Was dem Bären seine Höhle, ist dem Menschen seine Behausung. Doch nicht nur Schutz vor Umwelteinflüssen wie Kälte, Hitze und Regen sowie Schutz der Privatsphäre sollen die eigenen vier Wände bieten. Auch das ästhetische Empfinden will gestreichelt sein.

Allerdings macht es die enorme Fülle von Stilen und Materialien, von Farben und Formen nicht gerade einfach, sich typengerecht und geschmackvoll einzurichten. Selbst ein prall gefülltes Portemonnaie bewahrt nicht unbedingt vor dem sprichwörtlichen Tritt ins stilistische Fettnäpfchen, wie unser Blick in die guten Stuben von drei Schweizer Prominenten zeigt und wie Inneneinrichter bei einem Test bestätigen (siehe Nebenartikel zum Thema «Das Promi-Rätsel: Wem gehören die Wohnungen?»).

Allem voran sollte eine Wohnung den Lebensumständen ihrer Bewohner Rechnung tragen. So kann, wer selten Gäste einlädt und kaum je zu Hause isst, getrost auf eine Esszimmereinrichtung verzichten. Der Platz, den Esstisch, Stühle und die obligate Anrichte in Anspruch nehmen, lässt sich besser nutzen: für eine kleine Bibliothek inklusive Liege, in der Leseratten bequem ihrem Hobby frönen können. Für ein Bastel- und Spielzimmer für die ganze Familie. Für eine Computerecke oder ein separates Fernsehzimmer – nicht jeder mag die oft den Raum beherrschende Flimmerkiste in der Stube stehen haben.

Genauso individuell wie Lebensumstände und Bedürfnisse ist auch die Frage nach dem Stil. Rustikal oder elegant? Ultramodern oder klassisch-gepflegt? Inspiration kann man sich aus Zeitschriften oder bei Möbelhäusern holen. Allerdings sind der Möbelmarkt wie die Bekleidungsindustrie Modewellen unterworfen. Wer sich dem Modediktat beugt, läuft entweder Gefahr, sich alle Jahre neu einrichten zu müssen und damit Tausende von Franken auszugeben oder mit der Zeit ein Sammelsurium an Möbeln zu besitzen, die nicht zueinander passen.

Wer unbedingt einen Modetrend aufgreifen möchte, tut dies am kostengünstigsten mit Dekorationselementen wie Vorhängen und Tischtüchern. Die lassen sich, wenn man sie einmal satt hat, ohne grösseren Verlust ersetzen.

Natürlich hilft es ungemein, fürs Einrichten viel Geld zur Verfügung zu haben. Eine Badewanne im Wohnzimmer – wie beim Zürcher Seidenkönig Andi Stutz zu finden – kann sich nicht jeder leisten. «Schön einrichten kann man sich aber auch mit wenig Geld», betont Stutz, der neben dem Esssalon im unteren Stock sogar ein separates Apéro-Zimmer hat.

Ein kleiner Trost bleibt: Eine Badewanne – so luxuriös sie auch sein mag – in der Stube stehen zu haben, ist nicht jedermanns Geschmack.

Zehn Einzelstücke, mögen sie auch noch so teuer gewesen sein, machen noch keine gelungene Einrichtung. Nicht nur der Stil, auch Farbe und Material von Einrichtungsgegenständen wollen beachtet sein. Dabei ist Holz nicht gleich Holz. So kann ein Clubtisch, dessen eichenes Tischblatt sich mit dem Buchenparkett und der mit Nussbaum furnierten Kommode farblich beisst, ein ganzes Wohnzimmer verschandeln. Stark gemaserte Holzflächen wiederum können grosse Unruhe in einen Raum bringen.

Farbe beeinflusst unser Wohlbefinden stark. Knallrot gestrichene Räume etwa lassen uns nervös und aggressiv werden. Nicht von ungefähr spricht man von kalten und warmen Farben. Blau, weiss und grau gehaltene Zimmer wirken eher kühl, Gelb- und Brauntöne werden hingegen als warm und sonnig empfunden.

Blau ist aber nicht gleich Blau und Rot nicht gleich Rot. Zu viele unterschiedliche Töne derselben Farbe können ebenso wie zu viele verschiedene Farben unruhig wirken und sich gegenseitig massiv stören. Wer sich im Umgang mit Farben nicht sicher fühlt, geht mit Grau, Schwarz, Weiss sowie Chrom und Glas auf Nummer Sicher. Akzente können mit einzelnen Farben gesetzt werden. Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass ein knallbuntes Sofa den Raum dominieren wird – was man unter Umständen gar nicht wirklich will.

Alte Anschaffungen als Hypothek


Schöne Stücke verdienen es, dass ihnen genügend Platz eingeräumt wird. Ein Designerschrank kommt nicht zur Geltung, wenn er sein Dasein in einer Ecke fristen muss. Und die Barockkommode kann ihren antiken Charme nicht verbreiten, wenn ein Hifi-Turm ihr die Show stiehlt. Die geschnitzte Engelsstatue in Paul und Valérie Accolas Davoser Wohnung darf zwar aus dem Fenster auf ein wunderschönes Bergpanorama blicken, wird aber durch den Fernseher bedrängt.

Bereits vorhandene Möbel können eine Hypothek sein, sei es, dass sie zu gross oder zu klein für einen einzurichtenden Raum sind, sei es, dass sie in Stil und Farbe nicht zu Neuanschaffungen passen. So thront etwa Monica Kisslings monströses blaues Sofa in der hübschen Altbaustube wie eine böse Kröte. Das riesige Möbel der bekannten Astrologin zieht als Erstes den Blick auf sich, beherrscht den Raum und macht ihn viel kleiner, als er eigentlich ist. Ohne dieses Sofa wäre es zudem viel einfacher, die restlichen Möbel zu stellen, und man müsste nicht immer um die zweite Sitzgarnitur herumgehen, wenn man von der Küche ins Esszimmer will.

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