Der meistgebrauchte Heizstoff in Schweizer Wohnungen ist auch der schädlichste für die Umwelt: Beim Verbrennen eines einzigen Liters Heizöl entstehen 2,5 Kilogramm des Treibhausgases CO2. Laut dem Bundesamt für Energie verbrannten die hiesigen Haushalte im Jahr 2001 rund 5,2 Millionen Tonnen Heizöl. Das entspricht etwa einem Viertel des gesamten Energieverbrauchs in der Schweiz – und der Konsum steigt jährlich. Höchste Zeit also, über umweltgerechteres Heizen nachzudenken.

Wer der Natur Gutes tun will, muss nicht gleich ein kostspieliges neues Heizsystem installieren. «Die umweltfreundlichste Energie ist jene, die wir gar nicht erst brauchen», sagt Toni Püntener von der Umweltschutzfachstelle der Stadt Zürich. In den meisten Fällen sei es viel klüger, das Geld für die Wärmedämmung des Hauses einzusetzen, als eine neue Heizung zu kaufen. Ähnlich argumentiert Pius Hüsser, Leiter von Nova Energie, die im Rahmen des nationalen Programms Energie Schweiz als Beratungszentrale für die Nordwestschweiz dient: «Ist ein Haus richtig isoliert, dann spielt die Art der Heizung gar nicht mehr eine so wichtige Rolle.» Erste Priorität bei der Wärmedämmung haben der Einbau von Wärmeschutzfenstern sowie die Abdichtung von Kellerdecke, Estrichboden und Dach.

Die modernen Wärmeschutzfenster erzielen verblüffende Spareffekte. Fenster mit unbeschichteter Doppelverglasung, wie sie in den siebziger Jahren verwendet wurden, verursachen einen Energieverlust von 24 Liter Öl pro Quadratmeter und Jahr. Mit einer optimalen Wärmeschutzverglasung lässt sich dieser Verlust auf einen Drittel senken. Laut Toni Püntener lohnt es sich hingegen kaum, eine Fassade allein aus Energiespargründen zu sanieren.

Anzeige

Besonders augenfällig ist der Nutzen von Wärmedämmungsmassnahmen bei Häusern, die nach dem Minergie-Standard gebaut oder saniert werden. Der Berner Architekt Hanspeter Bürgi hat in einer Wirtschaftlichkeitsstudie ermittelt, dass die Energiekosten eines Doppel-Einfamilienhauses (Baujahr 1936) nach der Sanierung auf 22 Prozent des ursprünglichen Werts sanken. Statt 3300 Franken im Jahr kosten Strom, Heizung und Warmwasser heute nur noch 734 Franken.

Die Rückkehr der Holzheizung

Die Frage nach umweltverträglichen Heizsystemen stellt sich vor allem bei den Neubauten. Immer beliebter werden Wärmepumpen. Energieberater Hüsser schätzt, dass bei über einem Drittel der Neubauten solche Systeme installiert werden.

Auch Heizen mit Holz gewinnt langsam aber sicher wieder an Beliebtheit, zumal der Brennstoff erneuerbar ist und erst noch zu fast 100 Prozent aus dem Inland stammt. Die Anzahl der Holzfeuerungsanlagen stieg im Jahr 2001 um 5000 auf knapp 660000. Laut Holzenergiestatistik wurden im gleichen Jahr 2,6 Millionen Kubikmeter Holz verfeuert, was einer Heizölmenge von 500000 Tonnen entspricht – ein erfreulicher Erfolg für die Natur.

Anzeige

Der grosse Nachteil von Wärmepumpen und Holzheizungen sind die hohen Anschaffungskosten: Diese sind mit 20000 bis 30000 Franken für ein mittelgrosses Einfamilienhaus rund doppelt so hoch wie bei einer Öl- oder einer Gasheizung (siehe Nebenartikel «Heizkosten: Jede Energie hat ihren Preis»). Ein Teil davon lässt sich aber bei den Energieträgern wieder einsparen. Einige Kantone kennen sogar Förderprogramme und -beiträge für umweltfreundliches und energieeffizientes Heizen (siehe Artikel zum Thema «Ökologie: Auf die Umwelt lässt sich bauen»).

In den dicht besiedelten Gebieten der Schweiz gewinnt auch das Prinzip des Fernwärmeverbunds an Boden. Die Fernwärme ist vor allem in Fällen sinnvoll, in denen die Abwärme von Kehrichtverbrennungsanlagen oder erneuerbare Energie wie Holz oder Erdwärme genutzt werden können. Eine Bedingung dafür ist allerdings, dass das Haus an ein bestehendes Fernwärmenetz angeschlossen werden kann. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Gemeinde, ob dies möglich ist.

Anzeige

Die Sonne heizt das Wasser

Die entsprechenden Anschlussgebühren und Heizkosten sind von Netz zu Netz verschieden. Im Kanton Basel-Stadt besteht sogar eine Anschlusspflicht für Gebäude, die vom kantonalen Fernwärmenetz erschlossen sind.

Sonnenkollektoren kommen vorwiegend in Kombination mit anderen Systemen zum Einsatz. In Einfamilienhäusern eignen sie sich vor allem für die Vor- und die Erwärmung des Wassers; das ganze Haus lässt sich in unseren Breitengraden so aber kaum heizen.

Bevor man sich für ein neues Heizsystem entscheidet, sollte man auf jeden Fall eine Energieberatungsstelle kontaktieren. Die Erstberatung durch die kantonale Fachstelle ist gratis.

Weitere Infos

Das Programm Energie Schweiz:

Adressen der kantonalen Energieberatungsstellen:

Umfassende Informationen zu Energiefragen rund ums Haus:

Anzeige

Ölheizungen:

Gasheizungen:

Wärmepumpen:

Holzheizungen:

Sonnenenergie: