekommen die Hirts auch zu spüren: Wenn sie das dort untergebrachte Büro benutzen, müssen sie im Winter mit einem Elektroofen nachheizen. Im Sommer hingegen steigt das Thermometer gerne einmal auf über 30 Grad. Nach der Besichtigung zieht der Energieberater Bilanz. Dabei stützt er sich auf einige allgemeine Grundsätze:

  • Verbesserungen machen dort am meisten Sinn, wo man mit wenig Aufwand grosse Flächen sanieren kann.
  • Eingriffe rechnen sich am besten, wenn ohnehin Renovationsarbeiten anstehen.
  • Energetische Verbesserungen sollten spätestens gemacht werden, bevor die Heizung ausgetauscht wird; dann kann sie allenfalls kleiner dimensioniert werden.

Sofort in Angriff nehmen könnten die Hirts nach den Vorgaben die Isolation der Kellerdecke und des Estrichs. «Dort ist der Gewinn gross - nicht nur aus energetischer Sicht, sondern auch aus Komfortgründen», sagt Zeyer. Die Zeiten des Frierens und Schwitzens im Büro wären dann vorbei. Die Heizung hingegen muss erst in gut zwölf Jahren wieder ausgetauscht werden. Dann wird auch die Fassade so alt sein, dass eine Sanierung sinnvoll wäre.

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Die Investitionen lohnen sich



«Falls es die finanzielle Situation zulässt, würde ich empfehlen, möglichst viele der Arbeiten miteinander auszuführen», sagt Zeyer. Die Problematik der Schnittstellen - etwa zwischen Dach und Fassade - würde so entfallen und die Arbeiten würden damit günstiger. Denn ein Gerüst beispielsweise braucht es sowohl für die Dach- als auch für die Fassadensanierung.

Bleiben die Kosten, die eine junge Familie besonders interessieren. Deshalb haben Hirts beim Energieberater auf eigene Rechnung eine Kostenschätzung bestellt. Gemäss dieser würden die Arbeiten mit rund 60’000 Franken zu Buche schlagen. «Einiges weniger, als wir gedacht hatten», freut sich Bruno Hirt. Trotzdem fragt er sich, ob die Rechnung aufgeht. Zeyer beruhigt: 25’000 Franken würden allein auf die fällige optische Renovation entfallen, bei der nur das Nötigste geschieht - etwa eine verrostete Dachrinne austauschen.

Die restlichen 35’000 Franken, die energetischen Verbesserungen dienen, würden sich dank niedrigeren Energiekosten amortisieren. «Die Rechnung geht auf», sagt Zeyer, «das zeigt auch eine Studie der ETH Zürich.» Diese kommt zum Schluss, dass sich Investitionen in die Isolation eines Gebäudes vor allem dann lohnen, wenn sie gleichzeitig mit einer optischen Renovation in Angriff genommen werden. Zudem liessen sich die Kosten der Sanierung von den Steuern abziehen, und unter Umständen könnten Hirts Geld aus dem Klimarappen-Fonds bekommen, der ab 2007 ausgeschüttet wird.

Nach anderthalb Stunden ist die Beratung zu Ende. Bruno und Nicole Hirt ziehen ein positives Fazit: «Wir wissen nun, was es kostet und wie wir vorgehen sollen.» Damit sind sie vielen Hausbesitzern voraus: Gemäss einer aktuellen Studie des Bundesamts für Energie haben sich 70 Prozent der Einfamilienhausbesitzer nie über das Energiesparpotenzial des Gebäudes informiert.


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