Den Fluglärmgegnern im Raum Zürich ist gelungen, was andere Lärmgeplagte nur schwer schaffen: Fast täglich berichten die Medien über den Kampf der Anwohner gegen die geplanten Südanflüge auf Kloten. Es geht um viel Geld: Die Bewohner der noblen Goldküste und des Glatttals befürchten eine Entwertung ihrer Häuser; entsprechend rasch haben sich Bürgerkomitees und Schutzgemeinschaften mit zum Teil namhaften Mitgliedern gebildet. Das ist eine grosse Ausnahme, denn im Normalfall haben Lärmgeplagte kaum eine Lobby.

Laut einer Umfrage des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) fühlen sich über 64 Prozent der Bevölkerung durch Lärm gestört. Jeder Neunte in der Schweiz leidet sogar unter Lärm: Rund 100000 Personen sind täglich Fluglärm ausgesetzt, und Bahn und Strassenverkehr sorgen dafür, dass über 750000 Anwohner Immissionen über dem Grenzwert ertragen müssen. Zwar wurden in allen Bereichen weit reichende Lärmbekämpfungsmassnahmen beschlossen. Umgesetzt sind diese aber bei weitem nicht. Die Sanierungsarbeiten der Eisenbahn etwa liegen weit hinter dem Fahrplan zurück; sie hätten 2002 abgeschlossen sein sollen.

Strassensanierungen verzögern sich

Auch die Massnahmen im Strassenverkehr lassen auf sich warten. Ende August hat das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) die Fristen zur Sanierung von lärmbelasteten Strassen verlängert: Die Nationalstrassen sollen nun bis 2015 saniert sein, Haupt- und übrige Strassen bis 2018. In einem ersten Entwurf zur Revision der Lärmschutzverordnung hatte das Uvek noch eine Frist bis spätestens 2012 vorgesehen.

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Lärm kann krank machen. Laut einer Studie des deutschen Umweltbundesamts sind Menschen, die nachts Strassenlärm von 55 Dezibel oder mehr ausgesetzt sind, doppelt so häufig wegen Bluthochdrucks beim Arzt als Anwohner, bei denen der Strassenlärm unter 50 Dezibel beträgt. Bei zu hohem Bluthochdruck steigt das Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag. Das Buwal schätzt allein die durch den Verkehrslärm entstehenden Gesundheitskosten auf 137 Millionen Franken pro Jahr.

Trotzdem wehren sich gerade oft Anwohner lauter Strassen kaum. Das hat seine Gründe: Zum einen ist das Problem häufig lokal begrenzt, zum anderen spielen auch gesellschaftliche Faktoren eine grosse Rolle. «Wer in einer Stadt an einer stark befahrenen Transitachse wohnt, hat meist gewichtigere Probleme als den Lärmschutz», sagt Urs Jörg, Leiter Fachabteilung Lärm beim Buwal. «Ist dann das notwendige Geld beisammen, zieht man in eine ruhigere Gegend.»

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Klagen gegen übermässigen Strassenverkehrslärm haben derzeit ohnehin kaum Chancen auf Erfolg. Denn solange die Sanierungsfristen laufen, wird von den Betroffenen Geduld verlangt. Dennoch kann es sich lohnen, mit Gleichgesinnten Krach zu schlagen: Unter Umständen wird die Sanierung damit beschleunigt – selbst wenn nur Schallschutzfenster eingebaut werden. Dann hat man wenigstens bei geschlossenem Fenster mehr Ruhe.

Weitere Infos

Adressen:

  • Vereinigung der kantonalen Lärmschutzfachleute,
  • Cercle Bruit Schweiz/Suisse, c/o Amt für Umweltschutz des Kantons Luzern, Beat Marty, Postfach, 6002 Luzern; www.cerclebruit.ch
  • Bundesamt für Verkehr, Bollwerk 27, 3003 Bern, Telefon 031 322 57 11
  • Bundesamt für Zivilluftfahrt, Maulbeerstrasse 9, 3003 Bern, Telefon 031 325 80 39/40

Internet:

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