Patricia Kaufmanns Telefon klingelte unablässig - der Feierabend verlor seinen Erholungswert. Die Anrufer wollten allesamt ihre Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Bottmingen BL besichtigen, die sie vor kurzem gekündigt hatte. Die Immotest Bau- und Verwaltungs-AG hatte sie als Kontaktperson im Internet angegeben - mit Adresse, ohne sie zu fragen. Ein klarer Verstoss gegen den Datenschutz.

«Zudem mache ich nicht die Arbeit der Verwaltung - ich suche doch nicht meine möglichen Nachfolger aus», empörte sich Patricia Kaufmann. Immerhin erfuhr sie in der gleichen Anzeige etwas Neues: dass ihre Wohnung über einen Balkon und das Haus über einen Lift verfüge. Auf ihren Protest hin entfernte Immotest Kaufmanns Namen aus dem Internet und korrigierte ausserdem die Falschangaben betreffend Balkon und Lift.
Eigentlich hätte die Immotest Bau- und Verwaltungs-AG das Haus gut kennen müssen, denn Patricia Kaufmann musste bei der Firma schon mehrmals ihre Rechte einfordern. Mit Ausnahme der Bemerkung, sie sei eine «anspruchsvolle Mieterin», wollte sich Immotest, eine Tochter der Pax-Versicherung, gegenüber dem Beobachter allerdings nicht weiter zum Fall äussern.

Erhöhung der Nebenkostenpauschale

Tatsächlich aber verlangte Patricia Kaufmann von den Immobilien-Fachleuten lediglich, dass sie korrekt handeln - was aber nicht immer der Fall war. So kontaktierte sie vor acht Jahren nach einer Erhöhung des Mietzinses die Schlichtungsstelle für Mietangelegenheiten. Immotest zog darauf den Aufschlag zurück - offensichtlich fehlte ihr eine Begründung für die Erhöhung. Zwei Jahre später leckte ein Fenster der Dachwohnung, das Wasser tropfte in die gute Stube, und die Raumtemperatur sank, es wurde unbehaglich. Nachdem die Mieterin mit einem Mietzinsabzug gedroht hatte, liess die Verwaltung das Fenster notdürftig reparieren.

2005 verlangte Patricia Kaufmann einen Mietzinsabschlag, weil der Hypothekarzinssatz gesunken war. Darauf stieg die Immotest ein: Sie senkte den Nettomietzins um fünf Franken, erhöhte aber gleichzeitig die Nebenkostenpauschale um 20 Franken. Die Schlichtungsstelle winkte ab - Nebenkosten müssen genau belegt werden, eine beliebige Erhöhung ist unstatthaft. Immotest musste den Aufschlag zurücknehmen - Patricia Kaufmann verzichtete auf die Mietzinsreduktion von fünf Franken.

Rechnung für Reparatur

2007 fand Immotest, die Zeit für die Erhöhung des Mietzinses sei nun gekommen. Ein Aufschlag von 32 Franken stand ins Haus. Eine bescheidene Summe, gerechtfertigt war sie dennoch nicht; der Hypothekarzinssatz war nämlich unverändert geblieben. Die Schlichtungsstelle hiess schliesslich einen Teuerungsaufschlag von 14 Franken gut. Ebenfalls 2007 wurden die Heizkörper nicht mehr warm. Die Reparatur kostete 275 Franken - Immotest verrechnete der Mieterin sogleich 120 Franken weiter. Doch Patricia Kaufmann belehrte die Spezialisten, dass der Mieter gemäss Obligationenrecht nur kleine Reparaturen bis 150 Franken zahlen müsse. Worauf Immotest drohte, ihr die gesamten 275 Franken in Rechnung zu stellen. Die Schlichtungsstelle entschied darauf, dass die Reparatur vollumfänglich vom Vermieter bezahlt werden müsse.

Für den neuen Mieter hat Immotest die Bruttomiete um rund 200 Franken auf 1150 Franken erhöht. Immerhin verrechnet die Verwaltung nichts für die idyllische Lage am Birsig und den Blick auf einen japanischen Garten.

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Quelle: Dominik Plüss