Rund 15 Jahre hält der Brenner einer Ölheizung im Schnitt. Steht er zum Austausch an, bestellen Hausbesitzer meist den Installateur, um sich beraten und Ersatz offerieren zu lassen. Wegen der hohen Ölpreise oder aus ökologischen Überlegungen wird dann statt einer Ölheizung vielleicht eine mit Gas oder Holzpellets betriebene Anlage eingebaut (siehe Nebenartikel «Vergleich: Heizsysteme»).

Ein typisches Vorgehen, bei dem das Pferd aber am Schwanz aufgezäumt wird: «Vor der Auswahl der neuen Heizung muss man unbedingt prüfen, ob die Gebäudehülle ausreichend isoliert ist», rät Patrick Hofstetter, zuständig für den Bereich Klimapolitik beim WWF Schweiz. Sonst nutze man grosse Sparpotenziale nicht aus und baue eine überdimensionierte Heizung ein. Hofstetter empfiehlt Hausbesitzern deshalb, statt des Installateurs zuerst einen Energieberater beizuziehen.

Das Sparpotenzial, das dabei zutage kommt, kann beträchtlich sein: Mit der richtigen Isolation lässt sich der Energieverbrauch eines durchschnittlichen Einfamilienhauses halbieren. Allein durch ein unisoliertes Dach gehen 17 Prozent der Heizenergie verloren. Gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie sind sich viele Hausbesitzer dessen aber nicht bewusst. Sie gehen davon aus, dass der Zustand ihres Hauses gut, die Isolation ausreichend und eine Nachrüstung deshalb unnötig sei.

Solches Denken taucht in der Praxis immer wieder auf: «Nur wenigen ist bekannt, welch grosser technologischer Fortschritt bei Isolationen passiert ist», sagt Christian Zeyer, Energieberater in Bern. Wenn dann nur eine neue Heizung eingebaut werde, sei das, als ob man einen alten VW-Käfer mit einem Ferrari-Motor ausrüsten würde. Zeyer vergleicht eine gute Gebäudeisolation mit einer Art Vollkaskoversicherung: «Sie garantiert, dass die Heizkosten auch bei steigenden Energiepreisen im tragbaren Rahmen bleiben.»

Auch wenns kostet: Isolieren bringts

Untersuchungen der ETH zeigen, dass sich eine gute Isolation auch rechnet - vor allem wenn ohnehin eine Sanierung der Gebäudehülle ansteht. Der Ansatz ist einfach: Wird ein Haus renoviert, fallen Kosten wie das Gerüst oder der Verputz sowieso an. Ausschlaggebend sind dann nur noch die zusätzlichen Kosten für die Isolation. Wer etwa die Fassade seines Einfamilienhauses neu verputzen muss, bezahlt für die zusätzliche Montage einer zwölf Zentimeter dicken Isolation nur 80 Franken Aufpreis pro Quadratmeter. Diese Investition verursacht jährliche Abschreibungs- und Zinskosten von vier Franken pro Jahr und Quadratmeter Fassade. Dagegen bringt die neue Isolation beim aktuellen Ölpreis eine jährliche Ersparnis von sechs Franken Heizkosten pro Quadratmeter.

Trotzdem ist der finanzielle Aufwand für eine Isolation nicht zu unterschätzen. Für die Fassaden eines Einfamilienhauses ist schnell einmal mit 15’000 bis 20’000 Franken zu rechnen. Geld, das heute dank tiefen Hypozinsen günstig zu haben ist - vorausgesetzt, die Verschuldung ist nicht zu hoch. Wer hingegen seinen Hypothekarkreditrahmen schon voll ausgereizt hat, erhält von der Bank auch für energetische Sanierungen meist kein Geld.

In diesem Fall empfiehlt der Energieberater Christian Zeyer, zumindest eine Strategie für die Sanierung festzulegen und diese nach und nach umzusetzen. «So verhindert man Fehlinvestitionen», sagt der Experte. Manchmal mache es auch mehr Sinn, die alte Heizung vorerst nochmals durch eine in der Anschaffung günstige Öl- oder Gasheizung zu ersetzen, statt ein teureres System zu beschaffen. So kann das eingesparte Geld in die energetische Sanierung der Gebäudehülle gesteckt werden.

Die Isolation ist der zentrale Punkt

Ein Vorgehen, das auch für WWF-Klimafachmann Patrick Hofstetter Sinn macht: «Ist der Energieverbrauch eines Hauses dank guter Isolation klein, ist es nicht so entscheidend, mit welchem Heizsystem die Wärme erzeugt wird.» Stark belastet wird die Umwelt vor allem durch schlecht isolierte Häuser mit hohem Heizenergieverbrauch. Auch als ökologisch geltenden Systemen sind Grenzen gesetzt: Sonnenkollektoren reichen bei Altbauten derzeit nur als Ergänzungsheizung. Und eine WWF-Untersuchung zeigt, dass die als besonders ökologisch angepriesenen Wärmepumpen auch negative Seiten haben: Werden sie nicht mit Strom aus ökologischer Produktion (Wasser, Sonne, Wind) betrieben, tragen sie indirekt zur Produktion des Treibhausgases CO2 bei. Denn ein Teil des Schweizer Stroms stammt aus Kohle- und Gaskraftwerken im Ausland.

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